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Würdiges Gedenken am Hohen Kreuz

Bildautor: K.Obermayer

Gedenkfeier Hohes Kreuz des Kreisverbindungskommandos Traunstein

Bildautor: F. Beringer

Gedenkfeier Hohes Kreuz des Kreisverbindungskommandos Traunstein

Bildautor: F.Behringer

Gedenkfeier Hohes Kreuz des Kreisverbindungskommandos Traunstein

  • Von Egbert Schillings, Obergefreiter der Reserve
  • 16.11.2019
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KreisverbindungskommandoVolkstrauertag

Traunstein / Hufschlag 16.11.2019 Würdiges Gedenken am Vorabend des Volkstrauertages am Kriegsfriedhof Hohes Kreuz. Südostbayerische Reservisten unterstützen Gedenken des Kreisverbindungskommandos Traunstein und des VdK Traunstein am Hohen Kreuz und in Haslach

Gedenkfeier Hohes Kreuz des Kreisverbindungskommandos Traunstein

Wie das Vorjahr, das ganz im Zeichen des Kriegsendes vor 100 Jahren stand, so bot auch 2019 eine Reihe historischer Daten, die zum Gedenken, Erinnern und zum Lernen aus der Geschichte mahnten. Darunter fielen die Geschehnisse aus den blutigen Revolutionen der Zeit vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in das Jahr 1919 – nicht zuletzt in Bayern – und der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939.

Der diesjährige Volkstrauertag erhielt noch eine besondere Dimension, da vor einhundert Jahren auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gegründet wurde, um nach den zahllosen deutschen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu suchen und deren Gräber zu pflegen. Diese Aufgabe übernahm der Volksbund, der sich als eine vom ganzen Volk getragene Initiative verstand.

Die Gedenkfeiern des Volkstrauertages wurden auch dieses Jahr vom Landeskommando Bayern im ganzen Regierungsbezirk Oberbayern unterstützt.

Würdiges Gedenken am Hohen Kreuz

Gedenkfeier Hohes Kreuz des Kreisverbindungskommandos Traunstein

Auf Einladung des Kreisverbindungskommandos Traunstein unter Beteiligung von Reservedienst Leistenden der südostbayerischen Reserve, den Traunsteiner Gebirgsschützen, dem Volksbund, örtlicher Krieger – und Soldatenvereine, und der Bevölkerung begann am 17. November um 17:30 hoch über der Traun das diesjährige Gedenken. Die feierliche Prozession auf dem Ehrenfriedhof der Stadt wurde von Fackelträgern und dem Trauermarsch einer einzigen Trommel würdevoll begleitet.

Der Ehrenfriedhof „Hohes Kreuz“ wird seit 1954 vom Volksbund betreut und ist einer von 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Hier fanden 1037 Menschen ihre letzte Ruhestätte, die Mehrzahl Soldaten des Zweiten Weltkrieges, aber ebenfalls 26 Soldaten des Ersten Weltkrieges. Auch 57 Opfer des Bombenangriffes auf Traunstein im April 1945 sind unter den Toten.

Aber Statistiken, so horrend sie auch sein mögen, berühren nicht das menschliche Herz. Es sind vielmehr die Einzelschicksale, die beim Betrachten der Grabplatten das ganze Ausmaß der menschlichen Tragödie aus dem Schatten der Geschichte mit unmittelbarer Härte in die in die Gegenwart katapultieren. Hinter der Nummer 214 steht die Geschichte des 51-jaehrigen OG Erich Schneider aus Pommern. So wie der 19 Jahre alte Pionier Wilfried Pöter, die Grabnummer 303, starben beide im Reservelazarett Traunstein im April 1945. Gefallene der letzten Kämpfe in Oberbayern. Wer erinnert sich an Ihr Leben und Sterben und was bedeutet ihre Geschichte den Menschen, die am 17. und 18. November an den Gedenkfeiern teilnahmen?

Eine Antwort auf diese Frage gab eine 91 Jahre alte Traunsteiner Dame, die mit den anderen Teilnehmern und ihrer Enkelin still auf der Nordseite des Gräberfeldes ihren Platz einnahm. Unvermittelt erzählte sie, dass sie seit der Einweihung des Ehrenfriedhofes im Mai 1954 an jedem Volkstrauertag teilgenommen habe. Stets zum Andenken an zwei Onkel und andere nahe Verwandte und Freunde, die der Krieg aus ihrem Leben riss. Keiner von ihnen fand hier eine ehrwürdige Ruhestätte.

In ihrer Geschichte findet sich gleichsam der Sinn, geradezu die zwingende menschliche Notwendigkeit der Gedenkfeiern am Volkstrauertag und warum alle, die an ihnen teilnehmen, einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten: Unsere aktive Teilnahme zeigt den Hinterbliebenen und Angehörigen, dass sie in ihrem Gedenken nicht allein sind.

Kranzniederlegung in Traunstein Haslach

Kranzniederlegung in Traunstein Haslach

Auch bei der Kranzniederlegung am selben Abend in Haslach, nach dem Gottesdienst und Fackelzug zum Kriegerdenkmal, bestand die Mehrzahl der Anwesenden aus den Kriegsjahrgängen und der unmittelbaren Nachkriegsgeneration. Wird das Wissen über den Krieg mit den letzten Zeitzeugen verloren gehen? Wissen wir denn, was Krieg ist, wenn er in unseren Medien verzerrt und wie ein Computerspiel erscheint? Es ist an der Zeit, alle Erinnerungen und Erfahrungen der Kriegsgeneration für die Nachwelt festzuhalten und generationenübergreifend aktiv zu sein. Die südostbayerischen Reservisten leisteten dazu am Volkstrauertag ihren Beitrag.

Simon Schreiber, Vorstand der bereits 1898 von Veteranen des Krieges 1870/71 gegründeten Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach, zeigte sich in seiner ausgezeichneten Rede besonders erfreut über die zahlreiche Teilnahme und Unterstützung der Kameraden des Kreisverbindungskommandos Traunstein unter der Führung von OTL Falk Neumann.

Der große deutsche Historiker Leopold von Ranke prägte einst aphoristisch den folgenden nationalen Wertmaßstab: „Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es seine Soldaten nach einem verlorenen Krieg behandelt.“ Er konnte nicht ahnen, dass Deutschland im 20. Jahrhunderts gleich zweimal auf diese Charakterprobe gestellt werden würde. Ein finales Urteil sollte sich darüber jeder selbst bilden und auch über sein eigenes Verhalten Rechenschaft ablegen.

Die Soldatenfriedhöfe und Gefallenendenkmäler erinnern die Lebenden an die Vergangenheit und konfrontieren sie mit den Folgen von Krieg und Gewalt. Die Bedeutung und die Leistung der beteiligten Vereine, Teilnehmer und unterstützenden Organisationen für das Gedenken und das Mahnen zum Frieden beim Volkstrauertag, sowie für das Mitgestalten des gesellschaftlichen Lebens, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Über allem schwebte an jenem Wochenende eine besondere Verpflichtung, ein moralischer Imperativ, den jeder Beteiligte tief im Herzen spürte. Der Schriftsteller Gorch Fock, Namensgeber des Schulschiffes der Bundesmarine, drückte diesen vielleicht am eindringlichsten aus in seinen folgenden Versen:

Würdiges Gedenken am Hohen Kreuz

„Wir Toten sind nicht tot:

Ich gehe mit,

Unsichtbar bin ich nur,

Unhörbar ist mein Tritt.“

Er fiel in der Seeschlacht im Skagerrak am 31. Mai 1916.

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