DAS MAGAZIN

Monatlich informieren wir unsere Mitglieder mit der loyal über sicherheitspolitische Themen. Ab sofort können Mitglieder auch im Bereich Magazin die darin aufgeführten Artikel lesen!

Mehr dazu
DER VERBAND

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

Mehr dazu
MITGLIEDSCHAFT

Werden Sie Teil einer starken Gemeinschaft

Mehr dazu

Kreisgruppe München-Stadt

Vortragsabend: „Als Schiffsarzt der Marine auf Schlepperabwehr“




Als sich Mitte 2018 wieder Nachrichten von Flüchtlingskatastrophen auf See häuften und in den Medien immer wieder Bilder zu sehen waren von Menschen, die nach einer strapaziösen Flucht und stunden- oder tagelangem Treiben auf dem Meer abgemagert, dehydriert, krank oder verletzt waren , wollte unser Kamerad Flottillenarzt d.R. Dr. Daniel Pohl helfen. Der Hausarzt in der Gemeinde Aschheim im Landkreis München nordöstlich von München und Delegierte im Bayerischen Hausärzteverband war auch für Einsätze auf Schiffen bereit, um die Menschen direkt vor Ort medizinisch zu versorgen. Er wandte sich zunächst an „Ärzte ohne Grenzen“. Aber die Organisation verpflichtet Mediziner für Auslandseinsätze erst ab einer Einsatzdauer von 6 Monaten, erfuhr er. „Das kam leider nicht für mich in Frage“, so Dr. Pohl. „Ich kann die Praxis ja nicht für ein halbes Jahr dicht machen.“

Im Februar 2016 machte ihn ein Bericht in den „Tagesthemen“ auf eine weitere Möglichkeit aufmerksam, sich vor Ort um die medizinische Versorgung von aus dem Meer geretteten Flüchtlingen zu kümmern: die Deutsche Marine suchte Freiwillige unterschiedlicher Professionen. Die Mission: Die Seerouten der Schlepperbanden zu unterbrechen und Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Auch vierwöchige Einsätze sind dabei möglich. Flottillenarzt d.R. Dr. Pohl nahm Kontakt zur Bundeswehr auf. „An den richtigen Ansprechpartner zu gelangen, war nicht ganz einfach“, berichtet er. „Da braucht man schon Geduld zum Telefonieren.“ Schließlich erhielt er einen Einsatz – allerdings nicht wie erhofft vor der afrikanischen Küste, wo medizinische Hilfe am häufigsten benötigt wird. Sein Einsatzgebiet wurde die Ägäis. Auf dem größten deutschen Kriegsschiff, dem Einsatzgruppenversorger“ Bonn, das auch über eine Krankenstation für 50 Personen verfügt, kreuzte er vor der türkischen Küste.

Sein medizinisches Wissen wurde dann aber doch weniger gefragt als erwartet. Denn die Menschen in den Flüchtlingsbooten, die von der „Bonn“ vor der Küste der Türkei aufgespürt und durch Ersthelfer versorgt wurden, kamen nicht auf das Versorgungsschiff.  Den Ärzten war nur eine Blickdiagnose gestattet: Vom Deck der Bonn aus suchten sie die Bootsbesatzungen  nach Anzeichen für Krankheiten oder Verletzungen ab. Die informierte türkische Küstenwache nahm die Boote dann gemäß dem Abkommen mit der EU regelmäßig in Geleit und brachte sie in ausgewiesene Flüchtlingscamps zurück zum türkischen Festland.
„Die Seeroute zwischen der Türkei und Griechenland ist nicht lang. Dem entsprechend waren die meisten der Bootsinsassen in nicht allzu schlechter gesundheitlicher Verfassung“, erinnert sich Dr. Pohl. Auch hätten die Schlepper nicht versucht, selbst die Boote zum Kentern zu bringen, um EU-Schiffe wie die „Bonn“ zu zwingen, die Flüchtlinge an Bord zu nehmen – eine schreckliche Vorgehensweise, die oft vor der afrikanischen Küste angewandt wird. „Sind die Menschen erst einmal an Bord eines europäischen Schiffes, ist die Einreise nach Europa so gut wie geglückt – ein Erfolg für das Geschäftsmodell der die Schlepper, die dafür billigend in Kauf nehmen, dass für einen Teil der Bootsinsassen, die in der Regel nicht schwimmen können, jede Hilfe zu spät kommt. In der Ägäis greifen die Schlepper zum Glück nicht zu solch drastischen Methoden“. Mit dringend behandlungsbedürftigen Flüchtlingen wurde er in den vier Wochen auf der „Bonn“ nicht konfrontiert.

Anders war das bei seinem freiwilligen Einsatz in Deutschland. Vom 24.12. bis 31.12.2015 hatte Dr. Pohl den Dienst im „Warteraum Asyl“ am Erdinger Fliegerhorst übernommen. Er war zuständig für die Erstuntersuchung in der Auffangstation, von der aus die Migranten dann weiter in Unterkünfte in ganz Deutschland Bayern verteilt wurden. Am häufigsten war er dabei mit Erkältungskrankheiten konfrontiert. „Die Leute waren oft tagelang mit durchnässten Schuhen in der Kälte unterwegs – da ist die Infektionsgefahr hoch“, erklärt Dr. Pohl. „Vielen war auch nicht klar, dass man insbesondere nasse und kalte Füße vermeiden sollte. Das Angebot, sich neue und trockene Kleidung, vor allem Schuhe und Strümpfe aus bereitgestellten Spenden auszusuchen, nutzten nur wenige die wenigsten“. Zu den häufigeren medizinischen Problemen im „Warteraum Asyl“ zählten außerdem Schwangerschaftsprobleme, Diabetes und Durchfall-und Hautkrankheiten.
„Es war einfach ein gutes Gefühl, Menschen helfen zu können, die in einer Notlage sind“, sagt Dr. Pohl rückblickend über seinen weihnachtlichen Einsatz. Natürlich sei die Familie nicht so glücklich gewesen über seine Abwesenheit, habe aber doch zugestimmt. „Für mich ist das ein wichtiger sozialer Dienst“, erläutert Dr. Pohl. „Ich kann durch meine Ausbildung helfen, also tu ich das auch, und es geht natürlich nur in Zeiten, in denen die Praxis über Ferienzeiten überschneidend sowieso geschlossen ist.“

Verwandte Artikel

Familientag der Kreisgruppe Göttingen

Die Kreisgruppe Göttingen veranstaltet am 23.07.2022 unter Federführung der Reservistenkameradschaft Berka eine Familientag am Freizeitgelände Hopfenberg. Mitwirkende des Familientages sind...

06.07.2022 Von Markus Vidovic
Die Reserve

Jahreshauptversammlung 2022 und neuer Vorstand

Am 2. Juni fand die Jahreshauptversammlung der RK Eichstätt statt mit Entlastung und Neuwahlen des Vorstands. Michael Buchner wurde als...

06.07.2022 Von Peter Maier
Militärische Aus- und Weiterbildung

Orts- und Häuserkampf

Am 25.06. führte die Kreisgruppe Würzburg eine Ausbildung „Orts- und Häuserkampf“ unter der Leitung von OTL d. R. Stadtmüller durch....

06.07.2022 Von Michael Hörner