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Schnelligkeit ist Trumpf




Foto: Bernhard Kempf

Foto: Bernhard Kempf

Britische und deutsche Reservisten üben Zugriffsoperationen unter Einsatzbedingungen

Einen Gastbesuch der ganz besonderen Art absolvierten 20 Reservisten aus der Kreisgruppe Mittlerer Neckar aus Baden-Württemberg. Die 36th Royal Signal Squadron der Territorial Army, den britischen Reservestreitkräften, lud zum gemeinsamen, jährlichen Partnerschaftswochenende in der Grafschaft Essex ein. Unter der Leitung von Oberstleutnant d.R. Bernhard Kempf und Oberstabsfeldwebel d.R. Thomas Franck, der als Spieß fungierte, „verlegten“ die Reservisten am 19.08.2010 vom Flughafen Stuttgart per Flugzeug ins britische Colchester. Am Heimatstandort der britischen Fernmelder begrüßte der Officer Commanding, Major Stuart Rowson, jeden einzelnen Reservisten per Handschlag und hieß die deutsche Delegation auf das Herzlichste willkommen. Das darauf vom britischen Kompaniechef vorgestellte Rahmenprogramm für das Wochenende verhieß anspruchsvoll zu werden.

Davon konnte sich die kleine deutsche Truppe schon am folgenden Tag überzeugen. Der Vor- und Nachmittag wurde genutzt um sich mit dem Standardgewehr SA80 der britischen Streitkräfte vertraut zu machen. Die Staffsergeants Elliott und Aldridge verstanden es meisterlich die kurze Ausbildungszeit so zu nutzen, dass die deutschen Reservisten schnell handhabungssicher an der Waffe wurden. Den verbliebenen Nachmittag nutzten die Reservisten zu einer kleinen „sightseeing tour“ durch Colchester. Staffsergeant Smoker führte die deutschen Kameraden an die bedeutendsten Plätze der ältesten beurkundeten Stadt Englands, die noch heute stark durch die römisch-historische Baukunst geprägt ist. Abends wurde erneut verlegt. Diesmal nach Norfolk zur Stanford Training Area, kurz STANTA, einem Truppenübungsplatz auf dem die britischen Kontingente für Auslandseinsätze ausgebildet werden. Als Basislager diente ein altes Farmhaus, in dem sich das etwa 60 Mann starke Kontingent unterzog. Schlafsack, Dixi-Toiletten und britische Epa’s ließen so manchen Reservisten wehmütig an die ein oder andere Wehrübung erinnern. Die Unterkunft war einfach, aber trocken und windgeschützt.

                                                                                                                                                                    Foto: Bernhard Kempf

Der Samstag begann, wie in jeder Armee, mit der „Hygiene im Felde“ und dem nötigen Pragmatismus, diese mit den spärlichen Utensilien umzusetzen, die einem in diesem Fall zur Verfügung stehen. Nach der Einnahme des Frühstücks, etwa „sausage & beans“ aus der Tüte, mit der dazugehörigen Portion Tee, erfolgte die Einweisung durch Major Rowson, in das zu absolvierende Trainingsszenario – das Durchführen von „strike ops“ – der Infiltration und Isolierung subversiver Kräfte aus einem afghanischen Dorf.

Nach der Aufteilung in vier „sections“ erfolgte die Verlegung in das sogenannte „Afghan village“, einem originalen Nachbau eines afghanischen Dorfes, mitten in der grün blühenden Landschaft von Norfolk. Der gesamte Tag wurde für ein ausführliches Training genutzt, um sich mit der Thematik dieser anspruchsvollen Operationen auseinanderzusetzen. Dass dies nicht einfach ist und ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft erfordert, wurde sehr schnell deutlich. Bei einer „strike ops“, teilen sich die Kräfte in unterschiedliche Zuständigkeiten auf: das Abriegeln eines Zielgebietes in mehrere Sperrriegel, „outer/inner cordon“ und der „strike force“ genannte eigentliche Zugriffstrupp mit der zugehörigen Reserve. Meist werden solche speziellen Operationen nachts durchgeführt. Was einerseits den Überraschungseffekt erhöht, aber auch Koordination und Zugriff erschwert und zu unvorhergesehenen Folgen führen kann. Schnell ist man auch im falschen „compound“, was ein britischer Trupp schmerzlich feststellen musste, als der Einsatzleiter über Funk dann der Reserve befehlen musste den Zugriff im richtigen „compound“ fortzusetzen.

Angefangen von der Auswertung verschiedenster Informations- und Aufklärungsquellen, über Art und Umfang der gesuchten Zielpersonen, deren Fertigkeiten, Ausrüstung, Helfershelfer und Aufenthalt über landesübliche Sitten und dem Umgang und den Rechten von POW (prisoner of war, Kriegsgefangene). All dies ist im Ernstfall als ein fein abzustimmendes Zusammenspiel von oftmals mehreren 100 Soldaten, verschiedenster Teilstreitkräfte und Aufgabengebiete ausgelegt. Schnelligkeit ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Besonders die Kameraden die die Aufgabe des Zugriffs übernommen hatten, kamen ordentlich ins Schwitzen. Das Annähern und Zurechtfinden in dieser aus einer Mischung aus Burg und Labyrinth bestehenden Architektur, erfordert die volle Aufmerksamkeit und Konzentration. Hinter jeder Ecke, hinter jeder Mauer, kann ein Aufständischer – „insurgent“ – mit einer Kalaschnikow oder eine Sprengfalle lauern, die Gefahren sind vielfältig. Ebenso die Erstürmung eines solchen festungsartigen Hauses, „compound“ genannt, gleicht einer Operation, wie man sie von gängigen Spezialkräften her kennt. Nicht zuletzt muss durch die Zugriffskräfte in Sekundenbruchteilen erkannt werden, ob er eine unschuldige Zivilperson vor sich hat oder einen bewaffneten Gegner. Jede falsche Entscheidung kann schwerwiegende Folgen haben.

Das Gelände muss gesichert werden, jede Unterkunft durchsucht und Personen festgehalten und deren Identität festgestellt werden – alles auf Pistolenschussweite. Nach erfolgreichem Zugriff werden Zielpersonen genau so schnell und mit dem gleichen Maß an Sicherheit evakuiert. Jedoch braucht es für solche „strike op“ keine Rambos, nein, die Berücksichtigung der „Rules of Engagement“ sind penibel einzuhalten. Zivilpersonen und Einrichtungen sollen nicht zu Schaden kommen, was die Lage zusätzlich erschwert, denn viele der als einheimische Dorfbewohner verkleideten Ausbilder, nutzten jede Gelegenheit der übenden Truppe Verwirrung, Provokation und aggressives Verhalten entgegenzubringen.

Doch die Aufgabe, die den Reservisten gestellt wurde, erfüllten sie mit Bravour. Bei der Abschlussbesprechung zollte Major Rowson den deutschen Kameraden seinen Respekt: „Sie überzeugen durch ihr schnelles Handeln und durchsetzungsstarkes Auftreten; jederzeit Herr der Lage zu sein, zeugt von einem hohen Ausbildungsstand und Professionalität.

Nach Beendigung der Trainingseinheit in STANTA wurde zurück nach Colchester verlegt. Bei „fish & chips“ und einem geselligen „social event“ mit den britischen Kameraden in einer der vielen Pubs der Stadt, wurden die Erlebnisse der letzten Tage noch einmal in geselliger Runde besprochen.

Die britischen Streitkräfte, insbesondere die Territorial Army, durchlaufen derzeit signifikante Veränderungen und auch bei den englischen Kameraden hinterlassen Sparzwänge sehr deutliche Spuren. Beide Seiten hoffen auf dieser schwierigen Ausgangslage die Patenschaft und die hochwertigen Ausbildungsveranstaltungen in Deutschland und Großbritannien aufrecht erhalten zu können.

Fotos: Bernhard Kempf

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