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Landesgruppe Bremen

10 Tage auf dem Soldatenfriedhof in Berru/ Frankreich




 

Kriegsgräberstätte Berru.

 

Vom 2. bis 11. Juli 2019 weilten Reservisten der Landesgruppe Bremen zusammen mit zwei Soldatinnen als Fahrerinnen von der Logistikschule der Bundeswehr in Frankreich. Im Rahmen der Kriegsgräberfürsorge waren sie auf dem Soldatenfriedhof in Berru, nahe der Stadt Reims, tätig. Dort ruhen 17.556 deutsche Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg (1914-1918, 15 Millionen Tote), davon 4.498 in Einzelgräbern; 366 blieben ohne Namen. Es sollten die Grabkreuze überholt und weitere Instandhaltungsmaßnahmen getätigt werden. Diese Arbeiten hätten einem Gartenpflegebetrieb und Handwerkern vor Ort überlassen werden können. Doch es ging darum, auf einer Kriegsgräberstätte ein Zeichen für Frieden unter den Menschen zu setzen – egal, ob zwischen Zivilisten oder Soldaten.

Die Unterbringung war in einer Kaserne auf dem Truppenübungsplatz in Mourmelon-le-Grand, von Berru ca. 40 km entfernt. Das Unterkunftsgebäude stammte aus dem Jahr 1914. Die Betten waren in Ordnung, Bettzeug war mitzubringen. Die Toiletten waren relativ neu, aber vom System her die alten Standlöcher. Für diejenigen die sich schwer damit taten, besorgten zwei unserer handwerklich begabten Reservisten einen alten Stuhl, entfernten die Sitzfläche und stellten ihn über das Loch.

Toilette im Quartier Foch

Die französische Soldatenküche versorgte uns mit Essen und Trinken. Französische Küche! Morgens und abends wurde in der Küche auf dem Kasernengelände gespeist.

Auf dem Soldatenfriedhof mit seinen unübersehbar vielen Kreuzen, waren viele Stelen für die Gefallenen jüdischen Glaubens. Beim Lesen der Namen der hier liegenden Gefallenen, den Dienstgrad oder seine Funktion und das Todesdatum, kam jeder ins grübeln. Vor dem geistigen Auge entstand eine Person. Das Geburtsdatum des Gefallenen wurde nicht auf den Kreuzen aufgeführt. Warum? Wer weiß das?

Die Aufzählung der verschiedenen Dienstgrade wurden hier nicht vermutet: Füsilier, Musketier, Reservist und gar Ersatz-Reservist, Sergeant, Ulan, Wehrmann. Es ruhen fast nur Soldaten der Mannschaftsdienstgrade und der Unteroffiziersdienstgrade auf dem Friedhof in Berru. Neun Gräber von Leutnanten wurden gezählt. Die sterblichen Überreste von gefallenen Offizieren waren woanders begraben, gewiss in erster Linie zu Hause.

Einweisung und Planungsgespräch mit den französischen Vertretern auf der Kriegsgräberstätte

Besucht wurden auch Kriegsschauplätze, so die Kathedrale in Reims. Bombardiert von deutschen Soldaten 1914, sowie die Festung Douaumont und das dortige Beinhaus. Die Knochensammlung übersteigt im dortigen sog. «Beinhaus» alle Vorstellungen von Krieg. In der Festung konnte sehr gut nachvollzogen werden, wie elend das Leben war, das die Soldaten dort führten. Die Festung Douaumont war die größte und stärkste Festung des äußeren französischen Fortgürtels in Lothringen, die im Ersten Weltkrieg in der Schlacht um Verdun schwer umkämpft war. Bei Wikipedia heißt es: „Nach dem Mobilmachungsplan von 1914 sollte die vollständige Besatzung des umgebauten Forts im Belagerungsfall aus 7 Offizieren und 477 Unteroffizieren und Mannschaften bestehen.“ 1916 bombardierten und eroberten die Deutschen das Fort, danach eroberten die Franzosen es zurück. Jeweils mit enormen Zerstörungen des Baus und mit furchtbaren Verlusten Zeitweise lebten dort 3.000 Soldaten. Diese unglaublichen Zahl ist bewiesen. Es gab nur enge Räume. Zum Beispiel die Bäckerei – nicht größer als eine durchschnittliche Wohnung. Die besichtigten Schlafräume waren voll von Etagenbetten, auf denen jeweils drei oder gar vier Soldaten nebeneinander schliefen. Keine Spinde. Auf Nachfragen bei der Begleitung, meinte diese, die Soldaten hätten selbstverständlich in Uniform geschlafen. Gerade mal die Stiefel hätten sie ausgezogen und den Helm abgesetzt.

Festung Douaumont. Schlafraum.

Dann der Raum mit den Toiletten: ein Dutzend Löcher im Boden nebeneinander. Es gab nicht einmal Trennbretter als Sichtschutz. In der gesamten Festung war es kalt und feucht und die Luft war schlecht, obwohl draußen ein Jahrhundertsommer war.

Festung Douaumont. Toilette für 300-3.000 Mann.

Dass Soldaten hier krank wurden, körperlich und seelisch, allein durch das Hiersein, liegt auf der Hand. Dass sie noch die Kraft hatten, die pausenlosen Bombardements zu ertragen oder gar selber als Soldat ihren Dienst zu versehen, überstieg das Vorstellungsvermögen. Selbst die Flure in der Festung sind eng. Die Besucher gehen vorsichtig aneinander vorbei und weichen einander aus. Wie sich hier Hunderte von Soldaten in voller Ausrüstung bewegt haben könnten, ist und bleibt ein Rätsel.

Stille überwiegte auf der Fahrt zurück nach Mourmelon-le-Grand. Am nächsten Tags ging es wieder an die Arbeit. Es wurden 250 Kreuze überholt.

Ständig gingen auf dem Kasernengelände französische Soldaten vorbei oder traf sie beim Essen in der Kantine. Einige von den Reservisten fassen sich ein Herz und kamen mit ihnen ins Gespräch. Die Abende waren warm. Also luden sie die französischen Soldaten ein. Der Besuch erfolgte durch ein rundes Dutzend Soldaten – im Ersten Weltkrieg «Poilus» genannt. Vor dem Haus hatten wurde ein Buffet aufgebaut. Bei Wasser, Wein und Knabberzeug gediehen die Gespräche prächtig. Lachen, Singen und auch Tanzen überwand alle Sprachbarrieren. Dass Deutsche und Franzosen je Erzfeinde waren, konnte sich keiner mehr vorstellen.

Kasernenfest. Haus 043. Quartier Foch

Mit einer kleinen Feierstunde auf der Kriegsgräberstätte Berru schlossen wurde die Arbeit in Berru abgeschlossen. Der Eintrag in ein ausliegenden Kondolenzbuch, Kasten in der Friedhofsmauer, war eine Selbstverständlichkeit. Nach 10 Tagen ging es zurück in die Heimat, um einige Erfahrungen reicher.

 

Ehrung der gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges in Berru

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