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Landesgruppe Baden-Württemberg

Krisenherd Aichtal – Reservisten messen sich beim Uhu 2018




Immer wieder versucht Rädelsführer Gilbert Massier sich dem Verletzten zu nähern und die Rettungsarbeiten zu stören, was der Hauptgefreite d.R. Andreas Bast verhindert und seine Mannschaft der RK Bad Cannstatt-Untertürkheim bleibt Herr der Lage - - - Foto: Franco Pitscheider

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Schwierige Aufgabe, Feuerwehrleute schirmen den Verletzten ab, die Reservisten versuchen derweil die Demonstranten unter Kontrolle zu halten, was sichtlich nicht einfach ist - - - Foto: Franco Pitscheider

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Demonstranten erfolgreich von der Unfallstelle abgeschirmt, den Reservisten ist die Spannung der Situation anzumerken, die "Demonstranten" haben sichtlich Spaß dabei - - -Foto: Franco Pitscheider

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Die Mannschaft der RK Filder belegt den zehnten Platz, Oberstleutnant d.R. Bernhard Kempf übergibt die Urkunde an den Mannschaftsführer Hauptgefreiter d.R. Günther Knoblich, rechts die Wettkämpfer und im Hintergrund das gemischte Feld der militärischen und zivilen Funktioner - - - Foto: Franco Pitscheider

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Die Bundeswehr unterliegt dem Wandel der Zeit und muss sich an ständig neue Einsatzszenarien anpassen. Doch auch die Reserve ist lern- und anpassungsfähig. Dies bewiesen jüngst 55 Reservisten aus ganz Baden-Württemberg, die aufgeteilt
in 11 Mannschaften gegeneinander beim Reservistenwettkampf Uhu 2018 der Kreisgruppe Mittlerer Neckar antraten. Der Vorstand der Landesgruppe Baden- Württemburg hatte bereits frühzeitig im Vorjahr entschieden, den Kreiswettkampf zum Landeswettkampf hoch zu stufen.
Unter Leitung von Oberstleutnant d.R. Bernhard Kempf und Oberstabsfeldwebel d.R. Thomas Franck verwandelten fast 70 Männer und Frauen, Soldaten und Zivilisten das beschauliche Städtchen Waldenbuch, sonst eher als Heimat einer quadratisch, praktisch, guten Schokolade bekannt, in die Krisenregion Albland. Gemeinsam mit der Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Polizeirevier Filderstadt bewiesen die Teilnehmer auf sieben Ausbildungsstationen unterschiedlichste Fähigkeiten aus dem Einsatzspektrum der Streitkräfte in Stabilisierungsoperationen.

In Albland, einem von bürgerkriegsähnlichen Zuständen zerrüttetem Land, herrschen ethnische Konflikte, die an aktuelle Krisenherde erinnern: mehrere Ethnien, unterschiedliche Milizen, militärische und paramilitärische Akteure.
Aufgabe der Reservisten war es einen Teil der multinationalen Eingreiftruppe Albforce (Afor) zu repräsentieren, die die örtlichen Wahlen in der Region abzusichern hat.

Das Darstellungspersonal, das zum Teil Erfahrungen aus selbst erlebten Auslandseinsätzen und unterschiedliche fachliche Kompetenz in das gestellte Szenario mit eingebracht hatte, forderte den Wettkämpfern viel ab. Mit viel Fingerspitzengefühl, aber dennoch die Sicherheit niemals aus den Augen lassend, mussten sich die Wettkämpfer bewähren.

Den mündlich erteilten Zugbefehl in kurzer Zeit in einen passenden Patrouillenbefehl umzusetzen und zu erteilen war die erste Hürde für den Gruppenführer, denn mit dem Befehl, den er seinen Soldatinnen und Soldaten erteilte, startete er auch in den Patrouillenweg – keine Leitungslösung half ihm dabei Schnitzer zu vermeiden.

Human Intelligence oder menschliche Aufklärung. Was bitte ist das? Beim Bürgermeister von Glashütte und seiner Frau wurde das schnell klar. Wie ist die Lage? Welche Probleme bestehen? Kriminalität? Ethnische Konflikte? Infrastruktur?
Welche Erwartung hat er an die Afor? Wie ist die Versorgungslage? Alles Fragen, die im Gespräch zu klären waren. Wie ist das mit der Gastfreundschaft – Kaffee ja oder nein, Schnaps ja oder nein? Wie stelle ich meine Sicherung? Wer geht mit rein? Wie stellen wir die Kommunikation in der Sicherung sicher? Bereits hier zeigten sich deutliche Leistungsunterschiede in den Teams, die von Hauptfeldwebel d.R. Fred Lang kritisch bewertet wurden.

Bei der Kontrolle eines geplanten Stationierungsobjektes trafen die Reservisten auf eine verdächtige Person und ertappte sie bei einem Einbruchsversuch. Personenüberprüfung – erweiterte Personenkontrolle: Durchsuchung. Nicht jedes Team fand die illegale Schusswaffe, oder war in der Handhabung der Rechtslage sicher. Die Weigerung der örtlichen Polizei im Gelände mit der Patrouille zu koppeln, machte es dann notwendig die Person zu einem entfernten Kopplungspunkt zu begleiten. Fesselung ja oder nein? Erlaubt oder nicht? Notwendig oder nicht? Kein noch so kleiner Patzer entging dem Schiedsrichter Hauptfeldwebel d.R. Guido Bohlender.

Übergabegespräch mit der herbeizitierten Polizeistreife. Hatte man das je geübt, irgendwie nicht. Stressfaktor: Plötzlich taucht die eventuell nicht gefundene Waffe auf und mitten in der Übergabe die Presse mit Kameramann. Wer führt nun das Pressegespräch? Oder gibt man gar nichts preis? Wie stellt man den Schutz der Persönlichkeitsrechte des Verdächtigen sicher und hält dabei die Sicherung zweckmäßig aufrecht? Die beiden Polizeikommissare und Pressefeldwebel Stabsfeldwebel Bernd Winkler fordern schnelle saubere Entscheidungen und rasches Handeln ab.

Mitten in der Stadt begann auf einmal der Aufruhr. Die Feuerwehr ist am Einsatzort. Sie versucht, eine verunfallte Person aus einem Kraftfahrzeug zu retten. Rauch steigt empor, Trillerpfeifen sind zu hören. Demonstranten verheddern sich mit den Rettungskräften und versuchen, die Rettungsarbeiten zu stören. Ignorieren? Eingreifen? Zahlenmäßig ist man eher unterlegen. Den Unentschlossenen unter den Gruppenführern hilft der Einsatzleiter der Feuerwehr auf die Sprünge und bittet um Unterstützung. „Crowd and Riot Control“ im ganz kleinen Rahmen und doch sind alle gefordert bis zum Äußersten. Einem Soldaten gehen die Nerven durch – Warnschuss. Der Stationsleitende, Hauptmann d.R. Jörg Leonberger, bricht ab. Andere Teams agieren souveräner. Stress pur, alle sind gefordert. Es fällt schwer, den Überblick zu behalten und Verzahnung zu vermeiden. Nach Aussage mehrere Teilnehmer war das der Höhepunkt aber auch die schwierigste Station.

Zurück am Gefechtsstand ist technischer Dienst angesagt. Der Gruppenführer ist währenddessen beim Zugführer, trägt das Ergebnis der Gesprächsaufklärung vor und spricht den Patrouillenverlauf durch. „Gut gemacht!“, sagt Oberleutnant d.R. Julian Maier, „Wiesel 6 ist jetzt Zugreserve“. Jetzt ist aber doch Schluss denkt sich der Gruppenführer und geht zurück zu den Kameraden, sacken lassen, Waffen reinigen, nachbereiten – wie ist man wohl platziert? Wo hat man Punkte verschenkt? Warum hat man die Taschenkarte zum Umgang mit Medien nicht nochmal angeschaut? Warum die Rahmenlage nicht so genau gelesen. Nach 15 Minuten eilt ein Melder herbei? Alarm – die Reservegruppe muss sofort raus? Wieso? Ungläubige Gesichter! Was? Es gibt eine Meldung über Tote und Verletzte. Eilmarsch – sofort raus, Lage prüfen, heißt der Befehl. Die Gruppe eilt keuchend den Berg hinauf. 500 Meter können verdammt lang sein. Da kommt ein Milizionär schreiend aus dem Wald. Kreidebleich, blutend, kein Gehör mehr. Er schreit herum, rüttelt an einem Soldaten, will wissen was mit seinem Freund ist? Welcher Freund? Ach da, da liegt ja noch einer, aber der ist tot. Sicherung einteilen, Verwundeten versorgen, lauten die ersten Maßnahmen. Prüfende Blicke der Frauen und Männer vom Deutschen Roten Kreuz. Stationsleitender Oberstabsfeldwebel d. R. Heinz Hertler, einsatzerfahren, mehrmals Afghanistan, Kosovo, auch als Sanitätsfeldwebel, er kennt sich aus. Passt das alles? Aber was machen die jetzt mit dem Toten? Nichts! Punktabzug! Lagemeldung mit dem Nine-Liner ergibt eine volle Punktzahl. Bei der Kampfmittelmeldung gibt es dann einige Unsicherheiten. Die Taschenkarte war wohl nicht umsonst vor dem Wettkampf verschickt worden.

Jetzt ist aber wirklich Schluss. Die Reservisten sind wieder im Gefechtsstand, reinigen die Waffen, überprüfen, ob die Ausrüstung vollzählig ist und warten auf das Abschlussantreten. Den ersten Platz und Rang elf trennen Welten, doch die ersten fünf sind verhältnismäßig dicht beieinander. Souverän siegen die Kameraden der RK Waiblingen, vor der RK Besigheim, der RK Heilbronn, der RK Bad Cannstatt-Untertürkheim und der RK Schorndorf.

Der Dank des Leitenden gilt dann vor allem auch dem aktiven Feldwebel für Reservistenangelegenheiten, Stabsfeldwebel Thomas Geibel und seinem Vorgänger Oberstabsfeldwebel Lutz Bensinger. Letzterer ließ es sich nicht nehmen, wieder mit zu unterstützen. Das bewährte Team hat wieder reibungslos zusammengearbeitet. Der Dank galt auch dem Musikverein Stadtkapelle Waldenbuch 1888 e.V. der klaglos für eineinhalb Tage das Vereinsheim als „Forward Operating Base“ abgetreten hat und der Stadt Waldenbuch die vorbildlich unterstützt und zugearbeitet hat. Bürgermeister Michael Lutz hatte es sich auch nicht nehmen lassen, sich vormittags persönlich im Gefechtsstand einweisen zu lassen.
Die zivilen Organisationen waren mit der ungewohnten Zusammenarbeit mit den Reservisten sehr zufrieden. Eine zarte Pflanze für eine zukünftige Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen ist hier entstanden.

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