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Mit dem Muli auf Augenhöhe




Futter schafft Verbindung: Noch herrscht viel Respekt vor den Huftieren. Doch Ziel der Ausbildung ist es auch, das Muli als gleichwertigen Kameraden zu sehen, der im unwegsamen Gelände viel Last abnimmt

Mittenwald, 04.04.2022

Mit dem Muli auf Augenhöhe

Ausbildung künftiger Mittenwalder Jager wird breiter aufgestellt

Mittenwald. Sie sind zurück in Mittenwald – wenn auch erstmal nur für eine Woche: die Mulis, die traditionellen Tragtiere der Gebirgsjäger. Die 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald führt in diesen Tagen die Spezialgrundausbildung durch. Damit werden die jungen Soldaten zu Gebirgsjägern ausgebildet. Mit dabei sind vier Mulis mit ihren Tragtierführern aus dem Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 in Bad Reichenhall. Sie betreiben eine Ausbildungsstation in der Ausbildungswoche, in der das Handwerkszeug künftiger Gebirgsjäger gelehrt wird. Die Tragtiere werden nun viermal im Jahr für jeweils eine Woche in Mittenwald zu Gast sein.

Die angehenden Gebirgsjäger sollen sich mit den Tragtieren vertraut machen, denn in Übungen und Einsätzen unterstützen die Tragtiere die Gebirgsjägereinheiten, wenn Material in unwegsames Gelände gebracht werden soll und nicht mit Fahrzeugen angefahren werden kann. Wie ein Muli richtig bepackt wird, bekommen die künftigen Jäger von den Reichenhaller Kameraden beigebracht. Zwar kann ein Muli maximal 120 Kilogramm aufnehmen, erklären die Ausbilder, doch sollte das Gepäck je nach Schwierigkeitsgrad des Bergpfads und der Kondition des Tieres reduziert werden. So wiegt die Ladung im schwierigen Gelände um die 80 Kilogramm. Außerdem sollten alle Mulis gleichmäßig beladen werden.

Geschickt beladen: An das Tragegestell können eine Vielzahl an unterschiedlichen Kisten, Körben und Säcken angebracht werden. Zusätzliche Riemen, wie das Vorderzeug oder den Umgang, die vorne und hinten um das Muli geschnallt werden, verhindern das Verrutschen der Ladung im Gebirge

„Es ging mir darum, die Ausbildung breiter aufzustellen“, sagt Kompaniechef Hauptmann Hermann Pape. Seine Kompanie führt die Spezialgrundausbildung im Gebirgsjägerbataillon 233 durch. Hier werden die Soldaten truppengattungsspezifisch – also als Gebirgsjäger – ausgebildet. „Die Soldaten sollen erfahren, dass die Gebirgsjägerbrigade 23 nicht nur aus der Infanterie besteht, sondern aus weiteren Unterstützungskräften“, erklärt Kompaniechef Pape. So werden unter anderem auch die Gebirgspioniere aus Ingolstadt innerhalb der Ausbildung nach Mittenwald kommen und Einblicke in ihre Fähigkeiten gewähren.

Das erste Mal über einer Schlucht

Zu den Fähigkeiten eines Gebirgsjägers gehört, sich sicher im Berggelände zu bewegen: das richtige Marschieren mit Skistöcken, Schneeschuhen und Steigeisen oder das gekonnte Abseilen an der Felswand. Geübt wurde in dieser Woche das Überqueren einer Schlucht mittels Seilstege oder Seilrutsche. Die Überquerung der Schlucht am Seil sorgte für Herzklopfen bei den Soldaten: Für sie ist es das erste Mal, sich an zwei Seilen hinüber zu hangeln oder in Bauchlage an einem Seil hinüber zu ziehen. Insgesamt ist es eine besondere Ausbildungswoche für die Gebirgssoldaten, die damit gekrönt wird, mit den Mulis die erste Bergtour zu unternehmen.

Endlich geschafft: das erste Mal mittels einfachem Seilsteg über eine rund 30 Meter tiefe Schlucht, in der ein Gebirgsbach durchrauscht. Die Ausbildung an An- und Abseiltechniken gehört zum Handwerkszeug eines künftigen Gebirgsjägers.

Hintergrund

Die Tragtiere sind bis heute für Mittenwald immer noch etwas Besonderes. Denn 1958 wurde hier die erste Gebirgstragtierkompanie der Bundewehr aufgestellt. Zwei Jahre später wurde ein Zug aus Mittenwald nach Bad Reichenhall abgestellt. Während Bad Reichenhall als eigenständige Kompanie ausgebaut wurde, wurde später die Mittenwalder Kompanie im April 1981 nach Bad Reichenhall verlegt. Beide Kompanien sind mittlerweile im Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 vereint. In Mittenwald verblieben zwei Traditionstiere: die Mulidame „Edda“, die im Herbst 2010 verstarb, und den Haflinger Hengst „Max“, der zwei Jahre später an ein Gestüt verkauft wurde. Sie versahen ihren Dienst bei Appellen und Gelöbnissen.

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