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Berlin – Landesgruppe mit starken Wurzeln!




Berlin – Landesgruppe mit starken Wurzeln!

von Björn Stahlhut
20 Jahre Landesgruppe Berlin des Reservistenverbandes, aber schon 47 Jahre Reservistenverband in Berlin. Die Landesgruppe Berlin steht heute, mehr als 20 Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und mehr als 10 Jahre nach der Entscheidung des Deutschen Bundestages, dass Berlin Hauptstadt Gesamtdeutschlands werden solle, so gut dar, wie selten zuvor.
Fast 1.700 Reservistinnen und Reservisten organisieren sich in 18 Kameradschaften und erfüllen ihren Auftrag als Mittler der Bundeswehr in die Gesellschaft. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften steigern ihre militärischen Fähigkeiten bei gemeinsamen Übungsplatzaufenthalten, genauso wie bei Marschteilnahmen und sportlichen Wettbewerben.
Und natürlich wird, den besonderen Rahmenbedingungen der Hauptstadt Rechnung tragend, ein Schwerpunkt auf die sicherheitspolitische Arbeit gelegt. Hochrangige Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft folgen immer wieder gerne der Einladung der Landesgruppe Berlin. Die Berliner Reservistinnen und Reservisten arbeiten bei einer Vielzahl von Projekten und Aufträgen Hand in Hand mit den aktiven Soldatinnen und Soldaten. Dies ist nur durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Berliner Standortkommando möglich. Ohne diese vertrauensvolle Zusammenarbeit auf allen Ebenen wären gemeinsame Einsätze, wie beim Feierlichen Gelöbnis am 20. Juli, beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung oder am Volkstrauertag kaum vorstellbar. Und das Standortkommando Berlin weiß, dass es sich auf seine Reservistinnen und Reservisten verlassen kann.
Gerade für die jüngere Generation ist alles dies im zwanzigsten Jahr der Einheit Normalität. Junge Wehrpflichtige aus allen Teilen Deutschlands leisten, wie selbstverständlich, ihren Wehrdienst in Berlin ab. Einige von Ihnen bleiben Berlin als Reservist verbunden oder finden beruflich Jahre nach ihrem Wehrdienst wieder den Weg nach Berlin zurück und treten einer der 17 Kameradschaften bei.
Und doch war und ist Reservist sein in Berlin immer etwas Besonderes. Vor allem in den Jahren vor 1989 bewegte man sich als Reservist in Berlin immer an der Grenze zur Illegalität.
Dies hatte mit dem besonderen Status von Berlin nach 1945 zu tun. Von Anfang an war Berlin keiner der vier Besatzungszonen zugeordnet und sollte von allen vier Besatzungsmächten gemeinsam verwaltet werden. Zu diesem Zweck wurde es intern in vier Sektoren aufgeteilt.
Berlin sollte aber nach dem Willen der Siegermächte weder der umschließenden DDR noch dem westlichen Teil der Bundesrepublik zugeordnet werden. Mit der Verfestigung der Zweistaatlichkeit Deutschlands, die ihren Höhepunkt mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 erreichte, vereinnahmte die DDR den Ostteil
Berlins immer stärker. „Berlin – Hauptstadt der DDR“ war bis zur politischen Wende der Jahre 1989/1990 die selbstbewusste Bezeichnung des Ostteils der Stadt.
Der Westteil der Stadt wurde von der Bundesrepublik zwar als Bundesland behandelt, die formelle Trennung wurde jedoch weiterhin beachtet.
Dennoch führte der Bau der Berliner Mauer auch in Westdeutschland zu nachhaltigen Veränderungen. Nachdem im Heer erst im August 1958 die „Alarmreserve“ geschaffen wurde, um Truppenteile schneller mit Reservisten auffüllen zu können, änderte sich die Lage der Reservisten nun schlagartig. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer ordnete für die Grundwehrdienstpflichtigen eine anschließende Wehrübung von drei Monaten an. Damit bestand zum Beispiel das damalige Heer auf einen Schlag zu mehr als 10 Prozent aus Reservisten. Durch diese Verschärfung der Lage erhielten Wehrübungen und Maßnahmen für eine Mobilmachung höhere Priorität. Somit war schon Ende der 60er Jahre die Integration von Reservisten im Tagesdienst und von gekaderten Truppenteilen bei Übungen erforderlich und gehörte zum normalen Dienstablauf.
In diese politische und militärische Lage hinein fanden sich ab 1964 in der Bundeswehr gediente Westberliner unregelmäßig im Westteil der damals geteilten Stadt zusammen, um freiwillige Reservistenarbeit zu leisten. Vorläufiger Zweck der gemeinsamen Treffen war es, Erfahrungen und Erinnerungen an den gerade zuvor erlebten Wehrdienst auszutauschen. So fanden Männer zusammen, die freiwillig
längere Zeit in der Bundeswehr gedient oder als Angehörige der früheren deutschen
Wehrmacht eine Wehrübung abgeleistet hatten. Zwei Männer der ersten Stunde, die sich von jenem spannungsgeladenen Zustand der Bevölkerung wenig beeindrucken
ließen und zunächst unabhängig voneinander um ein allmähliches Zusammenfinden von Reservisten bemühten, waren Hptm d. Res Willi Zabel und OGefr. d. Res. Klaus Pinz. Sie waren somit die Keimzelle der Reservisten der deutschen Bundeswehr in Berlin.
Am 01. August 1963, nachdem beide etwa ein Dutzend Reservisten gefunden hatten, die ein ernsthaftes Interesse an weiteren Zusammenkünften bekundet hatten, wurde dieser Kreis als Einzelmitglied „B“ unter der Mitgliedsnummer „Bn“ in den Verband der Reservisten der deutschen Bundeswehr aufgenommen und der Landesgruppe Niedersachsen zur Betreuung zugeteilt.
Was heute ein selbstverständlicher Auftrag der Berliner Landesgruppe ist, war damals nämlich mit dem Makel der Illegalität behaftet. So mussten auf Westberliner Territorium alle militärischen Aktivitäten, die heute so nachdrücklich gefördert werden, wie Patrouillen, Militärsport oder Schießen mit Handwaffen, ausdrücklich unterbleiben und konnten nur in Westdeutschland durchgeführt werden. „Das bedeutete immer mindestens 200 Kilometer einfache Fahrstrecke, wenn wir üben oder schießen wollten!“, erinnert sich OGefr. d. Res. Klaus Pinz. Da wundert es kaum, dass bis zur Wiedervereinigung ein großer Teil der Berliner Reservisten von der Kreisgruppe Lüneburg des Reservistenverbandes betreut wurde.
Erst etwa drei Jahre später, am 23. April 1966 entschied der seinerzeit amtierende Verbandspräsident, Brigadegeneral a.D./d.R. Stephanus in Bonn, dass die als Einzelmitglieder in den Verband aufgenommenen Berliner Reservisten in Berlin unter dem Namen „RK Berlin“ nunmehr auch formell eine ordentliche Verbandsgliederung bilden sollten.
Der Name „RK Berlin“ wurde gewählt, und auf etwaige militärische Zusätze wurde verzichtet, um keiner Person oder Stelle in Berlin oder im Bundesgebiet eine Angriffsfläche in irgendeiner Form im Hinblick auf den entmilitarisierten Status Berlins zu bieten. In einer Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der ersten Berliner Reservistenkameradschaft im Jahre 1989 erinnerte der 2007 verstorbene langjährige Vorsitzende, Herr Oberst d. Res. Heinz Kurzer an die Leitlinien der ersten Zeit: „ Von lautstarker Öffentlichkeitsarbeit sollte abgesehen und der Mitgliederbestand auf einer überschaubaren und damit beschränkten Zahl gehalten werden“, schrieb Kurzer damals.

Obwohl jegliche militärischen Aktivitäten der damaligen Zeit weiterhin auf westdeutschem Boden zu absolvieren waren, zeigten politische Entscheidungen durchaus Wirkung. Insbesondere das Inkrafttreten des Vier-Mächte-Abkommens über Berlin im Jahre 1972 unter Bundeskanzler Willy Brandt führte dazu, dass mit der anerkannten Präsenz des Bundes in Berlin nunmehr auch keine weiteren Zweifel an der Präsenz des Verbandes und der RK Berlin erhoben wurden.
Die RK Berlin nahm ab diesem Zeitpunkt an möglichst vielen Veranstaltungen des Verbandes im Bundesgebiet und an anderer Stelle teil, um jeweils mit fünf bis zehn Reservisten die eigene Existenz deutlich darzustellen. Mit ihren Aktivitäten erwuchs der RK auch eine Art Symbolfunktion für Berlin, zumal die DDR Ende der 70er Jahre mit der Aufhebung der Passkontrollen zwischen der DDR und Ost-Berlin und schließlich mit der Einführung des Faches „Wehrunterricht“ in den 9. und 10. Klassen ihrer allgemeinbildenden polytechnischen Oberschulen der Konfrontation der beiden deutschen Staaten weitere Mosaiksteine hinzufügte.
Dennoch wurden in Berlin dauerhafte Kontakte zu Verbänden gleicher oder ähnlicher Ausrichtung geknüpft. So wurde u.a. der intensive Dialog mit der Gesellschaft für Wehrkunde (GfW), dem Marine Bund (MB), dem Ring deutscher Soldatenverbände (RDS), dem Verband deutscher Soldaten (VdS) und dem Luftwaffenring (LR) aufgenommen. Selbst die Polizei und die alliierten Einheiten in Spandau, Reinickendorf und Heiligensee ermöglichten der RK Berlin in kleinem Rahmen und auf der untersten Ebene erste Verbindungsaufnahmen. „Einem offiziellen Dialog standen aber offenbar noch einige Hindernisse im Zusammenhang mit dem Status Berlins entgegen“, erinnern sich Kameraden von damals.Zum Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre spitzte sich auch die politische Lage in Europa wieder zu. Die Konfrontation der beiden Militärblöcke, NATO und Warschauer Pakt, erreichte im Zusammenhang mit der Stationierung von SS-20-Mittelstreckenraketen seit 1976 und im Gegenzug der Nachstationierung von Pershing 2-Raketen einen vorläufigen Höhepunkt. Die Auswirkungen des sogenannten „NATO-Doppelbeschlusses“ vom 12. Dezember 1979 waren auch in der schärfer werdenden Rhetorik der Regierung in Ost-Berlin zu spüren. So forderte der damalige DDR-Verteidigungsminister Heinz Hoffmann Anfang der 80er Jahre von NVA-Soldaten, man habe „das Feindbild noch realistischer und überzeugender zu zeichnen, vor allem, um Illusionen über die BRD und die Bundeswehr, über deren Rolle in der NATO, ihre expansionistische und militaristische Militärpolitik abzubauen, bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.“ Er führte weiterhin aus, das die „richtige Einsicht“ zu vertiefen sei, „dass die Politik der Regierung und der herrschenden Konzerne eines imperialistischen Landes stets kapitalistische Klassenpolitik bleibt, unversöhnlich im Hass und in der Feindschaft gegenüber dem Sozialismus.“ Er schloss seine Ausführungen mit der bildhaften Bemerkung „Der Wolf bleibt ein Wolf, da mag er noch so viel Kreide schlucken!“ Als sich am 12. Januar 1984 etwa ein Dutzend, mehrheitlich im Polizeidienst stehende, Angehörige der bereits seit 1964 bestehenden RK Berlin entschlossen, eine eigene, zweite Reservistenkameradschaft in Spandau zu gründen, sah das Gesicht des europäischen Kontinents also noch ganz anders aus als heute.
Sicherheitspolitik und Streitkräfte waren auf den allgegenwärtigen Ost-West-Konflikt ausgerichtet, Deutschland und auch Berlin waren immer noch geteilt und somit waren auch weiterhin die Grundlagen für die Reservistenarbeit anders als heute. Die vorläufig unter dem Namen „Reservistenarbeitsgemeinschaft Polizei Berlin“ firmierende zweite Berliner RK legte als regelmäßiges Versammlungslokal den Ort ihrer Gründung, die Kantine der Polizeikaserne Ruhleben, fest. Die Betreuung oblag auch hier der Kreisgruppe Lüneburg des Reservistenverbandes. Offiziell wurde zum Jahreswechsel 1984/85 die Bezeichnung in „Reservistenkameradschaft Berlin 2“ geändert. Im Herbst 1985, anlässlich des 50. Regimentsgründungstages, wurde schließlich die Patenschaft mit dem Traditionsverband des ehemaligen InfRgt 67 besiegelt und die Bezeichnung der zweiten Berliner RK um die militärische Bezeichnung „Infanterie-Regiment 67“ ergänzt. Seitdem wird der auch heute noch gültige Name „Reservistenkameradschaft Berlin 02 Infanterie-Regiment 67“ geführt. Dass solche militärischen Bezeichnungen selbstbewußt auch in Berlin getragen wurden und Patenschaftsbeziehungen zu Traditionsverbänden aufgenommen werden konnten, hatte nicht zuletzt mit den ersten Anzeichen einer  beginnenden Entspannung in der Folge der Perestroika-Politik Michail Gorbatschows zu tun. An eine vollständige Normalisierung der Rahmenbedingungen für Reservisten in Berlin war aber noch lange nicht zu denken. Denn das Eis in Moskau war zwar gebrochen, aber die militärischen Fakten und die politischen Bestimmungen für das geteilte Deutschland und damit auch für Berlin blieben zunächst unverändert.  Dennoch konnten die gesamtwirtschaftlichen Probleme der Ost-Berliner Regierung seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr ohne Auswirkungen auf die NVA bleiben. Bis zu 55.000 Soldaten mußten von nun an in den Betrieben eingesetzt werden, während die Truppe nach wie vor in 85prozentiger Bereitschaft gehalten wurde. Für die NVA-Soldaten wurde erkennbar, dass die hohe Bereitschaftsanforderung bei gleichzeitiger Abwesenheit eines spürbaren Teils der Soldaten militärisch kaum sinnvoll war. Die Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der ersten Berliner Reservistenkameradschaft schloß der langjährige Vorsitzende, Herr Oberst d. Res. Heinz Kurzer, im Juli 1989 mit einigen optimistischen Gedanken an die Zukunft der RK, die mit der politischen Situation Berlins eng verbunden waren. Wie Recht er mit seinem Optimismus haben sollte, erwies sich am 10. September 1989, als die ungarische Regierung 6.000 Deutschen die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland gewährte. Das vordergründig perfekte, nach Westen fast unüberwindbare Sperrsystem war für die Deutschen in der DDR über ein Land im Osten geöffnet worden und damit nicht mehr zu schließen oder zu reparieren. Damit war innerhalb weniger Wochen ein derartiger politischer Umbruch vollzogen, der mit einem Schlage auch die Hoffnungen für ein weiteres Leben der beiden Berliner Reservistenkameradschaften in Normalität erfüllte. Mit dem Fall der sich durch Deutschland ziehenden Grenze am 09. November 1989 war dann die Grundlage der Vereinigung gegeben. „Unbeschreiblich schön“ nennen viele Berliner Reservisten das Gefühl, als sie, anlässlich einer Wehrübung in Westdeutschland, das erste Mal in Uniform „nach Hause“ fahren konnten. 26 Jahre nach der Gründung der RK Berlin waren auch die Berliner Reservisten in Berlin zum militärischen Alltag zurückgekehrt und haben ihre Stadt in vielfältiger Weise bereichert. Als „Reservisten der Einheit“ leisten sie bis heute einen entscheidenden Beitrag zum Zusammenwachsen von Ost und West. 
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