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loyal-Titelthema der Ausgabe Dezember 2021




Kalter Krieg 2.0

von André Uzulis

Das Gleichgewicht des Schreckens mit Abertausenden von Atomsprengköpfen hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts jahrzehntelang einen fragilen Frieden zwischen NATO und Warschauer Pakt garantiert. Nach einer Phase der Entspannung gehen die Großmächte nun wieder auf Konfrontationskurs. Die Abschreckungspolitik erlebt als Kalter Krieg 2.0 eine Neuauflage.

Es war eine bemerkenswerte Nachricht, die Anfang Oktober aus den USA kam: Zum ersten Mal seit vier Jahren haben die amerikanischen Streitkräfte wieder die Zahl ihrer Atomsprengköpfe veröffentlicht: 3750 einsatzbereite und nicht einsatzbereite sollen es sein. Unter US-Präsident Donald Trump war das ein Staatsgeheimnis. Sein Nachfolger Joe Biden hat offensichtlich kein Problem damit, diese Zahl der Welt zu nennen. Nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums sind das aktuell 55 Sprengköpfe weniger als im Jahr zuvor und 72 weniger als im September 2017. Die von den USA aktuell genannte Zahl weicht allerdings von Daten ab, die das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI ermittelt hat. Demnach verfügen die USA über 5800 Sprengköpfe, Russland über 6375.

In jedem Fall ist das bedeutend weniger als das, was sich in den Arsenalen während des Kalten Kriegs im 20. Jahrhundert gegenüberstand. 1967 hielten alleine die Amerikaner für einen Krieg gegen die Sowjetunion 31.255 Atomsprengköpfe vor – eine Zahl, die gereicht hätte, um die Erde x-mal zu vernichten. Heute soll es nach SIPRI-Angaben weltweit mehr als 13.000 Atomsprengköpfe geben. Die allerdings sind laufend modernisiert worden und halten immer noch ein Gleichgewicht des Schreckens aufrecht. Zu den bekannten Atomwaffenstaaten gehören Frankreich (290 Atomsprengköpfe), Großbritannien (215), Pakistan (160), Indien (150) und Israel (90). An all diesen Mächten ist inzwischen allerdings China vorbeigezogen. Sein Atombombenarsenal wird auf 320 Sprengköpfe geschätzt, Tendenz rapide steigend. Allein 2019 und 2020 legte sich Peking 30 weitere Sprengköpfe zu. Die USA prognostizierten kürzlich, dass China bis 2030 über 1000 Sprengköpfe verfügen wird – doppelt so viele wie bislang vorhergesagt.

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Absolut gesehen ist die Zahl dieser Massenvernichtungswaffen heute niedriger als vor 50 oder 60 Jahren. Weniger gefährlich geworden ist die Welt durch die Reduzierung dennoch nicht. Vor allem die chinesische Hochrüstung ist es, die Politikern und Militärs im Westen Sorge bereitet. Die Volksbefreiungsarmee wächst in einem Maße, dass der Westen kaum noch mit dem Zählen nachkommt. Zudem sind im Gegensatz zum Kalten Krieg unsichere Kantonisten wie Nordkorea in den Club der Atomwaffenstaaten eingetreten; der Iran könnte in absehbarer Zeit dazukommen.

Ausgerechnet in dieser Zeit ist US-Präsident Trump aus dem bewährten INF-Vertrag über die atomare Abrüstung bei den Mittelstreckenraketen ausgestiegen. Nur durch den Wechsel im Weißen Haus und dem raschen Handeln von Präsident Biden kurz nach Amtsantritt ist es gelungen, zumindest den New-Start-Vertrag mit Russland zu retten. Biden unterzeichnete dessen Verlängerung am 5. Februar dieses Jahres kurz vor dem Auslaufen. In dem Abkommen verpflichten sich Washington und Moskau, ihre Atomsprengköpfe auf jeweils 1550 zu reduzieren. Allerdings hat der Vertrag in den zurückliegenden Jahren nicht viel mehr gebracht, als die Arsenale auf einem halbwegs gleichen Stand zu halten. Als Erfolg kann das nur werten, wer keine großen Hoffnungen auf eine bessere Welt hegt.

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