loyal-Titelthema der Ausgabe Mai 2018




Frieden, Freiheit und Wohlstand der Deutschen hängen von der derzeitigen Weltordnung ab. Nur sehen das Politik und Gesellschaft offenkundig anders

Eine Bundeswehr, aber keine Streitkräfte

von Jan Techau

Wozu eigentlich Streitkräfte? Es ist symptomatisch für die sicherheitspolitische Kultur Deutschlands, dass diese Frage überhaupt gestellt werden muss. Was anderswo eine Frage des „Wie“ ist, ist in Deutschland eine Frage des „Warum“. Was überall sonst in den Bereich der Anwendung fällt, gehört hierzulande ins Feld der Grundlagenforschung.

Natürlich hat das sein Gutes. Eine Vergewisserung auch über Selbstverständliches kann eine Tugend sein, und in Deutschland, für das das historische Trauma des Zweiten Weltkriegs identitätsstiftend ist, muss es das vielleicht sogar. Aber wenn die Antwort auf die Frage so ausfällt, wie es sich im Jahr 2018 darstellt, dann kann etwas nicht stimmen. Man kann das nämlich so sehen: Das vereinigte Deutschland hat seine Streitkräfte, die Bundeswehr, mehr als 25 Jahre lang reformiert, mit dem Ergebnis, dass sie nicht mehr einsetzbar sind. Wenn die Absicht bestand, die „deutsche Kriegsmaschinerie“ auf staatstragende Weise zu zerstören, dann ist das Manöver erfolgreich zum Abschluss gebracht worden.

Die wirklich großen Zyniker gehen sogar noch einen Schritt weiter. Für sie waren es nicht Inkompetenz, Ideologie, strategisches Unverständnis und allgemeine Geringschätzung, die zur gegenwärtigen Malaise der Bundeswehr geführt haben. Für sie ist, unterbewusst, der Volkswille getreulich umgesetzt worden. Die Deutschen haben jetzt genau die Armee, die sie seit 1945 immer schon wollten, nämlich eine, die man nicht einsetzen kann. Auf eine Weise, dass es kaum jemand mitgekriegt hat, hat sich erfüllt, was politisch gewünscht war: Ein Land, das seinen eigenen guten Absichten nicht vertrauen mag, muss sich jetzt wenigstens keine Sorgen mehr darüber machen, dass es mit seinen Soldaten größeren Schaden anrichtet. Um ganz sicher zu gehen, müsste der nächste Schritt die Abschaffung der Rüstungsindustrie sein. Und auch da sind die Weichen ja gestellt. Wer seinen Zynismus aber trotz der von der Politik herbeigeführten desaströsen Lage der Bundeswehr noch kontrollieren kann, der muss die Frage nach dem „Warum“ von Streitkräften wieder und wieder stellen und beantworten. Warum unterhalten Staaten Armeen? Warum tut es Deutschland, und warum ist das auch richtig so? In der Beantwortung der Frage liegt der Schlüssel zur Veränderung des Bewusstseins über die eigene Lage und die gestellte Aufgabe. Und damit zur Veränderung der Politik.

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