Loyal-Titelthema der Ausgabe Oktober 2017

In Afghanistan wird die Lage immer bedrohlicher. Doch es sind nicht allein die Taliban, die die Regierung an den Rand des Zusammenbruchs bringen, sondern vor allem die Machtkämpfe regionaler Herrscher mit dem Präsidenten. Reise in ein Land am Abgrund

In Afghanistan wird die Lage immer bedrohlicher. Doch es sind nicht allein die Taliban, die die Regierung an den Rand des Zusammenbruchs bringen, sondern vor allem die Machtkämpfe regionaler Herrscher mit dem Präsidenten. Reise in ein Land am Abgrund

Der Feind meines Feindes…

Aus Afghanistan von Marco SeligerDie Schlachten sind groß, die Kämpfe grausam und die Hauptfiguren so niederträchtig wie brutal. Die Machtfehde mehrerer Fürstentümer fasziniert seit Jahren weltweit Millionen Fans der Fernsehserie  „Game of Thrones“. Ein ähnliches Machtspiel findet gerade in Afghanistan statt. Das Land droht zu zerfallen. Nicht nur die Taliban fordern die Regierung in Kabul heraus, sondern auch reiche und hoch gerüstete Provinzfürsten. Sie haben ihre Herrschaftsgebiete im Norden des Landes. Dort spielt das „Game of Thrones“ am Hindukusch.

Es ist ein heißer Tag Ende August, als einer der Provinzfürsten zum Lunch in sein Gästehaus lädt. Mohammad Atta Noor zeigt gern, was er hat. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, edle Krawatte zum weißen Hemd, Designerschuhe und eine Luxusuhr. Im Hof stehen zwei gepanzerte Audi, den Empfangssaal krönt ein schwerer Leuchter, den Boden bedecken teure Teppiche. Atta blickt aus dunklen Augen, das Gesicht umrahmt ein schwarzer Bart. Sein Händedruck ist sanft wie seine Stimme. Doch Mohammad Atta Noor hat der Welt etwas mitzuteilen. Er möchte dem Westen sagen, dass in Afghanistan etwas schief, ganz erheblich schief laufe. „Und das“, sagt er, „hat etwas mit dem Präsidenten in Kabul zu tun, der sich wie ein mittelalterlicher Monarch aufführt.“ […]

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