Kreisgruppe München-Stadt

Aktuelles

15.05.2017

Vorsitzender Bundeswehrverband zur Lage der Bundeswehr

Oberstleutnant André Wüstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes und höchster Interessenvertreter der deutschen Soldaten, war für heute vom Wirtschaftsbeirat der Union e.V. in den Königssaal des Bayerischen Hofes eingeladen, um zum Thema "Die Bundeswehr zwischen Anspruch und Wirklichkeit" zu referieren. Unser Vorstandsmitglied Hauptmann d.R. Matysik nutzte die Möglichkeit zur Teilnahme und war vom gleichsam inhaltlich und rhetotisch brillianten 90-minütigen Vortrag mit 
abschließender kurzer Fragerunde hoch beeindruckt.
 
Mit geballter Kompetenz und soldatischer Nüchternheit zog Oberstleutnant Wüster einen weiten Bogen um praktisch alle großen Problemgemenge der Bundeswehr, leitet sie nachvollziehbar historisch her, stellte fest und bewerte die aktuelle Lage sowie die Möglichkeiten des Handelns. Im Zentrum stand für ihn dabei nicht der derzeitige Medienrummel um das Traditionsverständnis der Bundeswehr, auf den er trotzdem kurz einging und bei dem er neben dem Fehlverhalten einzelner Soldaten vor allem den Aktionismus und die z.T. mangelhafte Fehler- und Führungskultur auf hoher und höchster Ebene kritisierte.

"Eine Organisation mit gut 250.000 Mitarbeitern wird auch zukünftig trotz bester Ausbildung nicht auf Fehler verzichten können." – „Wenn Menschen Fehler machen, heißt es nicht per se, dass die Innere Führung versagt hat. Leider wird zu wenig differenziert oder es werden sogar bewusst unterschiedlichste Vorfälle in einen Gesamtzusammenhang gestellt. So kann man den Ruf der Bundeswehr auf die Schnelle in Teilen der Bevölkerung ruinieren, wie es der Deutschlandtrend aktuell zum Ausdruck bringt“, sagte Wüstner in Bezug auf von der Leyens Kritik an Führungs- und Haltungsschwäche in der Bundeswehr."

Viel problematischer sieht der Bundeswehrverband die derzeit dauerhaft eingeschränkte materielle und personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr, deren Organisation, Rekrutierung und Beschaffung ständigen politischen Richtungswechseln und Umstrukturierungen nicht mehr zeitnah zu folgen vermag, einer dringenden nachhaltigen Lösung.
Hier setzt Oberstleutnant Wüster große Hoffung auf die heuer neu zu verabschiedende Konzeption der Bundeswehr, die lt. Planungschef Generalleutnant Erhard Bühler eine „Abkehr von den Vorgaben der Neuausrichtung von 2011“ bedeuten wird, sprich: ein bedeutsamer personeller und materieller Aufwuchs, weg von der Mangelverwaltung zur Vollausstattung, weg von reinen Stabilisierungsoperationen (zurück) zur Fähigkeit einer umfassenden Landes- und Bündnisverteidigung, oder in Zahlenbeispielen: ein Heer mit 3 voll einsatzbereite Divisionen (8–10 Brigaden), eine Luftwaffe mit der Fähigkeit zu 350 Luftensätzen pro Tag und zum Erhalt der Lufthoheit über Deutschland, eine Marine mit 15 gleichzeitig operierenden großen Seefahrzeugen.
 
Für den Bundeswehrverband wurden mit dem neuen Weissbuch und der daraus abgeleiteten neuen Konzeption der Bundeswehr die Zeichen der Zeit durch die Politik erkannt und die richtigen Weichen gestellt. Nach ständigem Hin und Her brauche die Bundeswehr jetzt endlich "einen Orientierungshalt" und langfristige Konsolidierung.
 
Seit 1990 habe man die Bundeswehr verkleinert und nahezu kaputt gespart. Die Trendwende kam ab 2014: Zu diesem Zeitpunkt sei der breiten Masse angesichts der Krisen im Nahen Osten und in der Ukraine klar geworden, dass sich die Lage grundlegend verändert habe. „Jetzt nimmt die Politik langsam, aber sicher wahr: Wir müssen gegensteuern und erstmalig in unserer Geschichte zwei Dinge gleichzeitig leisten können – internationales Krisen- und Konfliktmanagement, aber auch Landes- und Bündnisverteidigung“, sagte Wüstner und beschrieb die Herausforderung, vor der die Bundeswehr steht.
 
Größtes Problem seien neben den Lücken bei Material und Ausstattung der Wissensverlust durch die extrem fehlerbehaftete Neuausrichtung. Mit Bezug zu den Streitkräften sagte er: „Der Personalkörper steht unter enormen Druck. Die kleinste Bundeswehr aller Zeiten ist mit den größten Herausforderungen konfrontiert. Deshalb muss die angestrebte Stärkung der Bundeswehr in der nächsten Legislaturperiode weiter gewollt sowie mit gesetzlichen Maßnahmen unterlegt werden, dass der Aufwuchs entsprechend schnell gelingt."

Text: T. Matysik /DBwV (Freigabe: A. Wüstner/S. Tietz/17.5.2017)
Fotos: Wirtschaftsbeirat der Union e.V. (mit frdl. Genehmigung WBU/S. von Truschinsky/23.5.2017)



Suche

Ansprechpartner

LG Bayern

0
E-Mail:

Kameradschaft beitreten!

Tauschen Sie sich mit anderen Mitgliedern aus und diskutieren Sie mit!

RSS-Feeds abonnieren

Bleiben Sie immer auf dem Laufenden...