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loyal-Ausgabe Juni 2022




Stiefsohn der NATO

von Thomas Seibert, Istanbul

Der Ukraine-Krieg führt der NATO die Bedeutung ihres problematischen Mitglieds Türkei vor Augen: Präsident Erdogan hat den Bosporus für weitere Kriegsschiffe gesperrt und die russische Marine damit geschwächt. Die Ukraine bekommt hochwirksame Kampfdrohnen aus der Türkei, die sich zugleich als Plattform für russisch-ukrainische Verhandlungen empfohlen hat. Doch der türkische Präsident bleibt unberechenbar, wie sein Widerstand gegen die NATO-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands zeigt. Vor den Wahlen in der Türkei im kommenden Jahr könnten sich seine Extratouren noch verschärfen.

Während die Welt auf den Krieg in der Ukraine schaute, erleben die Streitkräfte des NATO-Mitglieds Türkei ihre eigene Zeitenwende. Von einer Werft südlich der Metropole Istanbul legte das Amphibische Angriffsschiff „TCG Anadolu“ zu seiner ersten Testfahrt ab. Die „Anadolu“ ist das größte Schiff in der Geschichte der türkischen Seestreitkräfte und soll im Laufe des Jahres die türkische Marine verstärken. Sie wird Hubschrauber, amphibische Panzerfahrzeuge und Drohnen an Bord haben und mit einer Reichweite von bis zu 17.000 Kilometern fernab von den türkischen Küsten einsetzbar sein.

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Die „Anadolu“ („Anatolien“), die nach dem Vorbild der spanischen „Juan Carlos I“ gebaut wurde, ist Ausdruck einer neuen türkischen Außen- und Sicherheitspolitik, die sich nicht auf die Landesverteidigung beschränkt, sondern auf eine Machtprojektion im Schwarzen Meer und im Mittelmeer abzielt. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat noch mehr vor: Die Türkei will nach seinen Worten auch einen Flugzeugträger bauen.

Solche Vorhaben wären noch vor Jahren völlig undenkbar gewesen, doch Erdogans Politik hat neue Rahmenbedingungen für die türkischen Streitkräfte geschaffen. Dass die Türkei mit ihrem neuen Anspruch auf eine regionale Führungsrolle mit ihren Partnern in Europa und in der NATO in Konflikt geraten kann, nimmt Erdogan in Kauf.

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