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Gebirgsjäger üben Kampf im urbanen Gelände




Gebirgsjäger

Schnöggersburg / Bad Reichenhall 29.01.2019 Über 1200 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 befinden sich derzeit in Europas größter Übungsstadt und üben dort den Kampf im urbanen Ballungsraum als Vorbereitung für kommende Auslandseinsätze.

09:00 Uhr im Gefechtsstand der Gebirgsjägerbrigade auf dem Truppenübungsplatz:
„Die Leute in weltweiten Krisengebieten wohnen immer dichter und wo viele Menschen leben, wird es vermehrt zu Konflikten kommen – darauf müssen auch wir Gebirgsjäger uns einstellen“, erläutert Oberstleutnant Eike Gudateinen Grund, weshalb durch die Bundeswehr derzeit einen Schwerpunkt auf den Kampf in urbanem Gelände legt. Beteiligt sind rund 900 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23hauptsächlich vom Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall, aber auch 120 Gebirgspioniere aus Ingolstadt und Gebirgsversorger aus Füssen. Die Gebirgssoldaten werden von 300 Soldaten der Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg und österreichischen Soldaten des Panzerbataillons 14 aus Wels unterstützt. 14 Tage lang leben sie im Gelände und trainieren den Kampf in und um Schnöggersburg, einer Übungsstadt mit rund 520 Gebäuden, einer Autobahn, einem Flusslauf, einem Industriegebiet, Hochhäusern, einer U-Bahn, einer Kanalisation und einem slumartigen Viertel, wie es den Gebirgsjägern in ihrem nächsten Einsatz im afrikanischen Mali begegnen könnte.

12:30 Uhr, eine große Freifläche auf dem Übungsplatz:

Rund 25 gepanzerte Transportfahrzeuge der Gebirgsjäger brausen über eine Freifläche, vermummte Männer schauen aus den Luken, ihre Waffen im Anschlag. Der Zugführer des Alpha-Zugs der vierten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall ist HauptmannMichael Maske. „Der Kampf in Gebäuden ist sehr schwierig und verlustreich“, erklärt er, als er bei seinen Männern im Gelände steht und ihnen der kalte Wind um die Ohren pfeift. Deshalb trainieren die Soldaten am Hubschrauber, wie man bei laufendem Rotor einen verwundeten Kameraden in den Hubschrauber bringt, die Besatzung wegen des Lärms mit Handzeichen über die Art der Verletzung informiert und den Gefahrenbereich so schnell wie möglich wieder verlässt. Was langsam gezeigt wird, geht mit jedem Durchgang schneller und fehlerfreier. „Gut so. Im Ernstfall kommt es auf jede Sekunde an“, erklärt der Hauptmann.

19:00 Uhr in einem olivgrünen Zelt, dem Gefechtsstand des Gebirgsjägerbataillons 231:

Schneetreiben, der Boden ist matschig. Mehrere Offiziere haben sich zur Befehlsausgabe eingefunden. Es sind die Kompaniechefs des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall sowie die der unterstützenden Einheiten und ihre Stellvertreter. Und natürlich Bataillonskommandeur Oberstleutnant Arno Schöberl. Jeder trägt kurz und knapp zum Sachstand der Vorbereitungen für die geplante Operation am kommenden Tag vor, den Angriff auf den Ortsrand der Stadt Schnöggersburg, die neue und größte Übungsstadt Europas, die die Gebirgsjäger und die unterstützenden Kräfte als erster Großverband der Bundeswehr für ihre Ausbildung nutzen dürfen. Der technische Zustand der Fahrzeuge, die Kraftstoffversorgung, Munitionsmengen, der Stand beim Abtarnen der Fahrzeuge, der Gesundheitszustand der Soldaten – kein Detail wird dem Zufall überlassen. „Ich erkenne Ordnung am Arbeitsplatz und Ordnung im Kopf der Soldaten. Das passt gut – jetzt muss es aber auch mal losgehen“, resümiert Schöberl.

Am nächsten Tag um 13:15 Uhr, mitten auf dem Truppenübungsplatz:

„Basalt an alle: Gefechtsbefehl“, schnarrt es aus den Funkgeräten. „Bravo und Charlie gewinnen Hecke, überwinden Freifläche und brechen ein in Birkenwald, beziehen dann Stellung mit Hauptwirkungsrichtung Flugplatz, schaffen Einbruchstelle für Alpha, …“. Unmittelbar vor dem Angriff lässt der Kompaniechef die aufgeklärten gegnerischen Stellungen noch mit Mörserfeuer belegen. „Alpha verstanden“, „Bravo verstanden“, „Charlie verstanden“, „Marmor verstanden“. Es geht los.

14:45 Uhr BahnhofSchnöggersburg:

Die Gebirgsjäger springen in einen Graben, allen voran Zugführer Hauptmann Michael Maske. Nur kurz hebt er den Kopf über den Grabenrand und verschafft sich einen Überblick über die nahen Gebäude. Sofort brüllt er den nach und nach in den Graben springenden Soldaten seine Befehle zu, die nur wenige Sekunden Zeit haben, sich wiederum untereinander abzusprechen. „Auf geht´s, Männer, rein ins erste Haus!“ brüllt er und schon rennen die ersten los und springen durch ein Fenster ins Gebäude. Andere Soldaten halten den Feind derweil mit Deckungsfeuer nieder. Im Gebäude wird ein Raum nach dem anderen genommen, immer in dem Bewusstsein, dass hinter der nächsten Türe der Feind stehen könnte. Schon zieht der Zugführer den Rest seiner Männer in das Gebäude nach, teilt Sicherungsposten in jede Richtung ein und gibt seinen Befehl zum Sprung ins benachbarte Gebäude. „Neben der enormen körperlichen Anstrengung liegt die Herausforderung im Wechsel zwischen dem aufgessenen und dem abgesessenen Kampf sowie dem Übergang vom Wald ins urbane Gelände. Dabei dürfen wir in dem uns unbekannten Ort nie die Orientierung und die Verbindung verlieren“, erklärt der Hauptmann in einer Gefechtspause.

19:00 Uhr Gefechtsstand Gebirgsjägerbataillon 231:

„Soldaten, die den Kopf nicht freihaben, können nur bedingt kämpfen“, stellt der Bataillonskommandeur vor seinen Kompaniechefs fest und meint damit, dass die großteils aus dem Berchtesgadener Land stammenden Männer und Frauen für die vierzehntägige Übung fernab ihrer Partner und Familien sind und einige dringend zuhause zum Räumen der Dächer gebraucht würden, auf denen über zwei Meter hoch Schnee liegt. Unter dem Motto „Soldaten helfen Soldaten“ lässt Gebirgsjägerbrigade 23 nun daheimgebliebene Soldaten bei den kritischen Häusern von Übungsteilnehmern für die Räumarbeiten vorbeischicken. „Sagen Sie den Soldaten: Ich kümmere mich darum. Wir lassen Sie nicht hängen. Morgen früh habe ich eine konkrete Lösung für Sie.“

Am folgenden Tag um 10:20 Uhr im Ortskern von Schnöggersburg:

Der Charlie-Zug hat sich in ersten Gebäuden der Ortsmitte festgesetzt, doch rund um den großen Vorplatz um die Kirche leistet der Gegner zähen Widerstand, es gibt immer wieder Ausfälle. Alle Soldaten sind mit einem laserbasierten Duellsimulator ausgestattet, der erkennt, wenn man beschossen wird und mitteilt, wo und wie schwer man getroffen wurde. Diese Soldaten fallen dann entweder ganz aus oder müssen von den Kameraden entsprechend der angezeigten Verwundung versorgt werden.
Zwei große Industriehallen als Deckung nutzend, nähern sich der Alpha- und der Bravo-Zug zur Verstärkung, damit der Angriffsschwung nicht verloren geht und der Gegner keine Zeit findet, sich festzusetzen. Immer wieder sammeln sich die Trupps hinter Häuserecken, einer wirft Nebeltöpfe in den Freiraum zum nächsten Gebäude. Auf die Meldung „Nebel steht“ überwinden sie die Strecke durch die Rauchschwaden und springen durch die Fenster ins nächste Gebäude. So nehmen die Gebirgsjäger ein Gebäude nach dem anderen, schreien Kommandos, rennen, klettern und versorgen ihre Verwundeten.

„Übungsunterbrechung!“ schallt es aus den Funkgeräten. „Alpha, antreten!“ ruft Hauptmann Maske seine Männer zusammen. Es folgt die detaillierte Auswertung des Übungsdurchgangs, irgendwann eine hoffentlich warme Mahlzeit und -eine weitere sicher nicht weniger anspruchsvolle Woche in Schnöggersburg.

Text: Hauptmann Sebastian Zäch
Bilder: Siehe Bildunterschriften

Bild 1: Zugführer Hauptmann Michael Maske hat einen Graben erreicht, von dem er die ersten Häuser des Ortes sehen kann. Er ruft seine Männer heran und trifft seinen Entschluss zum Angriff auf das erste Gebäude (Bild: Bundeswehr/Sebastian Zäch).

Bild 2: Während in jede Richtung gesichert wird, gehen die Gebirgsjäger weiter vor und nutzen dazu jede Deckung aus (Bild: Bundeswehr/Marco Dorow).

Bild 3: Die Soldaten des Alpha-Zugs, dem der Einbruch in den Ort gelungen ist, erreichen nach und nach das erste Gebäude (Bild: Bundeswehr/Sebastian Zäch).

Bild 4: Bis zum nächsten Gebäude muss im Laufschritt eine Straße überquert werden (Bild: Bundeswehr/Sebastian Zäch).

Bild 5: Den Soldaten wird durch den laserbasierten Duellsimulator AGDUS angezeigt, wenn sie vom Gegner getroffen wurden und wie schwer die Verletzung ist. Hier erlitt ein Soldat eine Schusswunde am Arm und wird sofort durch einen Kameraden versorgt (Bild: Bundeswehr/Sebastian Zäch).

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