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Kreisgruppe Oberbayern-Südost

Aus der Truppe

Simulation trifft auf Realität




Der stellvertretende Bataillonskommandeur weist am ersten Besprechungspunkt in das Gelände ein.

Bataillonskommandeur (rechts) und das teilnehmende Führerkorps des GebJgBtl 233 vor dem Hochtor, dem höchsten Punkt der Großglocknerhochalpenstraße.

Der Kommandeur und sein Stellvertreter befördern Hptm P. (2./233) auf dem Gipfel des Fuscherkarkopf zum Major

Die Großglocknerhochalpenstraße (GHS) – Gefechtsstreifen des GebJgBtl 233

Mittenwald, 12.09.2022

Simulation trifft auf Realität – Führerkorps Gebirgsjägerbataillon 233 überprüft eigene Planungsprozesse im Hochgebirge

 „Der Blick ins Gelände ist durch nichts zu ersetzen!“ – Mit diesen Worten im Ohr stellten sich die Offiziere des GebJgBtl 233 unter Führung ihres Kommandeurs im Hochgebirge schwierigen Fragen. Hält meine eigene Planung der Realität stand? Sind meine Zeitansätze realistisch gewählt? Bewerte ich Mobilität und Kampfkraft meiner Kräfte realistisch? Deckt sich das Kartenstudium mit den Begebenheiten vor Ort? Dies und mehr galt es im Rahmen einer taktischen und alpinen Führerweiterbildung im Großglocknergebiet in Österreich zu überprüfen.

 

Computerunterstützte Ausbildung und simulierte Gefechtsübungen sind aus der Bundeswehr nicht mehr wegzudenken. Ermöglichen sie den eingesetzten militärischen Führern doch mit relativ wenig personellem und materiellen Aufwand ganze Verbände oder gar Großverbände zu beüben. Planungsprozesse, Entscheidungsfindungen, taktische Grund-sätze und Stabsarbeit können damit ressourcenschonend geübt werden. So führte die Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ im Mai 2022 am Gefechtssimulationszentrum des Heeres in Wildflecken eine sogenannte simulationsgestützte Übung der angehörigen Verbände durch. Absicht des Brigadekommandeurs war es die Gefechtsstände der Brigade und Bataillone im Gebirgskampf in schwierigstem Gelände, einschließlich großer Höhen und unter extremen Klima- bzw. Wetterbedingungen zu beüben.

Der stellv BtlKdr überprüft den Wissensstand der Teilnehmer in Bezug auf militärische Symbole und die Bedeutung der dahinterstehenden Aufträge

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie.“

Goethes Worte aus dem Jahre 1808 haben an Aktualität nichts eingebüßt und sind gerade im militärischen Kontext brisant. In Anbetracht dieses Zitats erscheint es nur folgerichtig, dass der Bataillonskommandeur des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233 sein Führerkorps ihre im Rahmen der Übung „Edelweiß“ durchgeführten Operationspläne nun in das reale Gelände projizieren lies. Das Ziel: Die Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit ihrer Entschlüsse an der Realität messen. Zu diesem Zweck verlegte der Kommandeur mit weiteren 14 Offizieren des Bataillons in den Raum der Großglocknerhochalpenstraße nach Österreich. In der zweieinhalbtägigen Weiterbildung sollten in einer Geländebesprechung das reale Gelände bewertet, gegebene Befehle überprüft und auch der Sinn für die Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit der Truppe weiter geschärft werden. Gerade diese Faktoren sind im Rahmen einer Simulation nur eingeschränkt abgebildet. Umso wichtiger ist es ein Gespür für die realen Begebenheiten zu entwickeln und so das eigene Handeln darauf abzustimmen und gegebenenfalls anzupassen.

30 Kilometer durch das Hochgebirge

 In einem Geländeabschnitt mit 30 Kilometern Luftlinie von Süd nach Nord – im Zuge der Großglocknerhochalpenstraße, sowie an insgesamt sieben Besprechungspunkten wurde der simulierte Gefechtsverlauf nachvollzogen. An den einzelnen Besprechungspunkten trugen die Kompaniechefs zu ihren Entschlüssen vor und bewerteten das Gelände.

Das Führerkorps GebJgBtl 233 beim Besteigen des Fuscherkarkopf Gipfels

In welche Abschnitte gliedert sich das Gelände? Wie ist die Geländebeschaffenheit? Welche Möglichkeiten bietet das Gelände dem Feind? Was bietet das Gelände den eigenen Kräften? Welche Faktoren beeinflussen die Einsatz- und Führungsunterstützung im zugewiesenen Gefechtsstreifen? All diese Fragen werden durch die Teilnehmer angesprochen, beurteilt und die dementsprechenden Folgerungen daraus gezogen.

Nach sieben Besprechungspunkten, rund einhundert Straßenkilometern, etlichen Höhenmetern und vielen militärischen Symbolen endete der Tag für das Führerkorps mit vielen interessanten und wichtigen Eindrücken, gewonnenen Erkenntnissen und unzähligen Denkanstößen für die künftige Operationsplanung.

Wer die Höhen hat, beherrscht die Täler!

Stand der erste Tag ganz im Zeichen der mentalen Leistungsfähigkeit, so galt es am zweiten Tag die körperliche und alpine Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Vom Ausgangspunkt Kaiser-Franz-Josefs-Höhe folgte zunächst der Aufstieg auf den Fuscherkarkopf. Mit einer Höhe von 3331 m. ü. NN., im Nordosten des Großglocknermassivs gelegen, bietet er einen einzigartigen Blick auf die Pasterze, den Großglockner mit seiner imposanten Nordwand und das Ferleitental, dem nördlichen Teil des Gefechtsstreifen des Bataillons. Die Herausforderungen des hochalpinen Geländes wieder einmal am eigenen Leib zu erfahren war insbesondere für die nicht im Außendienst eingesetzten Offiziere des Stabes ein Erfahrungsgewinn.
Unter den Offizieren sind zwei Heeresbergführer und mehrere Heereshochgebirgsspezialisten. So geführt erstiegen die Teilnehmer durch stellenweise absturzgefährdetes und durch Drahtseile versichertes Gelände den Gipfel. Ein grandioser Ausblick war die Belohnung für die Mühen. Besonders Hauptmann P., Heeresbergführer und Chef der 2./233, dürfte den Gipfel in besonderer Erinnerung behalten, wurde er doch vor Ort durch den Bataillonskommandeur zum Major befördert.

Mit Steigeisen und Eisgerät ausgerüstet überquert das Führerkorps GebJgBtl 233 das südliche Bockskarkees

Sicherer Tritt in Fels und Eis

Über den Nordwestlichen Grat folgte der Abstieg in Richtung Fuscherkarscharte. Dabei waren sowohl die beiden Heeresbergführer, als auch die Heereshochgebirgsspezialisten gefordert: Der Abstieg erforderte die Versicherung mit einem Seilgeländer und zudem die Einrichtung einer Abseilstelle um den Gletscher zu erreichen. Nun stand dem letzten Highlight der Hochtour nichts mehr im Wege: Der Überschreitung des südlichen Bockkarkees. Ein Abschnitt, der auch erfahrenen Gebirgsjägern noch einmal verdeutlichte, welche Anforderungen an Soldaten im Hochgebirge gestellt werden. So bilanzierte auch der Kommandeur am Ende einer erfolgreichen Weiterbildung: „Der Einsatz im (Hoch-) Gebirge und unter extremen klimatischen Bedingungen stellt an uns Gebirgsjäger ganz besondere Herausforderungen. Dies gilt unabhängig von Einsatz, Landes- und Bündnisverteidigung oder Übung und Friedensdienstbetrieb. Wir müssen das Gelände und die Witterung immer mitdenken: zur erfolgreichen Operationsplanung und -durchführung, aber auch zum Schutz der uns anvertrauten Männer und Frauen.“

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