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Reservist als Buskoordinator: Halb Logistiker, halb Dolmetscher




Unteroffizier Sven Kelly engagiert sich als Reservist bei der Flüchtlingshilfe. Als Buskoordinator managt er jeden Tag den Transport von hunderten Flüchtlingen in Aufnahmeeinrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Besonders am Herzen liegt ihm der persönliche Kontakt zu den Menschen.
„Für mich ist es selbstverständlich, in Not geratenen Menschen zu helfen“, erklärt der 46-Jährige Nürnberger seine Motivation für den fordernden Schichtdienst an der niederbayerischen Grenze. Seit Oktober plant und koordiniert er den Einsatz von zehn Militärbussen und 25 Militärkraftfahrern zum Transport von Flüchtlingen. Neben der Bundeswehr sind auch die Deutsche Bahn, die Bundespolizei sowie zivile Auftragnehmer in die Logistik mit eingebunden. „Die Befehle, wie viele Flüchtlinge wir wann und wohin bringen sollen, kommen direkt aus Berlin vom Kommando Territoriale Aufgaben“, sagt Kelly, der sich selbst als „Überzeugungstäter“ bezeichnet. „Ich habe festgestellt, dass die Bundeswehr hier dringend gebraucht wird, und möchte meinen Beitrag leisten.“

 
Bundesweite Verteilung

Mögliche Kurzziele sind beispielsweise die durch die Bundeswehr betriebenen Wartezentren in Erding und Feldkirchen. Diese werden immer dann angesteuert, wenn die grenznahen Drehkreuze Passau und Rosenheim überlastet sind, oder kurzfristig keine anderen Aufnahmestellen frei sind. Grundsätzlich können die Busse aber auch bundesweit eingesetzt werden. Für Fernstrecken muss Kelly wegen der Lenk- und Ruhezeiten mit zwei Fahrern planen. Eine weitere Aufgabe ist zudem der ständige Pendelverkehr zwischen den Grenzübergängen und der so genannten „Paul-Halle“, einer ehemaligen Passauer LKW-Fabrik, die nun durch die Bundespolizei angemietet und für die erkennungsdienstliche Registrierung genutzt wird.

 
Hands-on-Mentalität

Kelly, der Sportmanagement in den USA studiert und mehrere Jahre im Ausland gearbeitet hat, erklärt, worauf es bei seiner Tätigkeit ankommt: „Am Ende zählen Taten, nicht Worte. Wer sich gerne hinter dem Telefon versteckt, ist hier falsch.“ Um Absprachen zu treffen und eine koordinierte Aufnahme der vielen Flüchtlinge zu gewährleisten, fährt er daher regelmäßig selbst an die Grenze. Das habe sich bereits mehrfach bewährt, insbesondere Ende Oktober, als in der Spitze 8700 Menschen pro Tag transportiert werden mussten. Derzeit sei die Lage mit knapp über 1000 Personen täglich aber deutlich entspannter.

Leicht rückläufige Zahlen

Die rückläufigen Zahlen erlauben es sogar, die Flüchtlinge aus Österreich non-stop zur Asylunterkunft in Neuhaus auf deutscher Seite zu bringen. In den nächsten Tagen wird Kelly mit seinem Arbeitsplatz direkt in die Einsatzzentrale der Bundespolizei nach Passau umziehen: „Da ich in meiner aktiven Dienstzeit als Personenschützer bei den Feldjägern eingesetzt war, ist der Kontakt zu den Kollegen der Bundespolizei ganz hervorragend“, schmunzelt er.

 
Gesicht vor Ort

Auch zu den Flüchtlingen selbst pflegt Kelly einen guten Kontakt: Eine mehrjährige berufliche Station in Saudi-Arabien nutzte er, um solide Grundkenntnisse der arabischen Sprache zu erlernen. Da viele der Ankommenden lediglich Arabisch sprechen und nur wenige Dolmetscher zur Verfügung stehen, sind sowohl die Flüchtlinge als auch die Polizei über jede Hilfe bei der Kommunikation froh. Kelly konnte so schon manches Missverständnis ausräumen oder beruhigend eingreifen: „Meistens geht es um banale Dinge wie beispielsweise den weiteren Ablauf. Ich behandele die Flüchtlinge wie normale Menschen und spreche ganz ruhig mit ihnen. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.“
 

 
Bild oben: Kelly am Grenzübergang Neuhaus am Inn
(Ein Soldat steht an einem Bus und spricht mit einer Polizistin
)
Bild mitte rechts: Die Grenzübergänge an der Lagekarte
(Ein Soldat zeigt die Grenzübergänge auf einer Lagekarte)

Bild mitte links: Unteroffizier Kelly an seinem Arbeitsplatz in Freyung
(Ein Soldat sitzt an einem Arbeitsplatz)

Bild unten rechts: Flüchtlinge warten auf ihren Transport
(Eine Gruppe Flüchtlinge wartet in einem Zelt auf ihren Transport)
Bild unten links: Eine Frau aus Syrien fragt spontan nach einem Foto
(Ein Flüchtling macht mit ihrem Handy ein Foto von Unteroffizier Kelly)

Text: Patrick Wandschneider
Foto: LKdo By/Henn

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