DAS MAGAZIN

Monatlich informieren wir unsere Mitglieder mit der loyal über sicherheitspolitische Themen. Ab sofort können Mitglieder auch im Bereich Magazin die darin aufgeführten Artikel lesen!

Mehr dazu
DER VERBAND

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

Mehr dazu

Landesgruppe Berlin

Artikel zur Veranstaltung „Achtung wir rufen Kräuterhexe“ des VdRBw LG Berlin





Bild: Einleitung Andreas Baasner

Die Geschichte des Kalten Krieges ist inzwischen im nationalen und internationalen Bereich umfassend dargestellt worden. Dazu gehört insbesondere die Geschichte des sog. Psychokrieges, des intensiven Einsatzes von Agitation und Propaganda, die über Rundfunk, Fernsehen und Printmedien unterschiedlicher Sortierung der am Ost-Westkonflikt beteiligten Akteure virtuos instrumentalisiert wurden.

 

Vor diesem psychopolitischen Hintergrund gibt es immer noch „Kriegsschauplätze“, die einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind.

Hierzu gehört insbesondere der sog „Psychokrieg“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der SBZ, bzw. der DDR, der vor allem in der Zeit von 1962 bis 1972 für die Truppen der Psychologischen Kampfführung (PSK-Truppe) der  Bundeswehr ein zentraler Auftrag war.

 

Der Vortrag von Professor Dr. Buchbender, der dieses reizvolle Thema zum ersten Mal in dieser Form einer breiteren Öffentlichkeit vorstellte, stieß auf ein hohes Interesse der Zuhörer und verdeutlichte eindrucksvoll die Bedeutung dieses Thema im Kontext der Bundeswehrgeschichte.

 

                                                       Bild:Vortrag von Prof.Dr. Buchbender

Der geschilderte „Kriegschauplatz ohne scharfen Schuss“, der mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der psychologischen Beeinflussung erfolgte, wurde bezüglich der Aktionen der PSK-Truppe von der westdeutschen Öffentlichkeit weitgehend geheim gehalten. Erst am 13. Mai 1965 gab der damalige Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel vor dem Deutschen Bundestag eine Erklärung ab: „Für die Flugblattpropaganda-Ballonaktionen an der Demarkationslinie zur SBZ übernimmt das BMVg die Verantwortlichkeit, soweit die Bundeswehr dabei beteiligt ist“. In der Folgezeit geriet die PSK-Truppe, ab 1970 in PSV-Truppe umbenannt, immer stärker in den Fokus der Medien und der Öffentlichkeit: aus der Psychologischen Kampfführung wurde im Zuge der beginnenden Entspannungspolitik „Psychologische Verteidigung“.

 

Eine der wesentlichen Aufgaben der PSK-Truppe in der Zeit von 1962 bis 1972 war der Auftrag, „dazu beizutragen, den Menschen im Herrschaftsbereich der Sowjets die „Wahrheit über die Lebensverhältnisse in der freien Welt zu vermitteln“ und dabei auf die kommunistische Agitation und Propaganda in die bewaffneten Kräfte der SBZ einzuwirken“.

 

Konkret: um diesen sog. Informationsauftrag auszuführen, verbrachte die PSK/PSV-Truppe mit Ballons Flugblättern, Flugzeitungen und Bücher in die DDR. Die Erfahrungen aus den Balloneinsätzen, die von der Republik China (TAIWAN) 17 Jahre lang gegen die Volksrepublik China gerichtet waren, und über 100 Millionen Ballons mit ca. 213 Millionen Flugschriften einsetzten, konnten mit  Gewinn genutzt werden.

Unter den Flugerzeugnissen, die in Massen mit Ballons in Richtung Osten flogen, waren die beiden Flugblattzeitungen „Volksarmee“ und die „Mitteldeutsche Arbeiterzeitung“ der Schwerpunkt der geistigen Auseinandersetzung. Die „Volksarmee“ erschien ab Oktober 1960 in 37 Ausgaben mit einer jeweiligen Auflagenhöhe von 500 000 Exemplaren;

die „Mitteldeutsche Arbeiterzeitung“ ab 1962 in 26 Ausgaben.

 

Flugblätter, die sich speziell an die Grenztruppen der DDR wandten, forderten die Soldaten auf, nicht auf Flüchtlinge zu schießen! Zu diesem Zweck wurde eine sog. „Zielfehlerkarte“ entwickelt, die entsprechende Tipps zum Danebenschießen enthielt.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Sozialbeziehungen (DGfSB), die ihren Sitz in Bonn hatte, betreute NVA-Angehörige, die sich aus der DDR abgesetzt hatten: von 1960 bis August 1962 flüchteten 536 Angehörige der NVA in den Westen, von denen 36 Prozent wieder in die DDR zurückkehrten, weil sie zu große Probleme in ihrer neuen Umgebung hatten. Sie wurden in der Regel zu Freiheitsstrafen zwischen vier und 15 Jahren nach Rückkehr verurteilt. Um dies grundlegend zu ändern, wurde in Zukunft jeder Fahnenflüchtige aus der DDR speziell von der DGfSB betreut. Damit sank die Rückkehrquote auf Null. Insgesamt flüchteten von 1963 bis 1990 aus der DDR  2064 Soldaten:

63 Offiziere, 532 Unteroffiziere und 1469 Mannschaften.

 

Mit der Zeit verlegte sich der Schwerpunkt der Informationseinsätze der Bundeswehr auf die Präsentation der Systemüberlegenheit der Bundesrepublik Deutschland, indem in den Flugzeitungen Supermarktpreise und immer wieder  eine spezielle Gebrauchtwagenbörse abgedruckt wurden. Die zahlreichen Rückmeldungen von Lesern aus der DDR an eine Deckadresse in der Bundesrepublik verdeutlichte den Wert dieser Informationen.

 

Die Erkenntnis, dass die Vermittlung von „Wirklichkeit“ langfristig der stärkste emotionale Trumpf im Skat der psychologischen Auseinandersetzung darstellt, ist inzwischen ein Axiom psychologischer Operationen  in den globalen Kriegs- und Krisengebieten. der heutigen Zeit geworden. Die aktuellen Balloneinsätze von Südkorea nach Nordkorea zur Zeit sind ein eindrucksvoller Beleg für die Wirksamkeit dieser Maßnahme.

 

Mit den Bahr-Kohl-Abkommen (Transitabkommen) im Jahre 1972, der ersten deutsch-deutschen Vereinbarung auf Regierungsebene, wurden auf Seiten der Bundeswehr alle Ballon-Operationen eingestellt. Dafür schaltete die DDR ihre beiden Propagandasender, den Freiheitssender 904 und den Soldatensender 935, ab.

 

Professor Buchbender begann seinen hochinteressanten Vortrag mit einer Fernsehdokumentation im Auftrag des MDR in der er selbst mitwirkte. Gerade hier zeigte sich, wie hoch die Abhängigkeit der Propagandisten im Osten von den politischen Vorgaben war. Trotz eines guten Musikprogramms konnten beide Sender in ihren politischen Kommentaren ihre Zielgruppen u.a. in der Bundeswehr selbst, nicht erreichen. Die Kluft zwischen dem ideologischem Anspruch und der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit war zu groß. Sie sollte schließlich viele Jahre später, im Jahre 1990, zum Zusammenbruch der DDR führen. Als am 26. Dezember 1991 die rote Fahne mit Hammer und Sichel über dem Kreml eingeholt wurde, war dies das Ende der Sowjetunion: der Kalte Krieg war endgültig beendet.  

Bild:Links Prof.Dr.Buchbender                                                      Rechts:KL d.R. Andreas Baasner

Eine Fortsetzung dieser Veranstaltung – auf der erstmalig Vertreter beider Seiten in der Form zu Wort kommen sollen – ist für Oktober dieses Jahres vorgesehen.

 

 

Andreas Baasner

KL d.R

Stv. Landesvorsitzender Berlin

Verwandte Artikel

DIE LANDESGESCHÄFTSSTELLE TEILT ÜBER DIE GESCHÄFTSSTELLE MÜNSTER EINE STELLENAUSSCHREIBUNG MIT

Sehr geehrte Kameradinnen, sehr geehrte Kameraden, Die Landesgeschäftsstelle teilt über die Geschäftsstelle Münster folgende Stellenausschreibung mit:       E-Mail:...

09.12.2022 Von Frank Wiatrak

DIE GESCHÄFTSSTELLE MÜNSTER - OBERSTLEUTNANT d.R. THORSTEN TSCHÖKE TEILT MIT

Sehr geehrte Kameradinnen, sehr geehrte Kameraden, Die Geschäftsstelle Münster teilt mit: Sehr geehrte Damen und Herren, FwRes Münster, StFw Peter...

09.12.2022 Von Frank Wiatrak

Reservistenkameradschaft (RK) Cuxhaven veranstaltete erstmalig mehrtägige Fahrt

Mitglieder der RK Cuxhaven haben eine mehrtägige sicherheitspolitische Fahrt nach Thüringen unternommen. Hauptthema waren Gedenkstätten der Zwangsarbeit in Konzentrationslagern (KZ)....

09.12.2022 Von Manuela Tönies