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Reservistenkameradschaft München-Ost

Verband

Unternehmensbesuch bei Rohde & Schwarz




Eigentlich war die Werksbesichtigung der Reservistenkameradschaft (RK) München-Ost beim Unternehmen Rohde & Schwarz (R&S) bereits für das Frühjahr 2020 vorgesehen, bekanntlich machte aber die Pandemie einen zeitlich längeren Strich durch Vorhaben solcher Art.
Heute aber war es aber endlich soweit: Eine Delegation der RK war der Einladung von R&S am Hauptsitz in der Mühldorfstraße im Münchner Osten gefolgt. Ein glattes Heimspiel, ist doch das Vereinslokal der RK gerade knapp einen Kilometer entfernt.

Zu Beginn gab eine ausführliche Vorstellung von R&S durch den Leiter der Unternehmenskommunikation, der die über 90jährige Geschichte Revue passieren ließ. Hierzu gehört, dass sich R&S seit Beginn im ausschließlichen Besitz der beiden namensgebenden Gründer und ihrer Nachkommen befindet und sich als vollkommen inhabergeführtes Unternehmen darstellt. Das gibt R&S die unternehmerische Freiheit, sich unabhängig von Quartalsergebnisdenken und Aktionären mit mittel- und langfristigen Produktentwicklungs- und Unternehmensstrategien aufzustellen.
R&S positioniert sich heute als einer der weltweit führenden Produzenten und Lösungsanbieter in den Sektoren der Funk- und Funkmesstechnik, Telekommunikationsinfrastruktur, Electronical Defense Technology und Security Solutions.

R&S ist von etwas über 6500 Mitarbeitern im Jahr 2010 auf über 13000 im Jahr 2022 gewachsen und an 70 Standorten weltweit vertreten. Dieses Wachstum erfolgte nicht ausschließlich organisch, sondern umfasste auch Unternehmensakquisitionen wie beispielsweise von Lancom – einem der führenden Hersteller von Netzwerkinfrastruktur.

Während im Hauptsitz in München die Unternehmensleitung und die Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeiten, findet die Fertigung im Allgäu, in Niederbayern und grenznah in Tschechien sowie in kleinem Rahmen in Malaysia statt.
Es gibt auch ein deutliches Engagement am chinesischen Markt, allerdings ohne Fertigungsstätten. Die Abwehr von Produktpiraterie und der Schutz des geistigen Eigentums ist Schlüsselstrategie bei Rohde & Schwarz.

Eine nachfolgende Produktlinienpräsentation der digitalen Funk- und Kommunikationslösungen für Heer, Luftwaffe und Marine verschaffte den Kameraden der RK Einblick in den Produktreformbedarf, der z.T. finanziert aus dem Sondervermögen für die „Zeitenwende“ für die Bundeswehr ansteht. Noch im Jahre 2019 wurde seitens der Bundeswehr für mehrere Hundert Millionen Euro veraltete analoge, bereits eingerüstete Funktechnik, auch beim Unternehmen R&S, schlicht nachbestellt. Aber gerade diese Analogtechnik erweist sich dramatisch unzureichend in Reichweite, Verschlüsselung, Vernetzbarkeit, Upgradebarkeit (softwarebasiert) und der Kommunikation mit Verbündeten wie beispielsweise in der VJTF oder der eFP-Mission im Baltikum. Im Bereich der Kryptostandards laufen die 25 bis 30 Jahre alten Zertifizierungen aus. Der Investitionsbedarf wird gewaltig sein.
Erste Schritte sind schon erfolgt: Am 26. Juni hat der Haushaltsausschuss des Bundestages die Freigabe für das Leistungspaket „System Panzergrenadier“ erteilt. Mit dem System sollen die deutschen Kräfte ausgerüstet werden, die im Jahr 2023 im Rahmen der NATO-Verpflichtung „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF 2023) anführen werden. Die für die Beschaffung erforderlichen Verträge wurden inzwischen unterzeichnet. R&S ist demnach verantwortlich für die interoperable Verbindung zwischen Schützenpanzer Puma und modularer Kampfausstattung „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES). Die durchgehende digitale Führungsfunkanbindung „auf der ersten Meile“ trägt den Namen Soveron (siehe Bilder).

Anschließend gab es einen aufschlussreichen Einblick in die Sicherheitsdetektionstechnik, die auf Reflektion von Millimeterwellen basiert. Im Gegensatz zu der tradierten Metalldetektoren, die nur magnetisierbare Gegenstände (z.B. im Bereich der Zugangskontrolle auf Flughäfen) erkennt, vermögen diese Körperscanner in der computergestützten Auswertung der Hautreflektion von Röntgenblitzen in Millisekunden relevante Gegenstände auf Grund ihres Unterschiedes zur menschlichen Haut zu detektieren. Diese Lagehinweise werden auf einen geschlechtslosen Avatar projiziert und ermöglichen dem Personal die gezielte Investigation an der zu kontrollierenden Person. Dieser Technologie und Präzisionsfortschritt hat mit dem kolportierten „Nacktscanner“ amerikanischer Hersteller, die in der Einführung Ende der Nullerjahre auf Flughäfen in Verruf geriet, nichts mehr zu tun.

Als Schlusspunkt wurde der Besuchsgruppe der Funkraum der Betriebssportgruppe Amateurfunk vorgestellt. Da sich im Auditorium einige geschulte Amateurfunker resp. langgediente Zeitsoldaten mit entsprechender Funkbetriebskenntnis befanden, war diese Station von besonderem Interesse. So ist die Funkinfrastruktur als „Software Defined Radio“ (RDS) komplett remote nutzbar für die Teilnehmer der Funkgruppe am Betriebsstandort. Als nächster Schritt wird die Betriebsgruppe das Leistungsspektrum um eine Satellitenbodenstation erweitern, die in Kommunikation mit einem Payload-Modul eines geostationären Fernsehsatelliten Funk und Datenkommunikation über den halben Planeten ermöglicht.

Der RK-Vorsitzende Walter Patejdl bedankte sich am Ende herzlich für die Gastfreundschaft und die informativen Stunden bei der R&S-Organisatorin Evamarie Bambach mit dem Festschriftbildband „60 Jahre Reserve“.

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