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Oiler, schau mal, sie schießen auf uns!




Bildautor: Reinhold Bessing

Jeder Pilot hat sein persönliches Callsign, also eine Art Einsatz-Namen. Wie man es bekommt, ist so ein wenig Zufall. Bei Helmut Öhler war es so, daß sein amerikanischer Fluglehrer seinen Namen nicht aussprechen konnte, und weil es das Baseball-Team Texas Oilers gibt, wurde aus „Öhler“ ganz einfach „Oiler“. Aber für jemanden, der gerne mit Nachbrenner fliegt, gewiss kein schlechtes Callsign.

Heute war Oiler bei unserer Reservistenkameradschaft zu Gast, also Oberstleutnant a.D. Öhler, seines Zeichens Pilot im ECR-Tornado mit 27 Einsatzflügen im Kosovo-Krieg, und erzählte sehr packend, wie es sich im Cockpit eines Jagdfliegers so anfühlt, wenn man sich in einem heißen Einsatz befindet.

Die Bundeswehr, aber auch die ganze Bundesrepublik war damals nicht auf einen Krieg vorbereitet. Zuhause war Frieden, Oiler war im Krieg. Es fing damit an, daß die Piloten in einem zivilen Hotel in Mailand untergebracht waren und morgens mit einem Bundeswehr-Bus abgeholt wurden. Heute undenkbar, denn hätten die Serben einen Anschlag auf das Hotel verübt, wäre die ECR-Mission zu Ende gewesen.

ECR, Electronic Combat Reconnaissance, also elektronische Kampfaufklärung. Der ECR Tornado ist in der Lage, Radar- und andere Funksignale zu erkennen und den Ort des Senders zu bestimmen. Für den Einsatz von großen Luftwaffenverbänden ist das eine entscheidende Fähigkeit, denn der Gegner überlegt es sich sehr gut, wann er seine Flugabwehr-Radare einschaltet. Er kann sich sicher sein, daß seine Radare erfasst und ausgeschaltet werden, wenn ECR-Tornados mit in der Luft sind.

Es gab acht Tornados, die in den 78 Tagen, die der Krieg dauerte, 446 Einsätze flogen, und dabei 236 HARM-Raketen verschossen. Sobald die Flugzeug-Elektronik ein gegnerisches Radar erfasst hat, kann die HARM (High Speed Anti Radiation Missile) es auf 150 Kilometer Entfernung mit dreifacher Schallgeschwindigkeit anfliegen und zerstören. Dennoch muß sie von einem Piloten ins Zielgebiet gebracht werden, von Piloten wie Oiler.

Daß die deutschen Piloten in Piacenza stationiert waren, und damit ein gutes Stück vom Kosovo entfernt, machte Luftbetankungen zur absoluten Notwendigkeit. Oiler meint, wenn die deutschen Piloten am Ende etwas wirklich beherrschten, dann das Manöver der Luftbetankung. Bei jedem Einsatz erfolgte zuerst ein einstündiger Anflug zum Zielgebiet, dann Betankung, dann normalerweise drei Flüge ins Feindgebiet, unterbrochen durch jeweils eine Luftbetankung, und am Ende vor dem Heimflug ebenfalls noch einmal eine Luftbetankung. Mit 3-4 Stunden Missionsplanung, 5-7 Stunden Einsatzdauer und 2 Stunden Debriefing waren Arbeitstage von 12 Stunden eher die Regel.

Belastend war für die Piloten vor allem, daß die Öffentlichkeit nicht wahrnahm, daß Soldaten der Bundeswehr in einem Kriegseinsatz ihr Leben riskierten. Die Gefahr eines Abschusses war ständig präsent: Es wurden zwei Jets abgeschossen, darunter auch ein Tarnkappenbomber F-117. Die Luftüberlegenheit der NATO war jedoch mit etwa 1000 Jets erdrückend, von denen ständig etwa 80-100 im Einsatz waren, und so wurden auf der gegnerischen Seite 10 MIG-29 abgeschossen und insgesamt 100 weitere Flugzeuge am Boden zerstört.

Über dem Einsatzgebiet flogen die NATO-Jets stets ohne Lichter, wobei der Einsatz des Nachbrenners jede Vorsicht zunichte machte: Ein Nachbrenner ist eine enorm große Lampe, die jedem Flugabwehr-Geschütz sehr deutlich zeigt, wo sich das Ziel befindet. Eindrucksvoll schilderte Oiler auch, wie nahe die Schüsse der serbischen Flugabwehr dem eigenen Jet kamen: „Oiler, schau mal, sie schießen auf uns!“ war der Ausruf seines Waffensystemoffiziers, an den er sich auch heute noch sehr genau erinnert: „Jeder Pilot hatte dort seinen zweiten oder dritten Geburtstag!“ So war der Kosovo-Einsatz auch der Wegbereiter der modernen psychologischen Einsatzbegleitung, die die Bundeswehr heute zum Standard gemacht hat.

Das Fliegen hat Helmut Öhler nach dem Ende seiner Dienstzeit nicht losgelassen. So flog er bei verschiedenen Fluglinien manchmal Notfall-Patienten, manchmal aber auch Mitglieder von arabischen Königshäusern in sehr luxuriösen Jets durch die Welt. Wenn man mit der neuen Lufthansa-Fluglinie Discover in den Urlaub fliegt, wird man mit ein wenig Glück vom Flugkapitän Öhler begrüßt, der nicht nur den Airbus 320, sondern auch den Kampfjet Tornado in allen Situationen perfekt beherrscht.

 

 

 

 

 

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