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(Foto: Juliane Witt)

Bildautor: Juliane Witt

Berliner Marschgruppe startet mit Hoch- und Tiefpunkten in die neue Marschsaison

Am letzten Januarwochenende hieß es für unsere Kameraden und Gäste „Stiefel an, Rucksack auf, vorwärts Marsch!“ 20 leichte Kilometer, wie der ein oder andere dachte, sollten uns vom Olympiastadion zur Spinnerbrücke führen.
Um 09:00 Uhr treffen sich zehn, vom grauen Himmel unbeeindruckte Kameraden und ihre Gäste am S-Bahnhof Olympiastadion, um zum ersten Trainingsmarsch im Jahr 2020 aufzubrechen. Noch ahnt keiner, was auf ihn zukommen wird. Wie viele Höhenmeter kann man schon in Berlin machen? Was soll’s hier schon geben, was man als Berliner noch nicht gesehen hat?

Nach wenigen Metern erreichen wir den Friedhof Heerstraße. Er gilt als einer der schönsten Friedhöfe Berlins. Und da geht es auch schon los: Treppe runter bis zum Sausuhlensee, vorbei an dem ein oder anderen prominenten Grab. Sogar Loriot ist hier beerdigt. „Wer kennt seinen richtigen Namen? – Korrekt, Bernhard-Viktor von Bülow!“
Anschließend geht es wieder treppauf.

Wir überqueren die Heerstraße. Vor uns türmt sich ein Hügel auf. Unseren Marschierern ist klar, dass heute kein Weg an ihm vorbeiführen kann. Nach knapp 280 Stufen erobern wir den Gipfel. Nun stehen wir auf dem Trümmerschutt des 2. Weltkrieges – 99m hoch. Der Himmel ist immer noch grau, die Sicht dementsprechend schlecht. Doch ohne Zweifel können wir erkennen, dass sich nur einen Katzensprung vom Drachenberg entfernt, ein noch höherer Hügel erhebt. Der ortskundige Berliner weiß, dass es sich um den Teufelsberg mit der Radaranlage handelt, von wo aus die Amerikaner den Osten abhörten.
Also Berg runter, Berg wieder rauf. Oben angekommen befinden wir uns auf der zweithöchsten Erhebung Berlins und somit auf dem Hochpunkt unseres Marsches. Unser Kamerad Cliff Meißner hat einen kleinen Vortrag zum Teufelsberg vorbereitet. Die verdiente Verschnaufpause wird durch interessante Fakten zur Benutzung der Radaranlage damals wie heute bereichert. Wer weiß schon, dass in den 70ern und 80ern am Südhang Wein angebaut wurde: das Wilmersdorfer Teufelströpfchen!

Um einiges schlauer wandern wir weiter in den Grunewald. Nach kurzer Zeit tut sich vor uns ein Abgrund auf. Mit Hilfe einer Treppe begeben wir uns 25 m in die Tiefe auf den Grund der Sandgrube im Jagen 86. Dies ist nun der Tiefpunkt unseres Marsches und mit nur 31 m über Normalnull einer der tiefsten Punkte Berlins. Die Sandgrube entstand übrigens durch den Abbau von Feinsand zur industriellen Nutzung in der Zeit der deutschen Teilung.

Eine seicht ansteigende Serpentine führt uns aus der Grube hinaus. Durch den schönen Buchenwald, unter der AVUS hindurch, erreichen wir die Krumme Lanke. Wir folgen dem Uferweg bis zum Schlachtensee. Anschließend machen wir einen Abstecher, der uns wieder unter der AVUS hindurchführt. Plötzlich erscheint vor uns im Wald ein riesiger aufgeschütteter Erdwall. Es handelt sich um die Südkehre, die für die AVUS gebaut werden sollte, doch wegen des 2. Weltkrieges nicht fertiggestellt werden konnte. Sie wurde später von den US-Amerikanern noch als Schießplatz genutzt, doch geriet dann bald in Vergessenheit.

Auf den letzten Kilometern sammeln wir noch ein paar Stufen. Es geht hinauf und hinab auf dem Havelhöhenweg bis zum Strandbad Wannsee. Von dort kann man das Ziel, die Spinnerbrücke, schon fast sehen.
Als wir den Biker-Treffpunkt erreichen, sind wir verwundert, dass dort nicht ein Motorrad steht – muss wohl am Wetter liegen. Wir kehren trotzdem ein und vergleichen bei einem wohlverdienten Einlaufgetränk, die aufgezeichneten Werte der Apps. Getreu dem Motto „Zwei Messungen – drei Ergebnisse“ kommen wir zu dem Schluss, heute zwischen 300 bis 400 Höhenmeter zurückgelegt zu haben. Einig sind wir uns darin, dass es ein erlebnisreicher und informativer Tag mit vielen Treppen war.

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