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Ein Krieg ist nicht „vorbei“, nur weil nicht mehr gekämpft wird




Historische Filmaufnahmen berichten über Kampfmittelbeseitigung.

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Ausstellungsstücke der Ausstellung des Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow. Entschärfte Bomben.

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Mit einer 3D-Brille entfaltet die stereoskopische Fotografie ihre Wirkung.

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Ausstellungsstücke der Ausstellung des Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow. Karte mit den markierten Orten in West-Berlin, an denen Blindgänger gefunden wurden.

Bildautor: MHM Berlin/Gatow, Ralph Erlmeier

Eine sehenswerte Ausstellung zeigt den Bombenkrieg und seine Langzeitfolgen

Berlin und Brandenburg sind besonders betroffen. Regelmäßig werden Straßensperrungen und Evakuierungen gemeldet, weil ein Bombenblindgänger gefunden wurde und unschädlich gemacht werden muss. Auch das zeigt, dass ein Krieg nicht „vorbei“ ist, wenn die Kampfhandlungen eingestellt werden, sondern dass seine Auswirkungen sehr langfristig sind. Diese stehen im Zentrum der sehenswerte Sonderausstellung „Was vom Krieg übrig bleibt“, die das Militärhistorische Museum Flugplatz Berlin-Gatow (MHM Gatow) thematisiert aus Anlass des Kriegsende vor 75 Jahren noch bis zum 10. Januar 2021 zeigt.

Im Luftkrieg des II. Weltkrieges wurden über Deutschland eine Bombenlast von schätzungsweisen 1,35 Millionen bis 2 Millionen Tonnen abgeworfen. Davon waren, je nach Bombentyp, 15 bis 20 Prozent Blindgänger. Vieles wurde in den Jahren nach dem Krieg beräumt, teilweise bereits während des II. Weltkrieges durch Strafgefangene und KZ-Häftlinge. Doch gerade in Berlin/Brandenburg und besonders im Raum Oranienburg liegen noch viele Blindgänger in der Erde. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst übernimmt die risikoreiche Aufgabe, nach Identifizierung der Lage von nicht detonierter Kampfmittel, diese zu entschärfen und zu vernichten.

Gegliedert in drei Bereiche erläutert die Ausstellung in Bild und Text zuerst die historischen Rahmenbedingungen, um im Hauptteil die Arbeit der Luftbildauswertung und der Kampfmittelbeseitigungsdienste zu betrachten. Der erste Teil geht deshalb der Frage nach, wie der Bombenkrieg der Alliierten auf das damalige Gebiet des Deutschen Reiches kam. „Flächenbombardement sind keine Erfindung des II. Weltkrieges“, wie die Kuratorin Dr. Doris Müller-Toovey in einer Presseführung feststellte. „Dies war bereits eine Idee des I. Weltkrieges, allerdings fehlten dazu die Mittel“. Die Entwicklung im zweiten Weltkrieg kennzeichnete allerdings eine gegenseitige Eskalation. Eine der grausamsten Initialzündungen stellte im Rahmen des spanischen Bürgerkrieges 1937 die Bombardierung der baskischen Stadt „Guernica“ durch die deutsche „Legion Condor“ dar, die ausschließlich die zivile Bevölkerung traf und militärische Ziele unberücksichtigt ließ.

„Anfangs hatten die Alliierten überhaupt keine anderen Möglichkeiten, deutsches Territorium zu erreichen“, gibt die Kuratorin zu bedenken. Doch die Gewaltspirale eskalierte immer mehr. Die Angriffe beider Seiten wurden immer menschenverachtender. Seinen Höhepunkt erreichte der Luftkrieg schließlich als die Alliierten quasi im Schichtsystem Ziele im Deutschen Reich angriffen. Dabei flogen die amerikanischen Bomber tagsüber gegen wichtige wirtschaftliche, die britischen Bomber in der Nacht gegen zivile Ziele. Auf diese Weise sollte die deutsche Bevölkerung zermürbt, die Kapitulation des Deutschen Reiches erzwungen werden. Der menschliche Aspekt, die traumatischen Erfahrungen der Menschen, stehen folgerichtig im Mittelpunkt des zweiten Teils der Ausstellung, die hinterfragt, was der Bombenkrieg, die flächendeckende Zerstörung mit der Bevölkerung anrichtet. Eine Frage, die angesichts des Syrienkrieges aktueller nicht sein könnte.

Der Hauptteil der Ausstellung schließlich zeichnet den Weg von der Lageidentifizierung bis zur Beseitigung von Kampfmitteln nach. Am Anfang steht dabei die Kampfmittelvorerkundung. Diese nutzt historische Aufnahmen, Befragungen und in hohem Maße die über drei Millionen Bilder der amerikanischen und britischen Aufklärer, die im Vor- und Nachfeld eines Luftangriffes gemacht wurden. An einem stereoskopisch aufgearbeiteten Luftbild können Besucher mit Spezialbrillen die Identifikation von Bombeneinschlägen üben und so die Schwierigkeit der Aufgabe nachvollziehen.

Für die Auswertung durch Luftbilddatenbanken ist viel Archivarbeit notwendig. Diverse Quellen, wie Angriffsberichterstattung, Angriffschroniken, Einsatzberichte, Luftbilder und historische Dokumente sind zu analysieren und auszuwerten, bis schließlich für ein Gebiet eine Luftbilddatenbank erstellt und Blindgängerverdachtspunkte identifiziert werden können. Eine Karte zeigt mit ihren vielen Markierungspunkten die Bombenfunde in Berlin und vermittelt einen Eindruck dieser diffizilen Aufgabe.

Die Arbeit des Kampfmittelräumdienstes, die in Deutschland in Länderhand liegt, wird im letzten Abschnitt der Ausstellung beleuchtet. Speziell geschulte Fachkräfte übernehmen diese Aufgabe, deren Arbeit – trotz aller Hilfsmittel – nach wie vor risikoreich ist. Bilder und Filme illustrieren diese gefährliche Arbeit. Ein Schaukasten, in dem im Sand zahlreiche Überreste von Kampfmittel neben allerlei Müll verborgen sind, fordert die Besucher außerdem auf, sich zu testen, Gefahrenquelle von Unrat zu unterscheiden. „Wir wollen damit dafür sensibilisieren, wie schnell man Müll und Blindgänger verwechseln kann“, so der Leiter der Ausstellung Stefan Kontra. Kinder und Erwachsene sollen so verstehen, bei einem möglichen Fund niemals selbst Hand an zu legen, sondern immer Hilfe anzufordern.

Mit viel Filmmaterial, Bildern und partizipativen Stationen gelingt den Ausstellungsmachern der Sprung von der Geschichte zum heute; anschaulich wird dem Besucher aufgezeigt, wie viel Know How notwendig und wie zugleich gefährlich es ist, Blindgänger aufzufinden und zu entschärfen. „Was vom Kriege übrig bleibt.“ lohnt den Weg nach Gatow, zumal er mit einem Besuch der Dauerausstellung und des Flughafengeländes verbunden werden kann.


Kurzcheck:

Militärhistorisches Museum Flugplatz Berlin-Gatow
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Parkplätze sind vorhanden

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