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Kreisgruppe Franken

Wo der Bundeskanzler Üb regierte




Zwar hat die Bunkeranlage in Ahrweiler die Ausmaße eines Eisenbahntunnels, ist aber nunmehr als Museum nur auf den ersten zweihundert Metern zugänglich

Foto: Hartmut Wilhelm

Foto: Livianne Smukalla

Die Verpflegung im Regierungsbunker für den Katastrophenfall dürfte jedem Reservisten vertraut sein

Foto: Livianne Smukalla

In Sachen Kommunikation war der Regierungsbunker auf dem neuesten Stand der Technik – für damalige Verhältnisse

Foto: Livianne Smukalla

Die Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) 60plus Franken hat den ehemaligen Bunker der Bundesregierung bei Ahrweiler besucht. Unter der Führung des RAG-Beauftragten Hauptgefreiter d.R. Hans Berger reisten 52 Personen, Reservisten und Damen aus Franken nach Ahrweiler bei Bonn.
1955 wurde die Bundesrepublik Deutschland teilsouverän Mitglied der Nato und musste so eigenverantwortlich der Bedrohung des Warschauer Paktes begegnen. Um bei einem Angriff aus dem Osten die Regierungsfähigkeit aufrecht zu erhalten, wurde bei Ahrweiler von 1959 bis 1971 eine Bunkeranlage auf einer Länge von 17,3 Kilometer in West-Ost-Richtung mit aller damals verfügbaren Technik in den Berg gebaut. An Baukosten fielen zeitwertig der Gegenwert von 100 000 Kleinwagen an.

Kriegsrüstung für den Friedenserhalt
Dieser Bunker ebenso wie die Aufstellung der Bundeswehr hatten zum eigentlichen Ziel die Vermeidung eines bewaffneten Konfliktes in Europa. Aus dieser Perspektive kann der Bau des Bunkers als eine sinnvolle Investition betrachtet werden.
Die Anlage musste im Verteidigungs-Fall zwei- bis dreitausend Personen aus Bundeskabinett, Bundestag, Bundesrat, Bundesministerien in 897 Büros zur Arbeit und 936 Räume zur Beherbergung aufnehmen, bei möglich dreißigtägiger eigener Energie-, Wasser- und Verpflegungsversorgung – so dass die Legislative, Exekutive sowie die Länder vertreten sind, verfassungsgemäß und feindgeschützt arbeiten können. Furchtbar luxuriös war das alles nicht. Selbst der Bundespräsident hätte sich mit einer recht kargen Bunkerbleibe bescheiden müssen, doch mit eigener Badewanne und vor allem atomwaffengeschützt. Dem Bundeskanzler stand lediglich
eine eigene Dusche zu.

Reservisten gegen Spetsnaz
Von 1966 bis 1989 wurde die Anlage, technisch dafür bestens ausgestattet, stabsrahmenmäßig alle zwei Jahre beübt: Fallex (Herbstübung), Wintex-Cimex (Winterübung und Militärisch-Zivile Zusammenarbeit). Gerade Wintex-Cimex dürfte einigen Kameraden noch in Erinnerung sein. Da spielten Abgeordneten-Darsteller, dazu Angestellte (echte), Beamte (echte) aus Bund, Länder und Land-/Stadtkreisen Einlagen wie zum Beispiel eingespielte zivile Katastrophenszenen im Zusammenwirken mit Wehrbereichs- und Verteidigungskreiskommandos durch. Einen wesentlichen Teil der Truppe stellten die Reservisten. Bei den Übungen wurden Lagen wie gemeldete Spetsnaz-Einsätze (hochtrainierte sowjetische Kommandodotruppen) auf Brücken, Bundesautobahnen, Eisenbahnlinien und Fernmeldeeinrichtungen von Reservisten der Sicherungskompanien der Heimatschutztruppe simuliert und geübt. Die Länderregierungen hatten und betrieben dabei eigene Regierungs-Bunker – so auch Baden-Württemberg.

NVA-gestützter Angriff
In Ahrweiler-Bunker mussten für die Übungszeit die ministerialen Zivil-Militärischen Insassen auf Bundeswehr-Betten nächtigen, aus Einmannpackungen leben – vermutlich mit dienstlich begründeten Ausnahmen. Während nach Übungsanlage die Nato die auch von der NVA als Speerspitze vorgetragenen Angriffe aus dem Osten im Bereich bis 30 Kilometer westlich der innerdeutschen Grenze verzögerte und bereinigte, hatte ab 30 Kilometer westlich dieser Linie die Bundesregierung das Sagen. Neben der zivilen Verwaltung als Streitmacht standen die aus kampfkräftigen Reservisten bestehende Heimatschutztruppen zur Verfügung. Die Nation regierte vom Bundesbunker aus der Bundeskanzler Üb. Über mehrere Jahre hieß der Mann Waldemar Schreckenberger und war hauptamtlich Staatssekretär bei Bundeskanzler Helmut Kohl.

Zeitzeuge aus Fels und Beton
1997 gab die Bundesregierung den Bunker auf. Das bedeutete auch den Verlust von sicher geglaubten Arbeitsplätzen. Bis auf 203 m nach dem Eingang wurde die Anlage geräumt, teils rückgebaut und verschlossen. Aus den vorderen 203 m entstand ein hoch interessantes Museum, die Dokumentationsstätte Regierungsbunker, mit einer authentischen Aussagekraft für die Zeit des Kalten Krieges. Der Heimatverein Ahrweiler betreut die Stätte und stellt hervorragende Gästeführer, die bestens, engagiert alles Wissenswertes vorstellen.

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