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Kreisgruppe Oberbayern-Südost

Italien

Bergamont / Palazzago. 16.-18.Mai.2008 Das Wettkampfkader Oberbayern beweist seine Leistungsfähigkeit beim 22. internationalen Militärpatrouillenwettkampf „Lombardia 2008“ in den Bergen Norditaliens. Ein gelungener Auftakt in die internationale Wettkampfsaison 2008 mit Südostbayersicher Beteiligung.

Der Lombardia zählt seit Jahren zu den anspruchsvollen Militärpatrouillenwettkämpfen Mitteleuropas. Der Wettkampf, der durch die italienische Reserveoffiziersorganisation „UNUCI“ seit 22 Jahren organisiert wird hat sich zu einem Treffpunkt für leistungsfähige Mannschaften aus ganz Europa entwickelt. Als besondere Herausforderung ist die Patrouillenstrecke in das alpine Gelände der nördlichen Lombardei eingebettet. Die Aufgabenstellungen schwanken von klassischer Landesverteidigung bis zu Kommandooperationen hinter feindlichen Linien. Allein das pompöse Rahmenprogramm des Wettkampfwochenendes das von den Alpini, den italienischen Gebirgsjägern veranstaltet wird, würde bereits einen Besuch rechtfertigen.

Anspruchsvoller Wettbewerb in den norditalienischen Alpen

Die Reservisten des Wettkampfkaders Oberbayern waren allerdings nicht zum Feiern gekommen, als sie sich mit logistischer Unterstützung des Landeskommandos Bayern und der Luftlandebrigade 26 „Saarland“ mit zwei Wettkampfteams Richtung Brenner nach Italien am Freitag morgen in Marsch setzten. Kaum hatte man jedoch den Alpenhauptkamm bei Trient passiert begann es zu regnen und es sollte bis zur Rückkehr in den Freistaat nicht mehr aufhören. Für die UNUCI Lombardia sollte dies der verregneteste Wettkampf ihrer Geschichte werden.
In Palazzago, einem beschaulichen norditalienischen Bergstädtchen mit alter Alpini-Tradition angekommen ging es schon zur Befehlsausgabe. Die Lage lies sich kurz wie folgt beschreiben. Das kleine Land ADDALAND wurde vom aggressiven LARIOSTAN fast überrollt. Die Vereinten Nationen schicken eine Interventionsstreimacht um ADDALAND von den Aggressoren zu befreien. Die Wettkämpfer wurden als Vorhüt in Form der multinationalen Luftbeweglichen Brigade ISUMBRIA in den verbleibenden freien Gebieten ADDALANDS abgesetzt um die über den Seeweg eintreffenden Hauptteil der UN-Eingreifkräfte einen Brückenkopf zu halten. LAORISTAN beantwortet dies mit einer massiven Großangriff um die Brückenköpfe einzudrücken. Die Aufgabe der Mannschaften ist als Teil einer Kompanie die Aggressoren zu bekämpfen und durch Gegenangriffe in einer beweglichen Abwehrschlacht zu stoppen oder für ca. 48 Stunden zu verlangsamen.

Lage: Abwehrauftrag eines feindlichen Aggressors

Die beiden oberbayerischen Teams planten nun ihre Vorgehensweise. Die Startreihenfolge wurde über einen Schießwettbewerb bestimmt. Hier ging es auf Präzission. Wie geplant konnte dank einer ruhigen Hand eines wolkersdorfer Gebirgsjägers die Mannschaft Oberbayern unter Kapitänleutnant Henrik Berends um kurz vor 23.00 Uhr nachts zu einem nächtlichen Gewaltbergmarsch als achte von über 60 Mannschaften aufbrechen. Die erste Mannschaft musste sich noch bis ca. 2 Uhr morgens gedulden.
In einem computergestützen Test wurden nur die Ergebnisse des Briefings für die Mannschaftsführer abgefragt. Nun begann die Zeitnahme. Der Aufstieg mit voller Ausrüstung ging trotz des strömenden Regens gut vorran und es gelang durch „taktisches“ Vorgehen ca. 4 Mannschaften in endlos erscheinden Serpentinen zu überlaufen. Als erste Station musste man einen Observationspunkt verstärken und in absoluter Dunkelheit mit Hilfe von Nachtsichtgeräten feindliche Kräfte und Stellungen erkunden. Um ca. 1 Uhr morgens erreichte man den Biwackplatz oberhalb des Col Pedrino am Grad des Monte Albenza auf 1050 Meter. Hier zog man sich bei starkem Regen für einiges Stunden unter, um gegen Abrutschen gesichert angebunden ein paar Stunden zu rühen.

Dynamisches Schießen und Artilleriebeobachter

Am nächsten Morgen ging es mit den dynamischen Schießstationen weiter. Mit italienischen Sturmschortflinten und Beretta Armeepistolen mussten unter Zeitvorgabe dynamisch Ziele bekämpft werden. Dabei wurde von den argwöhnischen Schiedsrichtern höchste Anforderung an Disziplin und fachgerechtes Verhalten gelegt. Im weiteren Aufstieg den Verbindungsrücken zwischen Monte Albenza (1375m) und Monte Tesoro (1431) musste man eine Milan-Stellung einrichten oder als Vorgeschobener Beobachter Mörserfeuer für die bedrängten UN-Streitkräfte anfordern. Weiter ging es zum Col di Sogno (953m). Hier wartete ein Aufklärerauftrag auf die Truppe. Mit simulierten Artilleriefeuer musste der Aufmarsch eines BTR-Panzerbataillons des 371 Garde-Mechanisieren Regiments zerschlagen werden. Der Regen hatte sich zwischenzeitlich zu Starkregen verdichtet und der Abstieg entlang des Ovrena-Tals über eine Fernmeldestation nach San Migel und Casarola (466m) gestaltete sich schwierig.

Etliche Mannschaften konnten inzwischen überlaufen werden. Die Orientierung in den Waldgebieten mit einer sich näßebedingt auflösenden Karte und Kompass gestaltete sich zunehmend schwieriger.
In der Ortschaft Casarolo angekommen musste das Team mit M4-Carbine-Airsoft-Waffen bewaffnet die Ortschaft als Stoßtrupp entsetzen und einen Bauernhof von Kräften aus LAORISTAN säubern. Die Station wurde durch eine gezielt postierte Claymore-Richtmine und nominaler Überlegenheit des Feindes zum Spießrutenlauf. Das Kadertraining in der Bayernkaserne machte sich hier bezahlt. Raum um Raum musste freigekämpft werden bevor es zum nächsten Point K weiterging.

IEDs und Erste Hilfe

Im dichten Wald des Val Sassina nahm man die falsche Abzweigung und machte einen längeren Umweg über Prato, wo man auf mehrer Teams stieß die ebenfalls neu ansetzen mussten. In Prato (334m) konnte man sich neu orientieren und stieß mit einem Gewaltmarsch nach Crocione vor. Hier musste ein durch eine IDE-Explosion verunglückter Jepp gesichert und die Schwerverletzten unter massiver Eigensicherung geborgen werden. Schnelle Hilfe tat hier not. Durch die fachlich hervorragende medizinische Erstversorgung durch Obergefreiten Robert Mühlbacher aus Lauter konnte hier fast die volle Punktzahl ergattert werden.

Nach etlichen Kilometern musste nun eine Schlucht gefechtsmäßig überwunden werden. Unter Eigensicherung musste man sich zunächst einer der Gebirgsjäger in den Flusslauf abseilen und über ein Fixseil den Gegenhang ersteigen bevor der Rest nachgezogen werden konnte. Nachdem man diese Station ebenfalls erfolgreich gemeistert hatte ging es in einem letzten Anstieg von Opreno (556m) zurück auf den Col Pedrion (832m) ins Ziel, welches man um 15.00 Uhr als eine der ersten Mannschaften erreichte. Ca. eine Stunde späte erreichte auch die erste Mannschaft der Luftlandebrigade mit einer Rekordmarschzeit Palazzago.
Der Wettkampf hatte die beiden Teams in voller Kampfmontur über 30 Kilometer durch die norditaliensichen Berge geführt. 2500 Höhenmeter galt es zu überwinden und Aufgaben an 12 Stationen zu erledigen.

Fest der Nationen in Palazaggo

Nach Dienst an Material und der Wiederherstellung der eigenen Verfassung ging es am Samstag abend auf das Fest der Nationen. Um 19.00 Uhr war der Wettkampf abgebrochen wurden. Mannschaften die bis dorthin nicht das Ziel erreichten fielen aus der Wertung.
So genoß man den verregneten Abend, den Luxus warmer trockener Kleidung schätzend mit Kameraden aus 14 Nationen, die sich tagsüber im Wettkampf gegenüberstanden vereint im Festzelt von Plazaggo.

Erfolgreicher Wettkampf für die oberbayerischen Reservisten

Am Sonntag ging es nach einer Feldmesse zur Siegerehrung. Hier kam die große Überraschung. Der Wettkampf wurde von einer aktiven Finnischen Jägereinheit gewonnen. Die erste oberbayerische Mannschaft Luftlandebrigade 26 unter OLt.d.R. Martin Zangerl erreichte den 4 Platz. Das Team Oberbayern (II) überraschte mit dem 10.Platz von 67 gestarteten Mannschaften aus 14 Nationen. Dies bedeutete sogar mit einem 4.Platz in der Wertung Reservisten international, dass man einen Großteil der aktiven und Reservisteneinheiten auf diesem Wettkampf geschlagen hatte. Die Mannschaft LLBrig26 zeichnete sich über dies noch mit der schnellsten Marschzeit im Gebirge aus und konnte einen zusätzlichen Pokal in Empfang nehmen.
Zufrieden von diesem Wettkampf bei Jägerwetter machte man sich nun wieder nach norden auf um ins sonnige Oberbayern zurückzukehren.
Der Lombardia 2008 ist bisher der größte Erfolg des Wettkampfkader Oberbayerns bei einem Wettkampf bei unseren italienischen Freunden. Aber noch größer ist der Erfolg der zweiten oberbayerischen Mannschaft mit den zwei wolkersdorfer Gebirgsjägern aus dem Rupertigau für die noch junge Gebirgsjäger-RK vom Waginger See einzustufen. Lombardia 2009 wir kommen wieder.

Weitere Informationen zum Lombardia 2008 und zum Wettkampfkader Oberbayern unter

Text: Klaus Obermayer

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