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Der Löschball fährt immer im Kofferraum mit




Oberstabsgefreiter Lukas Petzinger (Bildmitte) war am Unfallort umgehend mit seinem eignen Feuerlöscher zu Hand. Der Chef der ersten Kompanie des Gebirgsjägerbataillon 233, Hauptmann Denis Arians (li.), und der erste Kommandant der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr würdigen den unerschrockenen selbstlosen Einsatz des Mittenwalder Jagers.

Mittenwald, 05.04.2022

Der Löschball fährt immer im Kofferraum mit

Gebirgsjäger greift bei brennendem Fahrzeug unerschrocken und selbstlos ein

Eine schwarze Rauchwolke steigt in den Himmel – auf der Autobahn ein eher ungewöhnliches Bild. Deshalb ist für den Oberstabsgefreiten Lukas Petzinger gleich klar, sofort anhalten: „Es war aus 300 Meter nicht einsehrbar, was Sache ist“. Für den Soldaten des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233 verzögert sich nun die Heimfahrt auf der Autobahn 95 Richtung München an jenem Donnerstagabend.

 

Im Kofferraum des Mittenwalder Jagers befindet sich etwas, was er bei einem brennenden Auto umgehend einsetzen könnte. Lukas Petzinger fährt nämlich privat ein Erdgas betriebenes Auto. So liegt zusätzlich zum Handfeuerlöscher auch noch ein so genannter Löschball im Kofferraum. „Das ist eine Styroporkugel mit einer Zündschnur dran“, erklärt der junge Soldat, dessen Vater bei der Münchner Feuerwehr war. Kommt die Zündschnur mit Feuer in Kontakt, so explodiert die Kugel und das darin enthaltenen Löschpulver verteilt sich über den Brandherd. Das Feuer wird somit erstickt.

Einsetzen muss Petzinger den Löschball erstmal nicht. Als er am qualmenden Auto ankommt, befinden sich dort bereits ein Hauptfeldwebel aus Murnau mit seinem dienstlichen VW-Bus sowie ein Helfer aus Österreich, schildert der Oberstabsgefreite. Der Fahrer des rauchenden Fahrzeugs hat die Fahrerkabine bereits verlassen und steht in sicherer Entfernung zum Brand.

„Oberstabsgefreiter Petzingers spontanes, selbstloses und beherztes Handeln verdient besondere Anerkennung“, würdigt der Kommandeur des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillon 233, Oberstleutnant Bastian Steves, beim Quartalsantreten. „Sein Verhalten ist beispielgebend für alle Soldatinnen und Soldaten meines Verbandes“. Der Kommandeur erteilte dem Jager wegen dieser „hervorragenden Einzeltat“ eine förmliche Anerkennung.

Bis die Rettungskräfte eintreffen, betreut der Mittenwalder Jager nicht nur den Fahrer des brennenden Autos, sondern setzt seinen Feuerlöscher umgehend ein. „Die Böschung brannte bereits. Die habe ich mit meinem Feuerlöscher gelöscht“, so Petzinger. Damit verhinderte er, dass sich das Feuer auf dem Seitenstreifen der Autobahn weiter ausbreitete. Das Auto hätten die Ersthelfer mit eigenen Mitteln nicht mehr löschen können. Die Feuerwehr aus Forstenried bei München ist gut zehn Minuten später vor Ort. Ein Atemschutztrupp löscht unverzüglich das in Flammen aufgegangene Auto. Nach 25 Minuten ist der Brand bekämpft.

Der Chef der ersten Kompanie der Mittenwalder Jager, Hauptmann Denis Arians, ist sichtlich stolz, dass der Soldat seiner Einheit den Mut aufgebracht hat, in einer solch gefährlichen Situation unerschrocken und selbstlos vorzugehen. Arians gibt aber zu bedenken: „An erster Stelle steht für mich, dass die Ersthelfer sowie der Fahrer des brennenden Autos wohl behalten aus dieser brenzlichen Situation herausgekommen sind“.

Dem pflichtet der erste Kommandant der Mittenwalder Freiwilligen Feuerwehr, Klaus Seitz, bei: „Der Eigenschutz kommt vor jeglichen eigenen Löschversuchen“. Mittenwald ist die Patengemeinde der ersten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 233.

„Sollte auf der Autobahn das eigene Autos anfangen zu brennen, umgehend das Fahrzeug auf dem Seitenstreifen abstellen – falls es noch fährt – und es verlassen“, rät der Feuerwehrmann: „Sofort die Feuerwehr anrufen und die Gefahrenstelle absichern. Das heißt zumindest, Warnblicker einschalten und das Warndreieck in sicherer Entfernung zum brennenden Fahrzeug, wie auch zum vorbeifahrenden Verkehr sichtbar für andere Verkehrsteilnehmer aufstellen. Die Dämpfe vor allem nicht einatmen. Erst wenn keine Gefahr für Leib und Leben bestehe, könnte man einen Löschversuch wagen“, so Seitz. „Aber im Zweifelsfall lieber auf die Feuerwehr warten“.

Lukas Petzinger setzte nach Eintreffen der Feuerwehr seine Heimfahrt fort. Der Kamerad aus Murnau regelte das Weitere. Den Löschball hat er diesmal nicht einsetzen müssen. Dieser ist aber weiterhin im Kofferraum griffparat dabei. Schließlich weiß man ja nicht, ob man ihn doch einmal braucht.

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