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Sicherheitspolitische Informationen beim Flughafen-Seminar 2018 für die Bremer Reservisten über Afrika mit den Themen Fluchtwege, Migration, Terrorismus




Nach einleitenden Worten durch den Landesvorsitzenden Tobias Scholz und Dr. Martin Jordan referierte Wolf Kinzel von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin über das Thema Afrika – Herausforderungen für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik? Der zweite Vortrag des Tages gehalten von Dr. Stefan Gehrold, Konrad-Adenauer-Stiftung aus Oldenburg befasste sich mit dem Thema: Bewaffnete Konflikte als Ursache und Konsequenz von Migration am Beispiel Westafrikas‘

Afrika ist ein Kontinent der Extreme. Über 1,1 Milliarden Menschen leben auf dem zweitgrößten Kontinent. Über 2.000 Sprachen werden in den 54 Staaten gesprochen. Der „K-Kontinent“ steht für Kriege, Krisen, Korruption und Kriminalität und für autokratische Staaten. 24 der 30 ärmsten Staaten liegen auf diesem Kontinent. Die überwiegende Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Doch Afrika ist mehr, nämlich aufstrebend.

Fregattenkapitän Wolf Kinzel, Stiftung Wissenschaft und Politik, zeigte aus sicherheitspolitischer und persönlicher Sicht die Herausforderungen auf: Klimawandel, Migration und Terrorismus. „Die großen Probleme greifen ineinander.“ Sie einzeln zu stückeln, sei wenig erfolgreich. Das sollte bei einem Marschallplan mit Afrika berücksichtigt werden. Die demografische Entwicklung, Korruption, die wirtschaftliche Lage, Binnenmigration und Ländergrenzen, die nicht den Realitäten vor Ort entsprächen, seien weitere Gründe für Migration. „Eine Mauer durch Afrika“, zur Verhinderung von Migration, „würde wenig erfolgreich sein“, so Kinzel. Arbeitsmarktschaffung gleich Prävention, machte die Gleichung beim Thema Terrorismus auf. In der Perspektivlosigkeit läge die größte Radikalisierungsgefahr.

Der zweite Referent des Seminartages, Herr Dr. Stefan Gehrold, lebte mehrere Jahre in Dakar/Senegal und ist somit ein Kenner der dortigen Verhältnisse und ein Mittler für sein gewähltes Thema: „Der circulus viciosus (Teufelskreis) – bewaffnete Konflikte als Ursache und Konsequenz von Migration am Beispiel Westafrikas“

Bei intensiver Beschäftigung mit der Materie kristallisiert sich ein Schema heraus und immer wiederkehrende Komponenten, die Ursache und Konsequenz von bewaffneten Konflikten sind. Die Menschen reagieren, wie sie reagieren müssen, um ihre Familien zu schützen: sie weichen aus. Sie migrieren. Aber wohin: erst lokal, dann national, dann regional, zuletzt global. Und für Afrika, den am schnellsten wachsenden Kontinent der Welt, ist klar, wohin die Migration geht: Nach Europa!

Afrika, ist ein eigentlich dünn besiedelter Kontinent. In meisten Regionen leben unter 7 Einwohner je km². Zum Vergleich: Deutschland hat durchschnittlich über 230 Einwohner je km². Eine Zahl, die Afrika nur in einigen Teilgebieten (entlang des Nils, im Norden Algeriens und Marokkos und vor allem auch in Westafrika, insbesondere in Nigeria) erreicht.

In der Folge zeigt sich ein verstärkter Migrationsdruck, wobei dieser jedoch notwendigerweise noch nicht zur Emigration in die Industrieländer, sondern zunächst, aus finanziellen und kulturellen Gründen, zu Wanderungsbewegungen innerhalb des Kontinents führt. Der Großteil der Bevölkerung migrierte innerhalb Westafrikas in Form von Flüchtlingsbewegungen, in einem Referenzzeitraum wanderten knapp 400.000 Menschen nach Nordamerika und nach Europa knapp 800.000 Menschen aus Westafrika aus. In jeder Hinsicht ist in Westafrika die Migration am intensivsten, insbesondere an der Elfenbeinküste. Gerade in Westafrika war die Frequenz bewaffneter Konflikte in den letzten Jahrzehnten besonders hoch.

Verschiedene Klimazonen sind in Afrika zu finden. Ganz im Norden finden sich wüstenähnliche Gebiete, darunter Sahelgebiete, also Halbwüsten. Dann beginnt der agrarwirtschaftlich nutzbare Bereich. Im Süden existieren Wälder und ganz im Süden subtropische klimatische Bedingungen mit längeren Regenzeiten.

In der großen Dürreperiode 1972/74 migrierten verschiedene Ethnien (fast ausschließlich Moslems) in den Süden. In dieser Region leben ebenfalls überwiegend Muslime, aber der Anteil der Christen ist deutlich höher als bei den Migranten. Die Sprachen sind völlig unterschiedlich. Gleichermaßen auch die Kulturen und Riten. Auch Problematisch ist, daß die Zugewanderten Bevölkerungsgruppen Viehzüchter, Bauern und Händler sind. Die einheimische Bevölkerung produziert für den Eigenbedarf. Es treffen zwei sehr unterschiedliche Lebensweisen aufeinander. Eine entscheidende Komponente, die die Migration auslöste, war die klimatische Entwicklung. Auffällig ist, daß mit schwindender Regenmenge und verminderter Länge der Regenzeit der Boden landwirtschaftlich weniger genutzt werden konnte. Dies ist eine Folge, des Siedlungbaus und Anlage von Ackerflächen für die zugewanderten Bewohner. Dafür wurden in großem Umfang Wälder gerodet. Der Rückgang der Wälder, die als Wasserspeicher dienen, trocknete den Boden aus. Die Ernteerträge sanken.

Zusammen fassend sind die Gründe für den Emigrationsdruck:

  • Bei steigender Bevölkerung verhält sich die Wirtschaftskraft proportional oder unterproportional zum Bevölkerungswachstum.
  • Die Zahl der Arbeitsplätze ist gering und die Gehälter gering.
  • Die Zahl offener Arbeitsplätze ging zurück.
    Das gilt im Übrigen auch für das Lohnniveau.
  • Viele Afrikaner suchen daher außerhalb der Region und des Kontinents eine Bleibe um den schwierigen Bedingungen in ihren Ländern zu entfliehen. Vermutlich zunehmend in den Industrieländern und zunehmend in Europa. Dies aufgrund der geographischen, kulturellen und auch sprachlichen Nähe.

 

Es ist davon auszugehen, dass dies ein Schema ist, das vielen, in Variationen vielleicht sogar allen Migrationsbewegungen zugrunde liegt.

Beide Vorträge wurden durch Bildmaterial unterstützt.

Es schloss sich an beide Vorträge eine lange und lebhafte Diskussion an, die sich vor allem um die Frage nach Lösungsansetzen drehte. Von Änderungen in der Entwicklungshilfe bis zu der Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Marschall-Planes für Afrika. Eindeutige Handlungslösungen blieben aus, eine gewisse Ratlosigkeit verblieb.

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