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Ostasien-Experte spricht über den Wiederaufstieg Chinas




Während der Rest der Welt mit zunehmender Besorgnis auf die Expansionsbestrebungen Chinas vor allem im pazifischen Raum blickt, ist diese Politik aus der Sicht Chinas nur ein ihm zustehendes Wiedererlangen des Status als Weltmacht.

Zu diesem Thema konnte unser stellv. Vorsitzender Unteroffizier d.R. Walter Patejdl einen ganz besonderen Referenten gewinnen: Oberstleutnant d.R. Dr. Wolfgang Bockold aus Augsburg. Der Fallschirmjägeroffizier ist Sinologe (China) und Japanologe. Dabei studierte er bereits in den 70er Jahren vor Ort in Niigata (JPN). Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn auch an die Universität Nanjing (CHN). In den 80er Jahren stellte er seine Expertise in den Dienst des Bundeskanzleramtes, das ihn an die deutschen Botschaften in Japan und China entsandte. Seine Wege führten ihn auch nach Nordkorea, in die Mongolei und auf die Philippinen. Man kann also Dr. Bockold mit Fug und Recht als intimen Kenner Ostasiens bezeichnen. Er erhielt neben anderen Auszeichnungen den Orden der Aufgehenden Sonne mit Goldenen Strahlen am Halsband, ein Orden verliehen vom japanischen Kaiser, dem Tenno, vergleichbar dem Bundesverdienstkreuz der entsprechenden Stufe.

Der Referent begann seinen Vortrag mit einem Blick auf die Weltgeschichte. Diese werde in der westlichen Hemisphäre oft nur verengt auf den eigenen Bereich beurteilt. Man vergesse hier oft, dass es in China schon eine Hochkultur gab, bevor das für uns so bedeutsame Zwei-Strom-Land zwischen Euphrat und Tigris erblühte. Bis ins 19. Jahrhundert war China in Asien die vorherrschende Macht. Der europäische Kolonialismus machte auch vor Ostasien keinen Halt. Unter Führung des Vereinigten Königreiches wurden dem chinesischen Kaiserreich westliche Handelsbedingungen diktiert und Aufstände dagegen blutig niedergeschlagen. Aber die größte Schmach aus chinesischer Anschauung erlitt das Reich im 2. Weltkrieg mit der Besetzung durch japanische Truppen, war doch Japan zuvor über Jahrhunderte den chinesischen Kaisern tributpflichtig. Das kommunistische China sehe das allerdings nur als Niederlage des Konfuzianismus und nicht als Niederlage der chinesischen Nation an.

Dass das moderne China kein einfacher Vertragspartner in der Weltgemeinschaft ist, sei hinreichend bekannt. Während der Westen sehr stark auf den Vertragstext besteht, seien aus chinesischer Sicht die Umstände des Vertrages entscheidend. Und diese können sich im Laufe der Laufzeit einer solchen Vereinbarung verändern. Dann müsse der Vertrag an die geänderten Bedingungen angepasst werden. Dieses Verhalten lasse sich beispielhaft mit dem Umgang mit Hongkong erkennen. Unter der Prämisse: Ein Land, zwei Systeme, wurde Hongkong 1997 wieder ein Teil Chinas. Besonders durch das Sicherheitsgesetz sei davon heute nicht mehr viel geblieben.

Für den Ursprung dieser konträren Auffassungen bzgl. abgeschlossener Verträge lieferte der Sinologe eine interessante Erklärung. Er sieht den Grund in der Entwicklung von Schrift und Sprache. Während sich in der westlichen Kultur aus der Bilderschrift eine Schriftsprache entwickelte, die streng logisch, knapp und präzise ist, habe sich in Asien die bildhafte Sprache und daran gebunden ein bildhaftes Denken erhalten. Dies führte der Referent wiederum auf die Schriftträger zurück. So wurde z.B. im Vorderen Orient die Keilschrift entwickelt, die sich besonders gut für massive Schriftträger eignet, während in China schon früh leichte Untergründe wie Papier zur Verfügung standen.

Dr. Bockold hat selbst 1989 die Niederschlagung der Demokratiebewegung der Studenten in Peking miterlebt. Das Regime zog daraus die Lehre, dass nur eine starke Partei den Aufstieg und die Modernisierung des Landes garantieren könne. An der Spitze steht zurzeit Xi Jin Ping, der erst vor Kurzem sich von der Partei die Macht für die nächsten Jahre sichern ließ. Sein Ziel sei die Wiedererlangung der Weltmacht Chinas durch die totale Kontrolle nach innen und außen und überlegene Wirtschaftskraft. Zwar baue China seine militärischen Fähigkeiten kontinuierlich aus, doch der Vortragende wies daraufhin, dass das militärische Denken durch Theoretiker geprägt sei, die Eroberungen durch List und andere Methoden ohne den Einsatz von Streitkräften präferieren.

Der Vortrag kam im z.g.T. sehr fachkundigen Publikum ausgezeichnet an, das sich durch gespanntes Zuhören und eifriges Mitdiskutieren auszeichnete. Am Ende bedanke sich die RK München-Ost bei Oberstleutnant d.R. Dr. Bockold mit ihrem Wappenschild, einer guten Flasche Wein und kräftigem Applaus.

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