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Vor 50 Jahren: Geschütztransport auf den Watzmann




Berchtesgaden / Watzmann 25.08.2017: Stolzes Jubiläum – Vor 50 Jahren brachten Gebirgsartilleristen der 1. Gebirgsdivision eine Gebirgshaubitze auf 2624 m auf dem Watzmann Hocheck in Stellung. Höchster Transport eines Gebirgsgeschützes in der Geschichte der 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr mit purer Muskel und Muli-Kraft.

Mit der Neuaufstellung der Bundeswehr war ab 1958 in Bad Reichenhall die Gebirgsartillerie wieder stationiert. Mit einer außerordentlichen Aktion konnte im Sommer 1967 die 2. Batterie vom Gebirgsartilleriebataillon 235 die Leistungs- und Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen.Eine 10,5 cm Gebirgshaubitze Modell 1956 , das damalige Standardgeschütz der Gebirgsartillerie, wurde im Mannschaftszug zum Watzmann-Hocheck auf 2624 m Höhe transportiert. Die Leitung hatte der damalige Chef der 2. Batterie, Oberleutnant Georg Reichl. Der Großteil der damals beteiligten Soldaten waren Wehrpflichtige, die ihren 18-monatigen Wehrdienst in der Reichenhaller Artilleriekaserne ableisteten.

Bild rechts: Mit purer Muskelkraft wurden die Lasten der 10,5 cm Gebirgshaubitze im Mannschaftstransport mit Seilen die letzte Ettappe aufs Watzmann Hocheck (2624m) transportiert (Foto Reichl)

Im Rahmen der Gebirgsausbildung sollte Anfang August 1967 eine extreme Geschützstellung bezogen werden. Die angenommene Lage war, dass bei einem Gegenangriff durch das Gebirgsjägerbataillon 232 aus Strub im Hochgebirge die Artillerie unterstützen sollte. Die 1200 kg schwere Gebirgshaubitze war zerlegbar und wurde in zwölf Lasten verteilt von den Mulis der 5./Gebirgsversorgungsbataillon 236 bis zum Watzmannhaus auf 1930m getragen. Gleich oberhalb des Watzmannhauses wurde auch das Biwaklager errichtet. Am nächsten Tag, dem 1. August, ist um 3 Uhr Wecken. Für den Transport der Geschützteile wurden acht Holzschlittengestelle gefertigt, auf denen die Lasten im Mannschaftszug in luftige Höhen gezogen werden. Die leichteren Teile werden von den Soldaten in Rucksäcken hochgeschleppt.

Bild links: Mit Seil und Holzschlittengestelle werden die Einzellasten zum Hocheck raufgezogen (Foto Reichel)

Am nächsten Tag, einem Mittwoch, wird mit den Teilen die restliche Strecke zurückgelegt. Nachmittags zieht beim Zusammenbau des Geschützes ein Gewitter mit Hagelschauer auf und rasch muss die Mannschaft wegen der Blitzeinschläge zum Watzmannhaus absteigen. Am 3. August wird die Feuerstellung fertiggestellt und das Geschütz ist feuerbereit. Vormittags treffen bei der Geschützstellung auf 2624 m auch der Bataillonskommandeur Oberstleutnant Müller-Brandeck und der Regimentskommandeur ein. Es werden zwei Schuss abgefeuert, welche in der Berchtesgadener Bergwelt widerhallen. Beide Kommandeure äußerten sich sehr lobend über die Leistung der Gebirgssoldaten der 2. Batterie. Denn es war die höchstgelegene Geschützstellung, die jemals auf einem deutschen Berg bezogen wurde.

Um 13 Uhr gibt Oberleutnant Reichl den Befehl zum Rücktransport. Rasch wird von den Kanonieren die Haubitze zerlegt und die Teile wieder auf den Schlitten nach unten gezogen. Nach sechs Stunden sind alle Teile wieder beim Biwaklager am Watzmannhaus, was durch eine ausgezeichnete Leistung der Truppe erreicht wurde. Da bricht ein enormer Gewittersturm los und der ganze Zeltplatz wird überschwemmt. Die Soldaten können im Winterlager des Watzmannhauses übernachten. Am nächsten Tag erfolgt der Marsch ins Tal, wobei die Mulis wieder im Einsatz sind. Mit dem Bewußtsein, in der zurückliegenden Woche außerordentliches geleistet zu haben, wird die Rückfahrt zur Kaserne mit dem mit Latschenzweigen geschmückten Geschütz angetreten.

Bild rechts: Major a.D. Georg Reichl, der damals als Oberleutnant und Chef der 2. Batterie GebArtBtl 235 das Unternehmen kommandierte. (Foto Reichl)

Fünfzig Jahre nach dem Geschütztransport auf den Watzmann wird zur Erinnerung an die damalige Leistung am Samstag, 02. September vom Reservistenverband der diesjähre „Edelweiß“- Bergmarsch 2017 zum Watzmann Hocheck durchgeführt. Ausrichter ist die Gebirgsjägerreservistenkameradschaft Wolkersdorf-Waginger See unter Leitung von Hauptmann Klaus Obermayer.

Bild rechts: Geschafft – Die 10,5 cm Gebirgshaubitze auf dem Watzmann Hocheck im Sommer 1967 (Foto Reichl)

Text: L.Gschwendtner Fotos: G.Reichl ehemaliger Batteriechef GebArtBtl 235

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