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RK-Abend „Chancen und Risiken des F-35-Beschaffungsprojektes der Luftwaffe“




F-35

Bildautor: Wikipedia / gemeinfrei

Vor dem Eindruck des Krieges in der Ukraine haben sich in der Zwischenzeit geradezu epochale Kehrtwendungen und Neupositionierungen in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik eingestellt. Hierzu gehören die Unterstützung der Ukraine mit Rüstungsgütern wie auch die Auflegung des 100 Milliarden Euro betragenden Sondervermögens für die künftige Ausstattung der Bundeswehr. Dieses Sondervermögen soll Fähigkeitslücken schließen, Ausrüstungsmängel beseitigen und fehlende Materialmengen auffüllen. Es war für den interessierten Beobachter absehbar, dass politisch strittige wie auch technisch anspruchsvolle Großbeschaffungsprojekte nun dringend Lösungen bedürfen: Die nukleare Teilhabe, das heißt: Kampfflugzeuge der Bundeswehr tragen Nuklearwaffen im Verteidigungsfall unter US-Hoheit, stand technisch und politisch auf dem Spiel.

Zur Fortführung der nuklearen Teilhabe und zum Ersatz der betagten und zunehmend im NATO-Verbund inkompatiblen Tornado-Kampfflugzeuge wird die Bundeswehr 35 Einheiten Lockheed-Martin F-35 Multirollen Jets einrüsten. Dieses Flugmuster ist bei etlichen uns benachbarten NATO-Partnern in den Luftstreitkräften in Dienst, gleichwohl gilt es als technisch kapriziös und finanziell extrem anspruchsvoll.

Das Future Combat Air System (FCAS), deutsch-französisch-spanisches Programm zur Entwicklung eines Systems aus einem bemannten Mehrzweckkampfflugzeug und unbemannten Begleitflugzeugen ist mit einer Einsatzreife ab 2040 keine zeitlich greifbare Alternative. Die engen Zertifizierungsspielräume für das Tragen der Atomwaffen unseres US-Bündnispartners stellt auch eine Verengung der Entscheidungsgrundlage dar.

Zur Beurteilung dieser Beschaffungsentscheidung kann die RK München-Ost auf Expertise aus eigenen Reihen zurückgreifen: Christopher Urbach, Hauptfeldwebel d.R., diente zwölf Jahre in der Luftwaffe als Luftfahrzeug-Mechanikermeister (Meister auch zivil) und war tätig an den Flugmustern Panavia Tornado und Eurofighter Typhoon. Im Anschluss durchlief Christopher ein Studium an der Hochschule München und absolvierte als Master Luft- und Raumfahrttechnik. Im vergangenen Jahr fand er seinen Zivilberufseinstieg als Systemingenieur in der Verteidigungsindustrie.

Ziel des Vortragsabends war es, das Waffensystem Lockheed Martin F-35A in seinen Grundzügen verständlich zu machen und Wissen um die Einsatzgrundsätze eines Kampfflugzeuges der fünften Generation zu vermitteln und zum konstruktiv-kritischen Dialog um diese Rüstungsentscheidung einzuladen.

Die F-35 ist grundsätzlich in drei Varianten verfügbar: In der konventionellen Variante A (diese ist Beschaffungsgegenstand für die Luftwaffe), dann in der Senkrechtstart- und landefähigen Version B und schließlich in der trägergestützten Version C.

Hauptcharakteristika sind die Tarnkappenfähigkeit („Stealth Mode“), die Multirollenfähigkeit sowie die Single-Engine-Auslegung mit einem Piloten und die Realisierung mit einem hohem Anteil an Verbundwerkstoffen. Im Cockpit sind gegenüber den Kampfflugzeugen der Vorgängergeneration Quantensprünge ablesbar: Panorama-Cockpit-Display, Touchscreen und ein Multifunktionshelm, in dem alle relevanten Informationen und Zielhilfen eingespiegelt sind und der auch Kopfdrehungen seines Trägers folgt. Bei der Avionik fällt das Multifunktionsradar mit 32 verschiedenen Betriebsmodi auf, so kann dieses Radar im Rahmen der elektronischen Kampfführung auch als Störkörper fungieren.

Die Bewaffnung ist an vier Waffenstationen intern verlastet und das Flugzeug bleibt damit tarnkappenfähig. Im „Full truck load“ – „Beast“ Modus sind auch die externen Waffenstationen belegt, allerdings unter Verlust der Stealthfunktion.

Im Fazit bietet die F-35 ein Kampfflugzeug der fünften Generation ohne Vorentwicklung und einen zentralen Logistikhubs in den Niederlanden mit Synergie- und Einsparpotentialen im Ersatzmaterialfluss. Bedenklich, so Christopher Urbach, ist die Abhängigkeit vom Lieferanten USA und der unbekannte Informationsfluss dorthin aus dem Flugzeug. Die Auslegung als Ein-Triebwerk-Flugzeug lässt alte „Aviationhasen“ die Augenbrauen heben: „War früher ein No-Go“, bemerkte Christopher Urbach.

Letztlich, und da waren sich in der anschließenden Diskussion alle einig, ist die F-35-Beschaffung auch eine politische, überfällige Entscheidung, die die nukleare Teilhabe weiter ermöglicht und den Besitz und die Möglichkeit des Erfahrungssammlung mit einem Kampfflugzeug der fünften Generation öffnet.

RK-Vorsitzender Walter Patejdl bedankte sich für die RK beim Referenten mit einem besonderen fliegerischen Leckerbissen: der jüngst aufgelegten, umfangreich bebilderten Monographie über die Restaurierung eines F104 Starfighter vom RK-Kameraden Thomas Michel. Der passionierte Avionist und aktive Motorflugsportler Christopher Urbach war merklich begeistert.

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