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Vortrag über Flughafen Ganacker




Einen informativen Vortrag über den ehemaligen Flughafen Ganacker konnte Kreiskassenwart Martin Glashauser für vergangenen Sonntag organisieren. Dank seiner guten Kontakte zu Walter Fritz fand sich dieser bereit, sein umfangreiches Wissen den Kameraden der umliegenden RK und weiteren interessierten Personen weiterzugeben. Walter Fritz hat in unzähligen Stunden das Gelände des ehemaligen Flughafens erkundet und auch in der militärhistorischen Literatur und anderen Unterlagen nachgelesen. Auch von Zeitzeugen hatte er viele Informationen erhalten.

Dass Martin Glashauser neben dem Referenten fast 60 Zuhörer begrüßen konnte, zeigt das Interesse an dieser heimatkundlichen und militärischen Thematik. Besonders begrüßte Glashauser den Vorsitzenden der Kreisgruppe Dingolfing-Landau Christian Albrecht, den Vorsitzenden der Kreisgruppe Deggendorf-Straubing-Bogen Franz Domke, die RK- und KSK-Vorsitzenden Reinhard Mohaupt (Landshut), Konrad Eiblmeier (Großköllnbach), Stefan Tschink (Frontenhausen), Josef Scheifl (Landau), Jürgen Hundsrucker (Wallersdorf) Franz-Xaver Huber (Ganacker) und Roland Salzberger (Haidlfing).

Im August 1936 erfuhren 19 Landwirte von einem Offizier des Luftgaues München, dass ihre Grundstücke für den Bau eines Flughafens gebraucht werden. Die Landwirte hatten keine Möglichkeit, die Pachtverträge mit dem Luftgauamt München abzulehnen. Bereits im Herbst 1936 wurde auf einer 350 Hektar großen Fläche mit der Planierung der Startbahn und dem Bau von Gebäuden begonnen. Die Flugzeugführerschule 112 Ganacker begann unverzüglich mit der Ausbildung zum Erwerb der Fluglizenz A/B. Der Fliegerhorst hatte zuerst den militärischen Status eines E-Hafens der Kategorie II, ab 1939 eines E-Hafens der Kategorie I. Von da an wurde der Fliegerhorst in militärische Operationen der Wehrmacht eingebunden. Nach den ersten Kriegsjahren wurde der Fliegerhorst mit Wartungshallen und Flugabwehrkanonen ausgestattet. Im Jagdgeschwader 101 wurden Jagdflieger ausgebildet. Ab Frühjahr 1944 wurden einige Fliegerstaffeln des Jagdgeschwaders 54 mit dem Jagdflugzeug Messerschmitt Bf 109 nach Ganacker verlegt, kurz darauf auch mit der Focke-Wulf Fw 190. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus dem KZ Flossenbürg wurden in Finnenzelten im Pfarrholz nahe Wallersdorf untergebracht, um die Erweiterungsarbeiten am Flughafen durchzuführen.

Die Fliegereinheiten mussten bald große Verluste an Piloten und Flugzeugen hinnehmen, so dass das Personal oft aufgefüllt werden musste. Unfälle bei Ausbildungsflügen endeten oft tödlich. Ab Sommer begannen Tieffliegerangriffe auf den Fliegerhorst Ganacker. Die Flak des Fliegerhorstes konnte zwar einige amerikanische und englische Flugzeuge abschießen. Aber die Angriffe nahmen zu. Auch die Flugbewegungen am Fliegerhorst Ganacker nahmen zu, nachdem einige Staffel des Kampfgeschwaders 55 im Herbst 1944 zur Umschulung der Piloten auf Jagdflugzeuge nach Ganacker verlegt wurden. Die meisten der eingesetzten Flugzeuge konnte der Referent mit Fotos veranschaulichen.
Ab Januar 1945 war der Fliegerhorst Ganacker Teil des Projektes „Silber“. Damit wurden die ersten Düsenjäger des Typs Messerschmitt Me 262 in Ganacker stationiert und mit dem Bau einer Betonstartbahn begonnen. Diese Arbeit wurde von den KZ-Häftlingen ausgeführt. Nachdem alliierte Flieger mit Luftaufnahmen die Me 262 in Ganacker entdeckten, wurden die Angriffe auf den Flugplatz intensiviert. Nach einem Bombenangriff der amerikanischen Luftwaffe im April 1945 waren die Schäden so groß, dass kein Flugbetrieb mehr möglich war. Am 29. April wurde der Fliegerhorst durch Einheiten der 71. US-Infantriedivision eingenommen. Im Mai 1945 richteten die Amerikaner im ehemaligen Fliegerhorst ein UNRRA-Lager ein, in dem verschleppte und deportierte Personen untergebracht und betreut wurden. Ab 1949 wurde daraus ein Lager für Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Im Oktober 1962 wurde das Lager Ganacker geräumt und zum größten Teil abgerissen. Inzwischen sind fast alle Gebäude des ehemaligen Flughafens Ganacker beseitigt. Nur einige Gebäude vom ehemaligen Offizierskasino an der Straße nach Haidenkofen dienen heute handwerklichen Zwecken.

Nach dem Beifall der Zuhörer bedankte sich Martin Glashauser beim Referenten mit einem Geschenk und den Kreisgruppenwimpel. Im Anschluss bestand Gelegenheit, das Gebiet des ehemaligen Flughafens zu besichtigen.

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