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100 Kilometer von Ypern




Ypern in Nordflandern steht ähnlich wie Verdun für das massenweise sinnlose Sterben im I. Weltkrieg. Beide Städte liegen an der Westfront, die über Jahre hinweg von beiden in einem bewegungslosen Stellungskampf erbittert umkämpft war, der nur Tod und Leiden mit sich brachte. Die westbelgische Stadt Ypern, wo den Deutschen vor allem die Belgier, Engländer und Soldaten aus dem Britischen Empire in den Gräben gegenüber lagen, hat sich durch die Flandernschlachten und den ersten großangelegten Giftgaseinsatz der deutschen Armee ins Gedächtnis der Welt eingebrannt, aber auch durch den Weihnachtsfrieden von 1914, bei der es zum legendären Fußballspiel Deutschland gegen Großbritannien kam.
 
Anlässlich der 100. Wiederkehr des I. Weltkrieges war die 43. Auflage der „100 Kilometer von Ypern“, ein Gedenkmarsch umrahmt von vielen Gedenkveranstaltungen, so gut besucht wie noch nie zuvor. Etwa 8.000 Marschiere, Soldaten, Reservisten und Zivilsten haben sich Ende Mai eingefunden, darunter auch eine siebenköpfige Delegation aus Berlin, tatkräftig unterstützt von der Landesgruppe der Berliner Reservisten. Zum ersten Mal bewältigten die Berliner Teilnehmer die etwa 850 Kilometer lange Anfahrt mit dem „Oldtimer“-Bus der Landesgruppe Berlin, der vor Ort für großes Aufsehen sorgte: die Briten zeigten sich so begeistert von dem Gefährt, dass sie es sogleich in „Beschlag“ nahmen, indem sie den Bus mit dem Länderkennzeichen „GB“ und der „Union Flag“ beklebten.

Die „100 Kilometer von Ypern“ sind als Sternlauf angelegt und in drei Marschtagen von je zweimal 30 und einmal 40 Kilometer unterteilt. Die Wegstrecke führt teils am ehemaligen Frontverlauf und an den großen Soldatenfriedhöfen entlang, an die französischen Grenze über den Kemmelberg, ein ehemaliger britischer Posten, den die deutsch Artillerie 10 Meter tiefer gebombt hatte und  zu den aus taktischen Gründen extrem umkämpften Höhen 60 und 62. Entlang der Marschstrecke sind überall noch die Schrecken des Krieges greifbar: riesige Krater, die von enormen Minen verursacht wurden, Tunnelsysteme, Gräben, Bunker, Reste von Kampfmitteln. Und immer wieder die riesigen Soldatenfriedhöfe, sei es der kanadische Sanctuary Wood, der britische Tyne Cot oder der deutsche Langemarck. Für den Stabsunteroffizier d.R. Dr. Stephan Hühn hat die Marschteilnahme und die Ehrung der Toten eine ganz persönliche Bedeutung: vor einigen Jahren hat er am großen Portal der deutschen Erinnerungsstätte, an dem die Namen der gefallenen deutschen Soldaten aufgelistet sind, zwei Ur-Großonkel entdeckt. „Seitdem ist für mich die Erinnerungszeremonie noch bewegender“, beschreibt er seine Gefühle.

Das gemeinsame Erinnern an die Toten, über die Nationen hinweg ist ein wichtiger Bestandteil des „Ypern-Marsches“. Zur deutschen Gedenkveranstaltung in „Langemark“ legte deshalb nicht nur die Deutschen, sondern auch britischen Kameraden der Navy, Airforce, Army und der Polizei Kränze nieder, während die Belgier mit dem Dudelsack „Ich hatte einen Kameraden“ spielten. Umgekehrt ehrte die deutsche Delegation ebenso selbstverständlich die Gefallenen der Alliierten und zeigte Präsenz bei der großen Gedenkveranstaltung am  „Menen-Tor“ in Ypern, der zentralen Erinnerungsstätte der Allierten, auf deren Innenseiten sich die Namen aller noch immer vermissten Soldaten des Commonwealth befinden. In einer großen Parade zogen alle Einheiten der britischen Streitkräfte und die Polizei von London zum Tor, legten dort ihre Kränze ab und spielten zum Abschluss „Last Post“.
Trotz der schrecklichen Vergangenheit ist die Stimmung 100 Jahre danach ausgelassen und fröhlich. Über die einst verfeindeten Völker hinweg, haben sich Freundschaften entwickelt, man kennt sich, auch von gemeinsamen Übungen und Besuchen. Seitens der Berliner gibt es enge Kontakte zu den Reservisten der British Royal Navy in Newcastle. Diese besuchten  zuletzt 2013 die deutsche Hauptstadt und nahmen an der Großübung „Berliner Bär“ teil. Ein gutes Beispiel für die völkerverbindende Wirkung des Ypern-Marsches und eine kleine Erfolgsgeschichte für unseren Einsatz als Reservisten.
 

Ralph Erlmeier

Bild 1: Die Berliner Marscheilnehmer vor Ihrem „Oldtimer-Bus“, von dem sich vor allem die Briten begeistert zeigten.

Bild 2: Auf dem Marsch mit Blickrichtung Kemmelberg.

Bild 3: Immer wieder ist der I. Weltkrieg präsent.

Bild 4: Immer wieder ist der I. Weltkrieg präsent.

Bild 5: Deutsch-Britische Kameradschaft – eine Erfolgsgeschichte des Ypern-Marsches!

Bild 6: Die Berliner Marschteilnehmer auf dem Wege zum Menen-Tor.

Bild 7: Die Erinnerungsstätte der Deutschen – Langemark.

Fussball verbindet!
 
In den Weihnachtstagen 1914 geschah an den Fronten Nordflanderns etwas Außergewönliches. Anlässlich der Weihnachtstage ließen die Soldaten in den Schützengräben die Waffen schweigen und begannen sich zu treffen. Es kam sogar zu einem Fußballspiel der Briten gegen die Deutschen, bei dem die Deutschen das Spiel gewannen. In Erinnerung an dieses Ereignis beschloss man anlässlich des Ypern-Marsches auch 2014 dieses Fußballspiel aufzulegen.  „Die deutschen Hornissen“ gegen „British Bulldogs“, stachlig gegen bissig, so kündigte man das Spiel mit markigen Slogans an. Beide Mannschaften bestanden ausschließlich aus Reservisten. Doch entgegen des historischen Vorbildes bezwangen die Briten die deutsche Mannschaft mit 5:2. Doch was soll´s! Das Ergebnis tat der guten Stimmung keinen Abbruch – denn im Mittelpunkt stand die Freundschaft der Völker. 

Bild 8:Die deutsche Mannschaft – die leider nicht so stacheligen Hornissen!

Bild 9:Deutsch-Britische Kameradschaft: Die Mannschaften – Deutsche Hornissen und British Bulldogs

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