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Kreisgruppe Neckar-Alb

„Verteidigung hat wieder Konjunktur“




Sicherheitmaßnahmen in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui sind ortsfeste Straßenkontrollstellen, ergänzt durch Patrouillen zu Fuß

Rene Ebert

Kleidung und Ausrüstung dieses estnischen Soldaten auf Patrouille in Bangui dienen seiner Sicherheit, sind aber weniger dem Klima angepasst

Sebastien Raffin

Patrouille du contingent estonien de l'EUFOR dans Bangui

Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung lagen in den Händen von (v.l.) Kreisorganisationsleiter Daniel Nagraszus, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Jörg Schlosser, Referent Afrika René Ebert, Ehrenpräsident Ernst-Reinhard Beck und dem RK-Vorsitzenden Jörg Hildenbrand

Foto: Johann Michael Bruhn

Ehrenpräsident Ernst-Reinhard eröffnete die Veranstaltung ■ Foto: Johann Michael Bruhn

 

Beim „Forum Sicherheitspolitik“ der Kreisgruppe Neckar-Alb in Reutlingen haben die Teilnehmer über Cyberbedrohungen und das Engagement der Bundeswehr in Afrika diskutiert.

„Es ist gut, diese Diskussionen wieder zu führen und vor allem in der Öffentlichkeit zu thematisieren“, so Michael Donth MdB in seinem Grußwort. „Genau das ist unsere Absicht“ führt Jörg Hildenbrand, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Reutlingen und Organisator des sicherheitspolitischen Seminars weiter aus. „Raus aus der Kaserne, hinein in ein attraktives Tagungshotel im Ballungsraum Reutlingen-Tübingen, um Öffentlichkeit für unsere Sache zu gewinnen“. Und der Teilnehmerkreis gab beiden Recht. Schon mit der Einführung in die Veranstaltung und später auch mit der Zusammenfassung, spannte Oberst d.R. Ernst-Reinhard Beck, Ehrenpräsident des Reservistenverbandes und ehemaliges Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages einen Spannungsbogen von der allgemeinen sicherheitspolitischen Lage, über aktuelle Themen der Reserve, hin zu den beiden Themenkomplexen des Tages.

Oberstleutnant Detlev W. Schad, Referent für Reservistenangelegenheiten beim Aufbaustab Cyber- und Informationsraum (CIR) ist Reservedienstleistender mit militärischen Erfahrungen vom Panzergrenadier bis zum Kommandeur Heimatschutzbataillon.

Während seines Vortrages „Cyber- und Informationsraum – Der Beitrag der Bundeswehr zur Cybersicherheit und -verteidigung“ zeigte Schad, dass technische Entwicklungen in ihren Wirkungen selbst von anerkannten Experten oftmals falsch beurteilt wurden. Selbst der Atomphysiker und Nobelpreisträger Lord Ernest Rutherford sah 1933 in der Atomzertrümmerung keine brauchbare Energiequelle oder wollte mit seinen Äußerungen dazu die Entwicklung der Atombombe verzögern.

Der amerikanische Mathematiker Norbert Wiener veröffentlichte 1948 das Buch „Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine“. Das Wort „Cybernetics“ aus dem englischen Originaltitel wurde in der Folge mit Cyber als Begriff oder Vorsilbe vielfältig erweitert verwendet. Ursprung Wieners kybernetischen Erkenntnisse war das Problem der automatischen Zielsteuerung von Flugabwehrgeschützen gewesen.

Wurde Cyberspace, Kyberraum oder Cyber-Raum zeitweise eher mit Computerspielen oder -simulationen verbunden, so gehe es heute und künftig um die Wirkungen und vielfältigen Einflussmöglichkeiten durch Computer und Internet auf unsere realen Lebensbedingungen. Um den verfassungsrechtlichen Auftrag der Bundeswehr zur Verteidigung Deutschlands zu erfüllen, gebe es viel zu tun, aber auch viel Abstimmungsbedarf mit anderen staatlichen Stellen und den Verbündeten. Dass Cyberbedrohungen nicht nur theoretisch bestehen, davon zeugen tausendfache Angriffe auf Netze des Bundes pro Tag. Während Wohnungseinbrüche oftmals Spuren hinterlassen und danach etwas fehlt, würden Einbrüche in Computernetze eher verzögert oder gar nicht entdeckt, gestohlene Daten fehlen nicht und hinterlassene Schadprogramme sind Zeitbomben.

Ob der Aufbaustab CIR außer den notwendigen Abwehrmaßnahmen auch offensive Maßnahmen vorzubereiten hat, nannte Schad nicht. In der strategischen Leitlinie „Cyber-Verteidigung im Geschäftsbereich der Bundeswehr“ vom 16. April 2015 ist jedoch nachzulesen, dass die Fähigkeit zum Cyberwar herzustellen sei.

Detlev W. Schad skizzierte, wie die Cyberverteidigung der Bundeswehr aussehen soll: Zu den drei Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine sowie Zentraler Sanitätsdienst und Streitkräftebasis kommt für CIR eine sechste Untergliederung mit eigenem Inspekteur. Das benötigte Personal soll über einen Master-Studiengang Cybersicherheit gewonnen werden, aber auch durch eine Cyberreserve, also Reservisten mit entsprechender Eignung, berichtete der Oberstleutnant. Da an dieser Stelle Engpässe absehbar sind, werde nicht in jedem Fall der Status Soldat gefordert, auch zivile Mitarbeiter sowie freie Berater und Experten sollen zum Einsatz kommen. Für den Status Soldat sollen die Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit den zu erwarteten Belastungen angepasst werden.

Er bezeichnete den Entwicklungsstand des militärischen Organisationsbereiches CIR noch als Krabbelstatus, für 2018 sei der aufrechte Gang vorgesehen und ab 2021 Laufschritt. „Dabei gilt: Deutschlands Freiheit wird auch im Cyberraum verteidigt“, betonte Schad.

Anschließend berichtete Oberstleutnant René Ebert über seinen sechsmonatigen Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik im Jahr 2014. Damals beteiligte sich die Bundeswehr an der Militärmission der EU namens European Forces Republic of Central Africa (Eufor RCA).

Der Soldat aus dem Multinationalen Kommando Operative Führung der Bundeswehr Ulm schilderte zunächst die schwierigen klimatischen Bedingungen in Zentralafrika. Für die Hauptstadt Bangui im Süden des Landes liegt die Durchschnittstemperatur bei 26 Grad Celsius. Dort fallen mit 140 Regentagen mit fast 80 Prozent Luftfeuchtigkeit 1545 mm Jahresniederschlag an. Dann ging er auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein. Etwa zwei Fünftel der Einwohner sind unter 15 Jahre alt. Christen stellen die Hälfte der Bevölkerung. Amtssprachen sind Sango und Französisch, eine Folge der bis 1960 dauernden Kolonialherrschaft. 1966 putschte Jean-Bédel Bokassa, wurde Präsident und war von 1976 bis 1979 als Bokassa I. Herrscher des Zentralafrikanischen Kaiserreiches. Es folgten eine Reihe von Putschen und Umsturzversuchen.

Für die Internationale Unterstützungsmission in der Zentralafrikanischen Republik (mission internationale de soutien à la Centrafrique sous conduit africaine, Misca) hatte die Afrikanische Union 2014 etwa 3500 Soldaten im Einsatz, Frankreich mit der Operation Sangaris 1600 Soldaten und Eufor 1000 Soldaten. Eine Regelung der Aufgabengebiete reduzierte die Probleme zwischen den Soldaten im Friedenseinsatz.

Die reine Anwesenheit von Ordnungskräften an Brennpunkten wie den Hauptverkehrswegen und dem Flughafen erwies sich als unzureichend und machte regelmäßige Patrouillen notwendig. Als die muslimische Minderheit den Zugang zu ihrem Distrikt verwehrte, kamen nicht die Fremdenlegionäre zum Einsatz, vielmehr wurden verstopfte Abwasserkanäle des christlichen Distrikts ausgebaggert und damit zahlreiche Schädlinge entfernt. Für diese Maßnahme im muslimischen Distrikt wäre eine Zufahrt notwendig gewesen. Nach zwei Tagen wurden die Sperren freiwillig für den Zugang von Bagger samt Patrouille entfernt und in der Folge 2000 Kubikmeter Abfall entfernt, somit der Verbreitung von Malaria vorgebeugt.

 

Wichtige Aufgabe der Patrouille ist nicht allein die Sammlung von Informationen, sondern auch deren Verbreitung. Man muss Anwesenheit zeigen und ins Gespräch kommen.

Mit einer Fülle von Fotografien verdeutlichte Oberstleutnant René Ebert die Bedingungen seines Einsatzes und ging auch auf Verpflegung, Unterkunft und die spezielle Ausrüstung ein. Er sieht eine unmittelbare Zunahme der Sicherheit durch diesen Einsatz. Nicht allein beim Klima gelten dort aber afrikanische Standards und Werte.

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