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Preußisch-deutsche Geschichte erlebbar gemacht: Ein Rundgang auf dem Berliner Invalidenfriedhof




Bildautor: Dietrich Knüppel

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Die Reservistenkameradschaft Berlin-Wilmersdorf organisierte im September 2020 eine Führung auf dem historischen Invalidenfriedhof zwischen der Scharnhorststraße und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in Berlin-Mitte, der seit 1990 dem Denkmalschutz unterliegt und mit Gründung des Fördervereins Invalidenfriedhof e.V. eine sichtbare Unterstützung bei der Wiederherstellung und Restaurierung erhielt. Zuvor hatte der „Arbeitskreis Historie und Politik“ in Verantwortung der RK 04 Berlin-Wilmersdorf eine umfangreiche Pflege von Grab- / Gedenksteinen durchgeführt – ohne die Herkunft oder Bekanntheit der Namen zu berücksichtigen.

Der interessierte Teilnehmerkreis konnte bei dem vom Geschäftsführer des Fördervereins, Herrn Hans Joachim Jung, Oberstleutnant a.D., geführten Rundgang einen guten Einblick in die Geschichte des zweitältesten Militärfriedhofs Berlins gewinnen, auf dem zivile Bürger, ehrenhafte Offiziere der preußischen Armee, aber auch Angehörige des NS-Regimes und Widerstandskämpfer bestattet wurden.

Bedeutung bekam die Geschichte des Ortes durch die Errichtung des Invalidenhauses (von 1746-1748) nach der Planung von Friedrich I. und Durchführung von Friedrich II. (heute Sitz des BMWi – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, an der Ecke Invalidenstraße), hinter dem, nach den Befreiungskriegen von 1813-1815, der Invalidenfriedhof zur Gedächtnisstätte preußisch-deutscher Geschichte mit Denkmälern für bedeutende Offiziere des preußischen Heeres gestaltet wurde. Die wohl auffälligste Ehren-Grabstätte ist die nach einem Entwurf des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel in den Jahren 1826 bis 1834 errichtete Anlage für Generalleutnant Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813) und andere Militärs der Familie. Gemeinsam mit Stein und Hardenberg hatte Scharnhorst die große preußische Heeresreform und aus aktiven Soldaten, der Landwehr sowie dem Landsturm das preußische Volksheer geschaffen.

Der aktive Soldat oder ehemalige Angehörige des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung findet auch die Grabstätte des Friedrich Wilhelm von Rohdich (1719-1796), der preußischer General der Infanterie und u.a. Kriegsminister war. Er vererbte sein Haus am Brandenburger Tor, Pariser Platz 3, dem Grenadier-Garde-Bataillon und die Verwendung dessen Einkünfte zum Besten der Soldatenkinder. Daraus entstand der von Rohdich´sche Legatenfonds e.V., der eng mit dem Semper talis Bund e.V. und der Bundeswehr kooperiert.

Die Geschichte begleitet den interessierten Besucher der historischen Stätte, beim Betrachten der Steine und Lesen der Inschriften. Viele Namen der Verstorbenen finden sich im Berliner Stadtbild für Straßen und Plätze wieder und regen zu weiteren Nachforschungen – heute im Internet – an: Tauentzien, Wittenberg, Winterfeldt, Witzleben, Rauch, Hagen, Scharnhorst und mehr.

Dem Invalidenhaus gegenüber gelegen entstand, unter Mitwirkung des preußischen Gartenkünstlers und Generaldirektor der königlich-preußischen Gärten Peter Joseph Lenné (1789-1866), 1844 der Invalidenpark. 1868 wurden die ersten Gebäude des dem Friedhof benachbarten Augusta-Hospitals errichtet, das bis 1913 vollendet wurde. Die Schwestern erhielten auf dem Friedhof ein eigenes Begräbnisfeld, welches inzwischen wieder würdig hergerichtet wurde. Dass viele der insgesamt 22 ehemaligen Kommandanten des Invalidenhauses besonders eindrucksvolle Gedenksteine erhielten, die teils aufwendig restauriert wurden, ist verständlich.

Auch an die erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkrieges (1914-1918) erinnern Gedenksteine. Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen wurde wegen seiner Erfolge im In- und Ausland verehrt und sogar in dem Film „Der Rote Baron“ (2008) verherrlicht.

Im Dritten Reich wurden auf dem Invalidenfriedhof einige „NS-Größen“ bestattet, auf die hier nicht hingewiesen wird, um jene nicht zu verehren. Den Widerstandskämpfern, als Opfer des Nationalsozialismus, wird zunehmend durch die würdevolle Verlegung von Kissensteinen gedacht, wie beispielhaft am 8. August 2019 für Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben. Viele andere Kissen-Gedenksteine, aus Sandstein oder geschliffen- und poliertem Granit, sind unter Mitwirkung des 1992 gegründeten Fördervereins Invalidenfriedhof e.V. an ihren Bestimmungsplätzen, anstelle der von DDR-Willkür beseitigten Grabsteine, verlegt worden. Das gute Zusammenwirken zwischen dem Landesdenkmalamt, dem Grünflächenamt und dem Förderverein zeigt positive Auswirkungen für den Erhalt eines Kleinods mit historischem Charakter, welches 1990 unter Denkmalschutz gestellt wurde und ab 1991 durch eine sorgfältige Planung wiederhergestellt wird – als Abbild deutscher Geschichte, sowie preußisch-deutscher Grabmalkunst aus allen Stilepochen der letzten knapp 300 Jahre.

Der vor der Friedhofsmauer zu sehende Glockenturm, welcher die „Kaiserin Augusta-Glocke“ aus der Gnadenkirche trägt, die von 1890 bis 1895 im Invalidenpark errichtet und 1967 gesprengt wurde, war für den Förderverein eine technische und kostspielige Herausforderung, gleichzeitig aber ein Zeichen der Versöhnung mit den schrecklichen Ereignissen im DDR-Regime, das auch auf dem Invalidenfriedhof sichtbare Hinterlassenschaften zeigt: So wurden gemäß Beschluss des Magistrats von Großberlin vom 30. April 1951 der Friedhof geschlossen und alle Grabstellen vor 1925, sowie die verwahrlosten eingeebnet. Danach folgten Jahre der Zerstörung, insbesondere ab 1961 durch den Bau der Mauer im Grenzgebiet. Einige Mauerabschnitte, graffiti-beschmiert, befinden sich noch als „Ansichtsexemplare“ mit davor aufgestellten Mauer-Informationstafeln für vorbeifahrende Fahrradtouristen.

Meine Empfehlung: Selbst ohne eine offizielle Führung lohnt sich der Blick in die Geschichte.

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