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Ausbildungsalltag bei den Gebirgsjägern in Zeiten von COVID-19




Sandkastenausbildung für den Spähtrupp der Reichenhaller Jager.

Bildautor: Gebirgsjägerbataillon 231

Die Rekruten bei der Waffenausbildung

Bildautor: Gebirgsjägerbataillon 232

Einsatzausbildung des Gebirgsjägerbataillons 232 in Wildflecken: Ausbildung an der Panzerfaust.

Bildautor: Gebirgsjägerbataillon 232/Martin Sonnenberger

Sanitätsausbildung: Die Rekruten beim Anlegen eines Tourniquets – ein Abbindesystem durch das der Blutfluss in den Venen und Arterien gestaut wird – lebensrettend bei kritischen Verletzungen.

Bildautor: Gebirgsjägerbataillon 232

Bad Reichenhall/ Bischofswiesen/ Wildflecken 29.06.2020  Der Dienstalltag der Soldaten und Soldatinnen der Gebirgsjägerbrigade 23 war in den letzten Monaten aufgrund der Corona-Krise bestimmt durch einen Dreiklang – Bereitschaft für Amtshilfeeinsätze im Rahmen der Corona Krise, Reserve schaffen und weiter Ausbildung für die verschiedenen Aufträge der Bundeswehr betreiben.

Die Gebirgsjägerbrigade 23 stellt trotz Corona-Pandemie weiterhin Kräfte für Auslandseinsätze. Im Oktober werden die Reichenhaller Jager und im März 2021 die Struber Jager in den Auslandseinsatz nach Mali gehen. Wie die Gebirgsjäger unter den Rahmenbedingungen von COVID-19 weiterhin ihren Aufträgen gerecht werden, zeigt sich an den teilweise sehr kreativen Beispielen des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen und den Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall.

Neue Wege mangels Alternativen – Ausbildung von Soldaten im Homeoffice

“Okay, hergehört: In der kommenden Woche steht die Erstausbildung Spähtrupp an. Zunächst absolvieren wir eine Beobachtungsausbildung bei Tag und Nacht, dann setzen wir bis zum nächsten Morgen in zwei Gruppen einen Spähtrupp auf die dargestellte Funkrelaisstellung im Kirchholz an. Ich stelle mir vor, dass (…)“

Nach diesen Worten ging es ohne Verzug an die höchst kreative Homeoffice-Ausarbeitung für Mannschaften und Unteroffiziere in der 3. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall. Doch ein kurzer Zeitsprung zurück: Was war da los?

„Corona“ und die daraus resultierenden Notwendigkeiten setzten bei den Soldaten der 3. Kompanie teilweise ganz neue Ideen frei. Kein „das geht doch nicht“, sondern “geht nicht, gibt es nicht“, denn die Situation ist und war real. Es mussten Lösungen gefunden werden, weil es schlichtweg alternativlos war.

Dem Thema „straff führen, wenn es Krisen gibt“ wurde Rechnung getragen und es wurde auf Nachhaltigkeit, Verstehen und Selbstständigkeit gesetzt, denn die Einsatzausbildung muss aufrechterhalten bleiben.

Hätte dem Zugführer der 3. Kompanie jemand gesagt, dass er das Ausbildungsthema „Spähtrupp“ über Fragebögen und Telefonate im Homeoffice an seine Soldaten vermitteln muss, hätte er zu „Normalzeiten“ den Vogel gezeigt. Doch genau hier zeigt sich eine große Stärke der Truppe: Es wird flexibel angepasst! Wenn sich der Zug im Wechsel zwei Wochen in der Kaserne, dann zwei Wochen im „Dienst zu Hause“ befindet, dann war das so.

Der Zugführer und sein Stellvertreter als leidenschaftliche Ausbilder fanden schnell eine passende Mischung und machten sich an die Arbeit – auch im Dienst zu Hause. Die Investition in die Mannschaften und die jungen Unteroffiziere zeigte schnell Wirkung. Mitgearbeitet von zu Hause wurde immer! Auffällig war, dass sich niemand über diese Form des Lernens beschwerte, niemand die Termine zur Abgabe der „Hausaufgaben“ verpasste und die meisten auch ohne Grundsatzunterricht und Vorausbildungen mit der doch sehr anspruchsvollen Thematik gut umgehen konnten.

So gingen die Fragebögen zum Thema „Spähtrupp“ meist vollständig ausgefüllt per E-Mail ein. Die Arbeitsbögen setzen sich aus Basisfragen, also Textpassagen aus den Vorschriften, die in Frage umgestellt wurden, und sogenannten Transferfragen, offen formuliert als Bindeelement zu anderen Themen, zusammen. Neben den formellen Bearbeitungsvorgaben und Terminen gab es die Möglichkeit, die Ausbilder jederzeit anzurufen und nachzufragen. Den Soldaten standen die wichtigen Teile der Vorschrift zum Lesen zur Verfügung. Es hat funktioniert!

Manche Soldaten nahmen sogar die Möglichkeit wahr, per Telefon nachzufragen und sich mit wichtigen Einzelthemen auseinanderzusetzen. So war es eine kraftzehrende Aufgabe, sich auch später am Abend per Telefon zur Verfügung zu halten und im Lehrgespräch Lücken zu schließen: Bei den Soldaten, wo aus der Bearbeitungsdichte der gestellten Aufgaben weniger Verständnis oder Interesse zu vermuten war, wurde hingegen aktiv angerufen, um zu motivieren.

„Corona“ war und ist eine ganz besondere Herausforderung. Als auftragsgewohnte Soldaten konnte die 3. Kompanie die Forderungen durch Gewöhnung, Können und Wollen doch erfolgreich parieren und ihre Aufträge ausführen.

Jedoch entbehrt das rein virtuelle Erleben aller körperlichen und nachhaltig stimulierenden Lerneffekte. Es kann insbesondere bei uns Gebirgsjägern somit auch nur ein zeitweiliges Behelfs- respektive Unterstützungskonstrukt sein. Wenn die Rahmenbedingungen aber so sind, wie sie derzeit sind, dann machen die Gebirgsjäger das Beste daraus, indem sie jede Minute, sei es auch nur virtuell, zur Ausbildung nutzen.

Komprimierte Grundausbildung mit Homeschooling-Anteil bei den Struber Jager

Ohne körperliches Erleben und Aushalten von realer Belastung ist dieser Beruf nicht professionell leistbar. Homeoffice kann nur kurzfristig unterstützen indem es theoretische Grundlagen vermittelt. Dies erleben derzeit auch die Rekruten in Bischofswiesen, welche seit dem 2. Juni den praktischen Anteil ihrer Grundausbildung im Gebirgsjägerbataillon 232 absolvieren. Ihre Ausbildung begann bereits im April – allerdings in Form einer theoretischen Schulung von zu Hause aus. Die theoretischen Grundlagen konnten die Rekruten daheim über ein Portal der Bundeswehr digital abrufen. Die praktische Ausbildung wurde auf sechs Wochen –  inklusive Wochenende – komprimiert. Somit sinkt dann auch die Gefahr der Ansteckung durch das Pendeln an die Wohnorte. „Die Wiederaufnahme des normalen Ausbildungsbetriebs unter der Gefährdung durch COVID-19 ist eine Aufgabe, die alle Angehörigen des Bataillons fordert. Unter den besonderen Bedingungen des Kasernenlebens wären wir von einer Infektion besonders betroffen, daher müssen wir aufmerksam bleiben und im Betrieb noch weiter dazulernen und feststellen, wo wir weitere Maßnahmen ergreifen müssen“, so Oberstleutnant Martin Sonnenberger, Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 232.

Nichts kann reale Ausbildung auch nur ansatzweise ersetzen!

Im Homeoffice kann der Routinebetrieb einigermaßen aufrechterhalten werden, aber keinesfalls der Einsatzauftrag und die damit verbundene praktische Ausbildung. Für große Herausforderungen praktikable Lösungen zu erarbeiten, entspricht dem Geist der Gebirgstruppe.

So befand sich beispielsweise das Gebirgsjägerbataillon 232 für zwei Wochen auf den Truppenübungsplatz im fränkischen Wildflecken. Im Mittelpunkt stand hier die Schießausbildung der Soldaten – sozusagen der Startschuss für die Einsatzvorbereitung der Struber Jager. Bei dieser Ausbildung erlangten die für den Auslandseinsatz vorgesehenen Soldaten vor allem Routine im Umgang mit ihren Waffen und mussten als Kampfgemeinschaft ihre Gefechtstauglichkeit unter Beweis stellen. Dies ist Grundlage für die weitere Einsatzvorbereitung der Struber Jager. Auch hier war die „Rahmenlage COVID – 19“ für die Vorbereitung und Durchführung ausschlaggebend.

An der 15-tägigen Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz nahmen statt der geplanten 800 Angehörigen des Bataillons nur die für den MINUSMA-Einsatz in Mali ab März nächsten Jahres vorgesehenen Soldaten teil. Vor dem Übungsplatzaufenthalt wurden alle Soldaten detailliert über die Hygienemaßnahmen belehrt. Grundlage des Ausbildungs- und somit auch Hygienekonzeptes war dabei die Bildung von Ausbildungsgruppen, die streng getrennt voneinander – natürlich auch an den Wochenenden – ausschließlich auf dem Truppenübungsplatz ohne externe Unterstützung Ausbildung betrieben. Auch innerhalb der Gruppen galten und gelten die gängigen Hygiene- und Abstandsregeln – wo Abstand aufgrund von Sicherheitsvorschriften nicht möglich war und ist – galt und gilt Mundschutz.

Auch das Gebirgsjägerbataillon 231 wird im Juli in die abschließende Einsatzausbildung im Gefechtsübungszentrum Heer in die Letzlinger Heide gehen. Hier wird die Kohäsionsausbildung der Objektschutzkompanie für MINUSMA stattfinden. Alle beteiligten Soldaten – ca. 250 – werden zuvor in eine 14-tägige Quarantäne gehen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Text: Pressestelle Gebirgsjägerbrigade 23

Bilder: Siehe Bildunterschriften

Bild 1: Sandkastenausbildung für den Spähtrupp der Reichenhaller Jager. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 231)

Bild 2: Zwei Soldaten der 3. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 beim Beobachten des Vorfeldes. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 231)

Bild 3: Gebirgsjäger der 3. Kompanie bei der Spähtrupp-Ausbildung. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 231)

Bild 4: Die Rekruten bei der Waffenausbildung. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 232

Bild 5: Sanitätsausbildung: Die Rekruten beim Anlegen eines Tourniquets – ein Abbindesystem durch das der Blutfluss in den Venen und Arterien gestaut wird – lebensrettend bei kritischen Verletzungen. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 232)

 

Bild 6:  Einsatzausbildung des Gebirgsjägerbataillons 232 in Wildflecken: Ausbildung an der Panzerfaust. (Foto: Gebirgsjägerbataillon 232/Martin Sonnenberger)

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