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„Die Ebola-Krise muss einen Schub auslösen!“




„Die Ebola-Krise muss einen Schub auslösen!“

Anlässlich eines „Sicherheitspolitischen Fachgespräches“, das Anfang März im Auswärtigen Amt stattgefunden hat, berichtete der Ebola-Sonderbeauftragter der Bundesregierung, Walter Lindner, über den deutschen Beitrag im Kampf gegen die Epidemie und liefert dabei überraschende Einsichten in die Arbeit des Krisenmanagements.
 „Ohne mehr direkte Hilfe von Ihrer Regierung werden wir diese Schlacht gegen Ebola verlieren“, warnte im September 2014 die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf in ihrem Brand-Brief an Bundeskanzlerin Angelika Merkel. Die Botschaft kam an:  ab sofort wurde die Epidemie im vergessenen Armenhaus Afrikas zur Chefsache erklärt. War bis dahin die politische Wahrnehmung überlagert von den aktuellen großen Krisen Gaza, Ukraine und ISIS, rückten nun Dimension und Gefahr dieser grassierenden Seuche in den Fokus der Politik
Anfang Oktober 2014 begann Botschafter Walter Lindner im Auftrag der Bundesregierung, den Kampf gegen Ebola zu organisieren. Anfangs war er vom Umfang der Aufgabe überwältigt: „Die Dimension des Ganzen war einzigartig und ungeheuer komplex. Dafür gab es bislang noch keine Blaupause!“. Die Einrichtung einer „TaskForce“, die die Kompetenz von insgesamt sieben Ministerien und des Bundeskanzleramts verknüpft, war absolutes Neuland. Deren Kerngruppe besteht aus acht Vertretern des „Deutschen Roten Kreuzes“, des „Technischen Hilfswerkes“, der Bundeswehr und des Auswärtigen Amtes und trifft sich jeden Morgen zur Lagebesprechung. Lindner betont den Modell-charakter dieser „TaskForce“:  Aufbau, Vorgehensweise und Zielbestimmung seien ebenso zukunfts-weisend wie die Aufgabengliederung in Früherkennung, Krisenbewältigung und Nachbereitung.
Das mediale Echo im Herbst 2014 war desaströs. Nicht nur die Bundesregierung, alle Regierungen weltweit hätten auf die Krise zu spät reagiert. „Die Hälfte meiner Arbeit ist deshalb Medienarbeit“, gibt Lindner zu Bedenken. Dabei sei es wichtig, „vor der Welle zu segeln, nicht in die Defensive zu geraten“ und fügt hinzu: „Bluff hilft da nichts, man muss Substanz liefern“. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der Authentizität: wenn man über die Ebola-Epidemie sprechen will, muss man auch Ahnung haben. Wichtig waren deshalb von Anfang an die Reisen; in den Monaten Oktober 2014 bis März 2015 flog der Botschafter bereits sechs Mal in die Region. „Ich wollte immer sehen, was bedeutet Ebola wirklich. Deshalb gehe ich mitten hinein, wenn es sein muss mit Schutzanzug“, bekräftigt er.   
Die Hauptgründe für den enormen Ebola-Ausbruch sieht der Sonderbeauftragte in den schlechten Gesundheitssystemen der betroffenen Länder, dem mangelnden Vertrauen der Bevölkerung in die Krankenhäuser und in deren Traditionen und Riten. Ferner waren durch Bürgerkriege die staatlichen Strukturen in zwei der drei hauptbetroffenen Länder quasi zusammengebrochen. Deshalb sei es enorm wichtig, Strukturen zu verändern und bereits jetzt den Blick in die Nach-Ebola-Ära zu richten. Daher müssen  die Länder bereits jetzt die Menschen über die Krankheit aufklären, Traditionen verändern, etwa die Feuerbestattung einführen, Antikorruptionsmechanismen aufbauen und das Vertrauen der Bevölkerung zurück gewinnen. Stabilisierung durch Sensibilisierung nennt das Lindner. An die Weltgemeinschaft appelliert er, die Länder durch Unterstützung zu stabilisieren, zu helfen, ein nachhaltig funktionierendes Gesundheitssystem aufzubauen und die Aufmerksamkeitskapazität für potentielle Krisenherde globalen Ausmaßes zu erhöhen. Die Ebola-Krise muss einen Schub auslösen!
Mit die größte Gefahr für die globalisierte Welt gehe bei einer derartigen Epidemie vom internationalen Flugverkehr aus: deshalb seien Flüge in die Krisenregion quasi eingestellt und durch eine kontrollierte Luftbrücke ersetzt worden. Hier leistet die Bundeswehr durch deren Einrichtung in die Hauptstädte der Krisenländer große Hilfe. Gleiches gelte auch für den Aufbau des Ebola Treatment Centers (ETC) in Liberias Hauptstadt Mangrovia. Mitnichten wäre das ETC zu spät gekom-men, kontert Lindner die Kritik. Das Center diene nun als ein kompetentes Schwerpunktzentrum für andere Infektionskrankheiten mit ähnlichen Symptomen, wie etwa Malaria. „Sie müssen Mut haben, umzusteuern und auf die Situation offensiv zu reagieren!“ Das ETC festige das Vertrauen der Bevöl-kerung und ist ein erster nachhaltiger Schritt zum Aufbau eines Nach-Ebola-Gesundheitssystems!

Ralph Erlmeier

(Foto: Ralph Erlmeier)

Botschafter Walter Lindner (Mitte) mit den Teilnehmern des Fachgespräches zu Ebola, das vom „Beauftragten für Sicherheitspolitik“ in der Berliner Landesgruppe, Andreas Baasner (1. Reihe links) initiierte wurde.

Ebola – Daten, Fakten, Hintergründe
Ebola(fieber) ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren hervorgerufen wird. Die Bezeichnung der Krankheit geht auf den Fluss Ebola in der heutigen Demokratischen Republik Kongo zurück, in dessen Nähe der erste allgemein bekannte große Ausbruch registriert wurde.
Das Virus wird durch direkten Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten übertragen. Deshalb sind besonders Personen anfällig, die in engem Kontakt mit Erkrankten stehen, also Familienmitglieder, Ärzte oder Pflegepersonal. Typische Anzeichen für eine Ebolaerkrankung sind starke Schwäche, Fieber, Kopf- und Hals und Muskelschmerzen, später kann es zu Erbrechen, Durchfall und Hautausschlag kommen. Je nach Virus ist die Krankheit in etwa 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich.
Der Ausbruch des Ebola-Fiebers verläuft wellenartig: seit der Entdeckung 1976 sind 23 Ausbrüche bekannt.  Seit 2014 grassiert in Westafrika die 24. und bislang größte Ebola-Epidemie, deren Entwicklung bislang nicht eingedämmt ist. Bis März 2015 sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den Krisenländern über 10.000 Personen an Ebola gestorben. Die Sterblichkeit in der aktuellen Ausbruchswelle liegt bei etwa 50%.  Die drei hauptbetroffenen Länder sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, außerdem noch Nigeria, Senegal und Mali. Außerhalb des afrikanischen Kontinents wurden Fälle in Spanien, Großbritannien und den USA diagnostiziert, wobei dort ein Patient verstorben ist. Auch in Deutschland wurden bereits Ebola-Verdachtsfälle behandelt, die sich jedoch als Fehlmeldung herausstellten.
Die Bundeswehr unterstützt das weltweite Engagement gegen die Ebola-Epidemie in West-Afrika, allen voran durch die von ihr eingerichteten Luftbrücken und das ETC (Ebola Treatment Center) in Manrovia. Bereits am 22. September hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in einem Tagesbefehl um Freiwillige aus der Bundeswehr geworben. Rund 3.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter meldeten sich daraufhin, etwa 10 % sind als geeignet identifiziert worden. Auch Reservisten aus der Landesgruppe Berlin befinden sich im Einsatz.
Nachdem zu Beginn des Jahres die Ebola Krise ihren Höhepunkt zu überwunden haben schien wurde im März 2015 wieder aus den Krisenregionen erneut die Zunahme von Ansteckungen gemeldet.
Red/wikipedia/spiegel-online/tagesschau.de

Bestechend unkonventionell – Botschafter Walter Johannes Lindner
Der 57-jährige Diplomat Walter Johannes Lindner besticht durch sein offenes und unkonventionelles Auftreten. Nach dem Abitur absolvierte er ein Musikstudium bevor er nach einer Weltreise Jura, Politik und Spanisch studierte. Nach dem Eintritt in den Diplomatischen Dienst 1988 war Lindner u.a. von 1998 bis 2001 Botschaftsrat bei der UNO in New York und von 2006 bis 2009 Botschafter in Kenia; von 2002 bis 2006 war er unter Joschka Fischer Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, leitete 2009/2010 das Krisenreaktionszentrum, bevor er bis Juni 2012 Beauftragter für die Afrika-Politik im Auswärtigen Amt wurde. Als deutscher Botschafter in Venezuela erreichte ihn schließlich die Bitte seines Pateifreundes Außenminister Frank-Walter Steinmeier, die Position des Ebola-Sonderbeauftragten zu übernehmen, die er nun seit 01. Oktober 2014 bekleidet.

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