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Der 23. Internationale Sicherheitspolitische Kongress der Landesgruppe Baden-Württemberg im Hotel Mercure in Böblingen-Hulb befasste sich mit Deutschlands sicherheitspolitischer Verantwortung, der Führung der Bundeswehr in Grundbetrieb und Einsatz sowie Extremismus und Innere Führung, was im Tagungsthema „Bundeswehr – quo vadis? Reform und inneres Gefüge“ zusammengefasst war.

Staatssekretär Markus Grübel, MdB, trug über Deutschlands sicherheitspolitische Verantwortung vor – – Foto: Johann Michael Bruhn

Nach der Begrüßung durch den Landesvorsitzenden Oberstleutnant d.R. Joachim Fallert am Freitagabend ging Staatssekretär Markus Grübel, MdB, aus Esslingen in seinem Fachvortrag „Deutschlands sicherheitspolitische Verantwortung in der Welt – brauchen wir mehr Europa in der Verteidigung?“ auf diese Frage ein. Unter den vielzähligen sicherheitspolitischen Herausforderungen benannte er den Terrorismus, zwischenstaatliche Konflikte, die weltweite Aufrüstung und Proliferation von Massenvernichtungswaffen, die unkontrollierte Migration sowie die Herausforderungen des Cyber- und Informationsraumes. Dies sind alles keine speziellen Probleme Deutschlands, können aber nicht allein in Deutschland gelöst werden. Die damit verbundene Forderung „Mehr Europa“ setzt eine globale Strategie der Europäischen Union voraus und eine europäische Planungs- und Führungsfähigkeit. Mit der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (gebräuchliche Abkürzung PESCO, für Permanent Structured Cooperation) soll eine Synchronisierung der nationalen Streitkräftestrukturen oder die Durchführung gemeinsamer Rüstungsprojekte ermöglicht werden – einer Art „militärischem Schengen”. Passend zu Grübels Ausführungen zu den dazu notwendigen Trendwenden bei Personal, Material und Finanzen fiel die Batterie des Mikrofons aus. Nach Batterietausch fasste Grübel mit einem Blick nach vorn zusammen: Das Mehr an sicherheitspolitischen Herausforderungen erfordert ein Mehr an Europa und damit mehr Verantwortung für Deutschland; nicht als deutsche Forderung an Europa, sondern als Erwartung von Europa an Deutschland.

Der Leiter des Karrierecenters Stuttgart, Oberstleutnant Olaf Tödter-Adler, stellte die aktuelle Lage bei der Personalgewinnung dar
Der Leiter des Karrierecenters Stuttgart, Oberstleutnant Olaf Tödter-Adler, stellte die aktuelle Lage bei der Personalgewinnung dar – – Foto: Johann Michael Bruhn

Mit einem Teilaspekt aus Staatssekretär Grübels Vortrag beschäftigte sich Oberstleutnant Olaf Tödter-Adler, der Leiter des Karrierecenters Stuttgart, eingehender am Samstagmorgen in seinem Vortrag „Personalgewinnung – eine Trendwende?“. Nach einer kurzen Vorstellung des Karrierecenter Stuttgart mit seinen Dezernaten und deren Aufgaben zeigte er eine Übersicht der  Karrierecenter bundesweit. Nach massivem Personalabbau bei der Bundeswehr besteht deren Aufgabe nun darin, in den nächsten Jahren 12.000 Soldaten und 1.000 Reservedienstleistende zusätzlich zu gewinnen. Mit der YouTube-Serie „Die Rekruten“ konnte man ein „deutliches Bewerberplus“ verzeichnen, was über das gleiche Medium mit „Mali“ (Alltag der Soldaten im Alltagseinsatz) fortgesetzt wird. In den nächsten Monaten folgt eine Kampagne zur Gewinnung von Soldaten der Offizierslaufbahn.
Für die Eignungsfeststellung stehen dem Karrierecenter Stuttgart ausreichende Möglichkeiten zur Verfügung. Einschränkungen ergeben sich aber schon bei den fehlenden Parkplätzen, was manchen Kandidaten zur unverzüglichen Heimreise veranlasst haben soll – ohne Eignungsprüfung.

Da die Möglichkeiten für Neueinstellungen begrenzt sind, insbesondere bei geringer Arbeitslosenquote, müsse mehr für die Personalbindung getan werden. 2.000 Kündigungen/Widerrufe pro Jahr seien zu viel, Berufssoldaten hätten eine zu frühe Zurruhesetzung und bei den Zeitsoldaten gebe es zu wenig Weiterverpflichtungen. Wer zu früh in die Sackgasse „Burnout“ oder „Innere Kündigung“ abbiege, verfehle zwangsläufig seine Karriere.

Wer Karriere macht, kommt in Führungspositionen und hat damit die „Führung in Grundbetrieb und Einsatz unter Berücksichtigung der Erfordernisse der Inneren Führung“ zu beachten. Zu diesem Thema trug Oberst Christian Walkling vor, als Kommandeur Landeskommando Baden-Württemberg und aus den Erfahrungen seines Afghanistaneinsatzes. Ausgehend von einer Lageentwicklung 2017 für die Bundeswehr ging er auf die mediale Lageentwicklung ein. Etliche Vorkommnisse fanden in Süddeutschland statt, beunruhigend nah, aber nicht bei den Dienststellen des Landeskommandos.

Oberst Christian Walkling, Kommandeur Landeskommando Baden-Württemberg, beteiligte sich auch außerhalb seines Vortrages lebhaft an den Diskussionen
Oberst Christian Walkling, Kommandeur Landeskommando Baden-Württemberg, beteiligte sich auch außerhalb seines Vortrages lebhaft an den Diskussionen – – Foto: Johann Michael Bruhn

Ein schlichtes Erklärmuster für alle festgestellten oder vermuteten Fehlverhalten gibt es nicht. Einiges erklärt sich aber aus dem Rollenkonflikt zwischen Streitkräften und Gesellschaft. Wird vom Soldaten sinnvoller- und notwendigerweise weiterhin Gehorsam, Disziplin und Treue verlangt, so ist dies mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu mehr Individualisierung und Entfaltung der Persönlichkeit schwerlich in Deckung zu bringen. Die Benennung etlicher Führungsgrundsätze fasste Oberst Walkling in einem Zitat zusammen: „Man sage nie, wie etwas zu tun sei. Man sage vielmehr was zu tun sei – und man wird überrascht über den Einfallsreichtum seiner Leute überrascht sein.“ (George S. Patton jr., 1885 bis 1945, US-amerikanischer General). Auch nach der Benennung der vielfältigen Aufgaben der Führung diente ein Generalswort als Zusammenfassung: „Der Befehl regt nicht zur Diskussion an, sondern er beendet sie!“ (Wolfgang Schneiderhan).

Seine Erfahrungen mit Führung im Einsatz stellte Oberst Walkling auf 30 Seiten PowerPoint-Präsentation dar. Dabei ging es für ihn selbst um die Beratung der afghanischen Führung, was zusätzlichen Aufwand erforderte. Einem Verständnis für die dortigen Verhältnisse kommt man näher, wenn man sich mit dem traditionellen Reiterspiel Buzkashi („Ziege greifen“) beschäftigt – soll es dort schon unter Alexander dem Großen gegeben haben. Der Reiter gewinnt, der im Galopp eine tote Ziege aufnimmt und vor dem Preisrichter ablegt. Hauptproblem ist dabei, dass jeder der teilnehmenden Reiter siegen will und alles erlaubt ist, um an die Ziege zu kommen. Das bringt verwegene Reiter und Einzelkämpfer hervor, aber keine Teamfähigkeit.
Zu einem nicht zu vergessenden Aspekt von Führung zitierte Oberst Walkling auf seiner letzten Präsentationsseite zum Abschluss einen weiteren General: „Manchmal ist es verantwortungsvoll, Leute gehen zu heißen“ (Colin Powell) – was im englischen Original etwas kerniger klingt.

Einen Perspektivwechsel bot der Vortrag „Extremismus und Innere Führung in der Bundeswehr aus der Sicht eines Journalisten“ von Dr. Christoph Reisinger, dem Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung. Mit dem Abu-Ghuraib-Folterskandal als Einstieg zeigte er den Wandel des Informationsflusses durch Mobiltelefone mit Kamera auf, die eine schnelle Verbreitung von Fotos und Videos ermöglichen. Ein solcher Fluss der Nachrichten verändert die Kommunikation wesentlich, auch wenn die alten Verfahren erhalten bleiben.

Innere Führung aus Journalistensicht: Dr. Christoph Reisinger, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung
Innere Führung aus Journalistensicht: Dr. Christoph Reisinger, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung – – Foto: Johann Michael Bruhn

Informationen zu den Vorkommnissen in der Bundeswehr wie am Ausbildungszentrum für spezielle Operationen in der Stauferkaserne Pfullendorf oder an der Panzertruppenschule Munster kamen zeitversetzt aus unterschiedlichen Quellen in die Öffentlichkeit, selbst auf informellem Wege aus dem Ministerium. Als noch der Fall des Bundeswehr-Offiziers Franco Albrecht dazu kam, der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben und Anschläge geplant haben soll, wurde schnell der Vorwurf an die Verteidigungsministerin wegen fehlender Reaktion laut, diese wartete aber noch auf den Untersuchungsbericht. Hier sei „die Führung eines Ministeriums Getriebene und Treibende zugleich“. Das dürfe aber keineswegs dazu führen, dass ein General von seiner Absetzung zuerst aus dem Spiegel erfährt, wie Generalmajor Walter Spindler bei seiner vorzeitigen Entbindung.

Die Grundgedanken der Inneren Führung entstanden aus den Kriegserfahrungen von Hans Speidel, Adolf Heusinger, Johann Adolf Graf von Kielmansegg, Ulrich de Maizière und Wolf Graf von Baudissin, die für eine Wiederbewaffnung Deutschlands Kadavergehorsam und das Durchreichen verbrecherischer Befehle verhindern wollten. Die Kontrolle durch Hunderttausend Handys fehlte damals. Mit Grundsätzen wie „Ich schaffe als Vorgesetzter Vertrauen“ und „Ich erkenne, dass ich gewisse Loyalitätspflichten meinen Untergebenen gegenüber habe“ bleibe die Innere Führung weiterhin ein extrem wertvolles Instrument für die Bundeswehr.

Johann Michael Bruhn

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