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Landesgruppe Berlin

Den Übergang aktiv mitgestalten.




Den Übergang aktiv mitgestalten.
 
Constanze und Ulf-Dietrich Otto sind zwei Urgesteine der Landesgruppe Berlin. Seit 1992 gestaltet das Ehepaar den Auf- und Ausbau der Landesgruppe in diversen Ämtern und auf verschiedenen Ebenen mit. Für ihr herausragendes Engagement sind Ulf-Dietrich und Constanze Otto kürzlich mit der Ehrennadel in Gold (Bund) bzw. der Landesanerkennungsnadel in Gold ausgezeichnet worden. Die nächste Amtszeit des neu zu wählenden Landesvorstands sehen sie als Phase eines „fließenden Übergangs“, durch den neue, jüngere Mitglieder in Führungsaufgaben  aufgebaut und eingegliedert werden müssen. Diesen Übergang wollen beide aktiv mit gestalten.
 
 „Selbstlos eine Aufgabe übernehmen und diese dann auch ausführen“. Das ist für den Diplom-Kaufmann Ulf-Dietrich Otto das wichtigste Kriterium für ein Engagement in leitenden Positionen der Landesgruppe. „Nicht nur einen Titel führen, sondern sich um die Aufgaben kümmern“, setzt er hinzu und lässt damit zwischen den Zeilen durchaus beabsichtigt Kritik erkennen. Dieses „preußische“ Selbstverständnis nehmen Ulf-Dietrich und seine Frau Constanze Otto, Studienrätin, nicht nur theoretisch in Anspruch, sondern setzen es durch ihr sichtbares Engagement in die Praxis um. Seit 24 Jahren ist Ulf-Dietrich Otto bereits Mitglied bei den Berliner Reservisten. Seine zahlreichen Ämter, Aufgaben und Einsätze sind in ihrer Fülle gar nicht zu fassen. Lange Jahre engagierte er sich in der RK 02, für die er noch heute aktiv arbeitet, leitet ab 1994 diverse Reservistenarbeitsgemeinschaften (RAG Schießsport und RAG Technik), engagiert sich im Rahmen der Kriegsgräberpflege besonders für die Aussöhnung und Freundschaft mit der jüdischen Gemeinde in Berlin, ist seit 1998 Mitglied des Landesvorstandes und eben so lange bereits Landesschatzmeister. Darüber hinaus hat der heute 76-Jährige bis 2009 regelmäßig an den militärischen Ausbildungen der Landesgruppe teilgenommen, hat 15-mal das „Leistungsabzeichen in Gold“ abgelegt und mehrfach die „Schützenschnur in Gold“ geschossen. Danach verlegte der Gefreite d.R. sein Engagement mehr auf Organisation, Durchführung und Unterstützung von Aktivitäten und Veranstaltungen des Verbandes, wie etwa den „Tag der Reservisten“, den „Volkstrauertag“ oder den „Kladower Christkindlmarkt“. Jahrelang hat er auch den Ausschank in der legendären „Bar der RK 02“ geleitet. Dieses Engagement wäre natürlich nicht denkbar ohne die Unterstützung seiner Frau Constanze, die ihrerseits selbst ihren „Mann“ steht.
 
Doch als Frau war ihr bis 2001 eine vollwertige Mitgliedschaft im Reservistenverband nicht möglich. Als „RK-Dame“ war sie dennoch seit 1992 bei allen Veranstaltungen dabei, bei denen die Kameradschaft Frauen zugelassen hatte. Erst neun Jahre später veränderte sich aufgrund einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht die rechtliche Lage; fortan mussten die Bundeswehr und der Reservistenverband Frauen in ihren Reihen aufnehmen. Natürlich war die heute 65-Jährige eine der ersten Frauen in Berlin, die in den Verband eintrat und von Anfang an bei Ausbildungen, Übungen und Verbandsveranstaltungen dabei war und diese nach Kräften unterstützte. Wie ihr Mann legte auch sie mehrmals – 5-mal – das Leistungsabzeichen in Gold ab, schoss die „goldene Schützenschnur“, nahm an mehreren Märschen teil und übernahm leitende Funktionen in den Arbeitsgemeinschaften; seit 2012 ist sie als Schriftführerin ebenfalls Mitglied des Landesvorstandes.
 
Soldaten zweiter Klasse wollten beide niemals sein. So bald wie möglich durchliefen beide mehrere Informations-Wehrübungen (ab 2005 InfoDVag) der Bundeswehr, die „ungediente Zivilisten“ in den Status eines Soldaten bzw. eines ordentlichen Reservisten überführen. Bei Heer, Luftwaffe, Marine und Streitkräftebasis, in der Panzertruppenschule in Munster, der Infanterieschule in Hammelburg, in Roth, in Garlstedt, in Mürwik und selbst in der Winterkampfschule in Mittenwald erlernten sie das „soldatische Handwerkszeug“. Zusätzlich hat Ulf-Dietrich bei Lehrgängen die ATNATN Sicherungssoldat, Kraftfahrer, Ersthelfer und Scharfschütze (G 3) erworben.
Nur ihr Beruf und weitere Verpflichtungen hielten beide von einer Beorderung bei der Bundeswehr ab.
Ganz fremd war Ulf-Dietrich Otto diese „kasernierte“ Welt nämlich nicht. Seit 1976 diente er in der „Freiwilligen Polizeireserve“ (FPR), stieg dort über den Gruppenführer zum Zugführer und schließlich zum Hundertschaftsführer der 204. Hundertschaft auf. Die FPR (später FPD) wurde 1961 in Berlin (West) als Reaktion zur Einführung der „Betriebskampfgruppen“ in der DDR aufgestellt. Die Mitglieder der FPR sollten bei politisch inszenierten Unruhen oder bei einem Angriff auf West-Berlin zur Entlastung der regulären Polizei zum Einsatz kommen. Die Erstausbildung betrug zwei Wochen, bei der die Grundfertigkeiten des Bewegens in Formation und im Gelände, Marsch- und Nachtübungen, Waffengebrauchsbestimmungen für Schlagstock, Knebelkette, sowie Waffenausbildung an diversen Handfeuerwaffen ausgebildet wurde.  Nach der Erstausbildung wurden die Polizeireservisten jährlich zweimal für eine Woche zur Dienstleistung herangezogen. Bei den Heranziehungen zur Dienstleistung erfolgten die Weiterbildung und die Einsätze in geschlossenen Einheiten und als Einzeleinsätze auf den Polizeiabschnitten. 2003 wurde die FPR aufgelöst.
 
Besonders zwei Themenschwerpunkte scheinen den beiden besonders am Herzen zu liegen.
Der Einsatz im Rahmen der Kriegsgräberfürsorge ist vor allem für Ulf-Dietrich Otto ein Einsatz für die „Versöhnung über den Gräbern“. Mit Leidenschaft klärt er über die geschichtlichen Hintergründe der jüdischen Friedhöfe in Berlin auf, berichtet über die Gräber der deutsch-jüdischen Soldaten auf dem „Friedhof Weißensee“. Hier spricht einer, dem die Aussöhnung mit den Juden eine Herzensangelegenheit ist, der die Jugend für dieses Engagement gewinnen will. Der Erfolg gibt ihm recht! Seit 2005 pflegen die Berliner Landesgruppe und die Jüdischen Gemeinden in Berlin ein außerordentlich gutes Verhältnis. Der Höhepunkt bislang war der Einsatz im Rahmen der „Maccabi-Games 2015“ in Berlin. Ein unvergessliches Erlebnis deutsch-jüdischer Freundschaft. Unisono wurden die Reservisten in der deutschen Uniform mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Bewegt berichtet Ulf-Dietrich Otto noch heute von jüdischen Teilnehmern der „Maccabi-Games“, die zu ihm sagten: „Schön, dass ihr dabei seid und für unsere Sicherheit sorgt!“
 
Die zweite große Leidenschaft des Reservistenpaares heißt Schießsport. Seit 1994 leitet der Gefreite d.R. die „RAG Schießsport“ der Landesgruppe Berlin, seit 1998 ist er Landesschießsport-Verantwortlicher in der Berliner Landesgruppe. Seine Frau Constanze trat 2001 in die RAG ein und wurde sofort zur Schriftführerin gewählt. Bis heute haben beide diese Ämter inne. Matrose d.R. Constanze Otto ist seit 2013 auch stellvertretende Landesschießsport-Verantwortliche. Über die Jahre konnten sie mit ihrem Team zahlreiche gute Verbindungen zu anderen Landesgruppen herstellen, mit denen sie gemeinsame Schießsportveranstaltungen durchführen. 2002 und 2008 führte Berlin auch  die Bundesmeisterschaften durch. Aufgrund lokaler Probleme hat die RAG zwar momentan mit den Schießsportanlagen in Berlin ihre „liebe Not“, kann jedoch noch immer sieben Termine pro Monat anbieten. Geschossen werden u.a. die „zivilen Ausführungen“ der Pistole P8 und des Gewehrs G36; seit 2015 wird nach der neuen Schießsportordnung „Einsatzbezogenes Schießen“ als statische Übung durchgeführt, die sich stark an das „neue Schießausbildungskonzept“ der Bundeswehr anlehnt. Besonders wichtig ist Ottos der von der Bundeswehr zugedachte Auftrag. In der RAG sollen die Grundbegriffe und Grundfertigkeiten des Schießens nach Bundeswehrstandard vermittelt werden, sodass die jungen Soldaten ohne Schwierigkeiten die Voraussetzungen erfüllen, die die Bundeswehr im Rahmen des Schießens vorschreibt. Die RAG als Partner und Unterstützer der Bundeswehr; beispielhaft für die Arbeit und die künftige Schwerpunktsetzung des Verbandes.
 
„Der Verband und damit auch die Landesgruppe müssen noch mehr als bislang die Bundeswehr unterstützen und entlasten, damit die Bundeswehr wieder in die Lage versetzt wird, ihre eigentlichen Aufgaben zu übernehmen“, so Ulf-Dietrich Otto. Der Verband soll sich als starker Partner der Bundeswehr so weit etablieren, Ausbildungen zu übernehmen, die nicht zwingend von der Bundeswehr durchgeführt werden müssen. Beispiele gäbe es genug: im Rahmen der IGF/KLF–Ausbildung, des Militärsports, der Schieß(vor)ausbildung und andere mehr.  Auch Aufträge könnten zunehmend von Reservisten übernommen werden, wie es etwa momentan in der Flüchtlingshilfe geschieht. Die Reservisten müssen sich als DER starke Partner an der Seite der Bundeswehr profilieren; Politik und Militär sensibilisieren, was machbar ist.
 
Für diesen weiteren Auf- und Ausbau bedarf es für die nächsten Jahre einen Landesvorstand, der einen Wechsel einleitet und durchführt. Es müssen jüngere Leute „mit ins Boot genommen werden“, so Ulf-Dietrich Otto, „man muss sie fördern, und zwar so fördern, dass sie eines Tages nahtlos die Aufgaben übernehmen können.“ Das gelte für alle Ebenen, von der RK bis hin zum Landesvorstand. Die Nachfolger müssten jedoch in die Aufgaben rein wachsen, und keine eigenen Zwecke und Ziele verfolgen. „Wir müssen jüngere, neue Kameraden rein ziehen, aber nicht nur rein wählen. Das funktioniert nicht. Es braucht eine fließende Übergangsphase.“ Die nun eingeleitet werden muss.
Dabei sei es wichtig, dass sich auch der Vorstand mehr vernetzt, mehr untereinander redet, nicht nur einmal im Monat, so Constanze Otto. Diese notwendige Phase des Übergangs aktiv einleiten und in den kommenden Jahren gestalten – auf allen Ebenen. Das ist die erklärte Absicht der beiden Landesvorstandsmitglieder. „Unser Ziel ist, dass der Reservistenverband erhalten bleibt. Darum sitzen wir auch hier!“, so Ulf-Dietrich Otto – preußisch klar, wie immer!
Ralph Erlmeier


 
Ein Leben für den Reservistenverband. Das Ehepaar Otto.

Freut sich über die Auszeichnung und Anerkennung. Gefreiter d.R. Ulf-Dietrich Otto mit Brigadegeneral Michael Matz.

Eine Herzensangelegenheit! „Versöhnung über den Gräbern“. Ulf-Dietrich und Constanze Otto bei der Kriegsgräberpflege mit anderen Kameraden auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee.

Bilder und Bildunterschriften (Ralph Erlmeier)

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