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Reichenhaller Jager heben ab




Im „Virtual Battlespace“ durchlaufen die Soldaten die grundlegenden Verfahren am PC bevor es an die echten Maschinen geht.

Zur Unterstützung werden die Soldaten aus der Ferne durch einen Kampfhubschrauber überwacht

Der Kompaniechef führt bei der Operation mit Blick ins Gelände

Zwei Hubschrauber landen parallel, um die Soldaten abzusetzen

In der Landezone weist ein Soldat die Hubschrauber ein

Die Fallschirmspringer werden auf der Abschlussübung im freien Fall abgesetzt.

Für die Befehlsausgabe wird der Operationsraum mit einfachen Mitteln als Modell dargestellt.

  • Von Christian Karl Bauer, Gebirgsjägerbataillon 231
  • 10.06.2021
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Bad Reichenhall, 10. Juni 2021

Reichenhaller Jager heben ab

Für das Gebirgsjägerbataillon 231 geht es hoch hinaus – nicht nur zu Fuß oder auf Ski, sondern zuletzt auch in der Luft. Am Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit erlernen die Soldaten der zweiten Kompanie das Verlegen mit dem Hubschrauber.

Die Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall haben eine lange Fahrt ins niedersächsische Celle auf sich genommen, um für luftgestützte Operationen mit dem Hubschrauber ausgebildet zu werden. Ehe ein Fuß auf die Rollbahn gesetzt wird, durchlaufen die Soldaten jedoch erst einmal eine „theoretisch-praktische“ Vorausbildung am Computer. Das genutzte Programm „Virtual Battlespace“ wirkt beim Zusehen zunächst wie ein Videospiel, wie es manche der Soldaten vielleicht aus ihrer Freizeit kennen. In Wahrheit bietet es weitaus mehr Möglichkeiten und ist als ernstzunehmendes Instrument für die Ausbildung konzipiert. Mit Headsets, Maus und Tastatur bewaffnet üben die Gebirgsjäger die grundlegenden Verfahren als Voraussetzung für die praktische Ausbildung am echten Hubschrauber. Dabei geht es etwa um die richtige Kommunikation mit den Piloten, die Einweisung der Hubschrauber in die Landezone und das geordnete Einsteigen.

Die Fallschirmspringer werden auf der Abschlussübung im freien Fall abgesetzt.

Cold und Hot Load

Auf dem Fliegerhorst Faßberg werden schließlich das Boarding und Deboarding, also das Auf- und Absitzen, praktisch trainiert und die Soldaten machen sich mit den Hubschraubern vom Typ NH 90 vertraut. Als erstes steht das sogenannte „Cold Load“-Verfahren an. Die Triebwerke sind dabei stumm und die Maschine bleibt am Boden. Unter den Augen der Luftfahrzugbesatzung wird das Ein- und Aussteigen taktisch geplant und durchgeführt. Dabei muss jeder Soldat wissen, wo er zu stehen hat und wie seine Reihenfolge ist. Nur so ist ein reibungsloser und professioneller Ablauf möglich.

Nach dem Cold Load wird’s heiß: der „Hot Load“ ist praktisch derselbe Vorgang – mit dem entscheidenden Unterschied, dass dieses Mal die Hubschrauber fliegen. Hier muss erstmals das Wissen aus dem Simulator im „scharfen“ Einsatz angewandt werden. Für die Soldaten der zweiten Kompanie ist dieser Teil der Ausbildung etwas ganz Besonderes. Es ist laut, die Rotoren der Helikopter erzeugen enormen Wind und das Wetter ist nass und kalt. Auf dem Truppenübungsplatz Scheuen werden die Gruppen, hier „Chalks“ genannt, hin- und hergeflogen. Da die Gebirgsjäger auch in multinationalen Einsätzen gebunden sind, erfolgt die Verbindungsaufnahme mit den Piloten auf Englisch. Zwischen dem schnellen Wechsel der Landezonen bleiben die Hubschrauber nur kurz auf dem Boden. Deshalb müssen die Soldaten konzentriert bei der Sache sein. Im Laufe der Ausbildung verinnerlichen sie das exakte Vorgehen.

„Zufrieden mit der Leistung!“

Knapp zwei Wochen sind die Soldaten des Gebirgsjägerbataillon 231 zur Ausbildung in Niedersachsen. Viel Zeit für genügend Praxis. Um den Ausbildungserfolg im großen Rahmen beurteilen zu können, wird an den letzten beiden Ausbildungstagen eine Abschlussübung durchgeführt. Als Anknüpfungspunkt dient eine Rahmenlage, die bereits im Februar als Vorarbeit durch die Reichenhaller Bataillonsführung geschaffen worden war. Mehrere Befehlsausgaben, von Bataillons- bis auf Zugebene, leiten dazu den Auftakt ein.

Im Morgengrauen des vorletzten Tages geht es für die Soldaten unter Führung des Kompaniechefs, Major Florian Gasser, los. Ziel ist das Camp Osterholz auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Das Camp ist für die Dauer des Übungszeitraums als „Forward Operating Base“, kurz FOB, der Dreh-und Angelpunkt für die Truppe. In mehreren Wellen werden die Soldaten in eine vorab festgelegte Landezone geflogen, wo sie sich sammeln und für die Operation fertigmachen. Ziel ist es, ein feindlich besetztes Dorf zu nehmen. Als Unterstützung sind für die Abschlussübung der Aufklärungszug des Gebirgsjägerbataillon 231, Fallschirmspringer, Sanitäter, ein Flugzeug vom Typ Pilatus PC-9 und Kampfhubschrauber vom Typ Tiger im Einsatz.

Zwei Hubschrauber landen parallel, um die Soldaten abzusetzen

Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, ist im Rahmen einer Dienstaufsicht am ersten Übungstag dabei. Die Reichenhaller Jager geben nach seiner Bewertung ein stimmiges Bild ab, zumal es für sie die erste Ausbildung dieser Art ist: „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Kompanie und der Einbindung der Unterstützungskräfte, insbesondere die Koordination der Kräfte und die Führerleistung haben mich voll überzeugt.“ Ähnlich resümiert der Bataillonskommandeur Oberstleutnant Dennis Jahn: „Besonders hervorheben möchte ich die hohe Motivation und den bemerkenswerten Einsatzwillen der hier eingesetzten Soldaten. Vom einfachen Soldaten bis zum Kompaniechef. Die Erwartungen wurden übertroffen und das Ausbildungsziel mehr als erreicht“.

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