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Landesgruppe Berlin

Die Reserve

„Hinter jeder Hecke lauerte ein Anschiss!“




Eine Panzerfahrt mit allem drum und dran. Ein Abschiedsgeschenk der Extraklasse.

Bildautor: Sven Karsten

Von wegen: breit fahren, schmal denken. HF d.R. Schneider ist immer voll engagiert!

Bildautor: Sven Karsten

Hauptfeldwebel d.R. Schneider blickt auf ein bewegtes Soldatenleben zurück.

Bildautor: Sven Karsten

Auch politisch immer mit Herzblut bei der Sache. Die ehemalige Bundesverteidigungsministerin von der Leyen und HF d.R. Schneider.

Bildautor: Sven Karsten

Mit 65 Jahren war der Berliner Reservist Ulrich Schneider im Juli diesen Jahres der wohl älteste aktive Hauptfeldwebel der Bundeswehr. Im Sommer absolvierte der IT-Spezialist seine „goldene“ Reservistendienstleistung (RDL) im Logistikbataillon 172 in Beelitz. Das Abschiedsgeschenk war für ihn das Highlight eines bewegten Soldatenlebens.

„Ich habe in zwei Armeen gedient, die den gleichen Namen haben.“, bringt es der gebürtige Dortmunder auf den Punkt. Diese Aussage mit klarer Kante ist typisch für den Berliner Reservisten, der seine Herkunft nicht nur sprachlich nicht verbergen kann. Und doch wird er damit vielen älteren Kameraden aus der Seele sprechen. „Bei meiner Rückkehr nach 30 Jahren habe ich die Bundeswehr nicht wieder erkannt“, die Armee hat sich nicht nur in der Personal- und Materialstärke, sondern auch im Führungsstil geändert. Nicht immer empfinden ältere Kameraden dies als nur positiv, wenn man wie Ulrich Schneider in einer Wehrpflichtarmee mit einer halben Million aktiver Soldaten, stets vollen Kasernen und einer intensiv gelebten Kameradschaft sozialisiert worden ist. Wenn er sich jedoch an den oftmals rüden Kasernenton erinnert, ist er froh, dass sich die Umgangsformen eindeutig verbessert hätten. „Hinter jeder Hecke lauerte früher ein Anschiss“, so Schneider.

1976 hat der Hauptfeldwebel d.R. seine Grundausbildung in der Instandsetzungsausbildungs- kompanie 16/I in Stadtoldendorf absolviert und blieb danach für acht Jahre der Bundeswehr treu. Seine aktive Karriere führte ihn über die Instandsetzungs-, zu den Panzer- und schließlich zur Pioniertruppe. Höhepunkt dieser acht Jahre waren vier Wochen in der CFB Shilo, der kanadischen Basis, auf der er Anfang der 80er Jahre die Hydraulik (WSA) des Waffensystems Leopard I mit getestet und instandgesetzt hat. 1884 war für ihn erst mal Schluss: in Hannover studierte er EDV- und Elektrotechnik und begann seine zweiter Karriere als IT-Spezialist. Ausgerechnet ein Bandscheibenvorfall brachte ihn zurück in die Bundeswehr. Im Zuge der Behandlung kam er 2011 in das auch für Zivilisten offene Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. „Zum ersten Mal hatte ich wieder mit Soldaten zu tun und habe sofort wieder Blut geleckt“, erzählt er. Kurzum entschloss er sich, sich als Reservist beim Verband zu melden.

Als Reservist waren seine Fähigkeiten als IT-Spezialist von Anfang gefragt: von 2012 bis 2020 engagierte er sich in der Landesgruppe Berlin als Internetbeauftragter und begleitete auch die bundeweite Umstellung des Internetauftrittes. Während der Corona-Pandemie brachte er die Digitalisierung der Landesgruppe Berlin erneut voran, indem er sich entscheidend am Projekt für Online-Ausbildung militärischer Grundlagen beteiligte. Der Projektleiter, Oberstleutnant d.R. Randolf Richter, machte so zusammen mit Kameraden aus der Landesgruppe aus der „Corona-Not“ eine „Tugend“ und sorgte bereits bundesweit für viel Aufmerksamkeit.

Als sich 2013 durch die Indienststellung der RSU-Kompanie Berlin die Möglichkeit einer Beorderung mit Ziel Einsatz als Verbindungsfeldwebel bot, ließ sich der damals 59-Jährige nicht lange bitten. Doch war der Weg in die zweite Bundeswehrkarriere für ihn nicht immer einfach. Sein damaliger Arbeitgeber hatte kein Verständnis für sein militärisches Engagement und verweigerte ihm regelmäßig die Zustimmung zur Reservistendienstleistung; diese war jedoch nach Abschaffung der Wehrpflicht obligatorisch. Doch Ulrich Schneider ließ das nicht auf sich beruhen und sorgte für einen politischen Sturm. Er verfasste eine Petition an den Deutschen Bundestag und forderte, dass künftig Reservisten auch ohne Zustimmung des Arbeitgebers üben können sollten. Einen ersten ablehnenden Bescheid des Verteidigungsausschuss wies er zurück und erzwang damit eine parlamentarische Debatte mit namentlicher Abstimmung. Zwar wurde der Antrag trotzdem abgelehnt, jedoch hatte die Politik das Problem erkannt und in seine Agenda zur Steigerung der Attraktivität der Reserve aufgenommen.

Ebenso wenig ließ der Hauptfeldwebel d.R. eine zwischenzeitliche Ausplanung auf sich beruhen und erreichte 2019 eine erneute Beorderung in der 4. Kompanie des Logistik Bataillons 172 in Beelitz. „Endlich zurück in der Truppe“, kommentiert er diesen Schritt in der für ihn typischen Art. Fortan absolvierter er als S6-Feldwebel seinen Reservistendienst und kehrte so zurück zu seinen militärischen Wurzeln. Als Administrator des Informationssystems FISH erarbeitete er sich rasch die Anerkennung seiner Vorgesetzten, bei den Kameraden war er schnell integriert und beliebt. Das dankte ihm die 6. Kompanie, zu der er Corona-bedingt zu seiner „goldenden“ Wehrübung versetzt wurde. Der mittlerweile älteste Hauptfeldwebel der Bundeswehr genoss seine letzten Tage in Uniform nochmals als Teil der infanteristischen Ausbildung. Glanzvoller Schlusspunkt seines bewegten Soldatenlebens war schließlich die Panzerfahrt über den Truppenübungsplatz. Schlammlöcher, spritzender Dreck, aufgewirbelter Staub – kein Wunsch blieb an diesem Tag offen. Ein einmaliges Erlebnis und würdiges Ende für einen Soldaten mit Herzblut.

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