loyal-Titelthema des Monats Juni 2017




Für die Bundesrepublik sind viele Gewissheiten ins Wanken geraten. Sie muss auf militärische Aggressionen und demokratiefeindliche Bewegungen reagieren. Doch wie? Die Bürger sollten bereit sein, sich für unser politisches System, die Freiheit und ein soziales Miteinander zu engagieren – ein Plädoyer für einen allgemeinen Gesellschaftsdienst

Dienst für Deutschland

Von Christian SchwägerlDie Intensität der bewaffneten Konflikte in den Bürgerkriegsgebieten der Welt wächst. Vielleicht werden wir schon bald auf das Jahr 2016 als relativ ruhiges Jahr zurückblicken – oder als Vorspiel gewaltiger Umbrüche. Unter diesen Umständen muss sich jedes Land fragen, wie es sich auf unwägbare Risiken vorbereitet, wie sich die Gesellschaft neu organisiert und den Herausforderungen stellt. Es ist in diesen Tagen viel davon die Rede, dass reine „soft power“, durch die sich Deutschland auszeichnet, nicht mehr reicht. Aber heißt das, dass man unbedingt oder gar allein auf „hard power“, also einen Ausbau militärischer Fähigkeiten, setzen muss? Es ist wichtig, hier nicht von einem Extrem ins andere zu fallen und nicht in falschen Alternativen zu denken. Politik und Gesellschaft sollten jetzt vor allem darüber nachdenken, ob man primär unsere „soft power“ härter und wirksamer machen kann. Eine Möglichkeit unter mehreren dafür ist die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht, eines „Gesellschaftsdienstes“ – für junge Menschen und in anderer Form auch für frischgebackene Ruheständler.

Unsere Gesellschaft braucht inmitten von Unruhen und Krisen nichts so sehr wie Gemeinsinn und aktive Bürger, die dazu betragen, dass die hohen Werte von Freiheit, sozialer Marktwirtschaft, Menschenrechten, Aufklärung und Umweltschutz im Alltag ganz konkret gelebt und verteidigt werden. Zudem braucht es Menschen, die in der Lage sind, in Krisensituationen ruhig und kompetent zu reagieren und die dazu beizutragen, dass weder Panik noch Anarchie ausbrechen. Menschen, die wissen, wie man eine Notstromversorgung organisiert, wenn russische Hacker zugeschlagen haben. Menschen, die in der Lage sind, Erste Hilfe zu leisten und Flüchtlinge zu versorgen, wenn Donald Trump im Nahen Osten einen Flächenbrand auslöst, der neue Fluchtbewegungen nach sich zieht. Und es braucht Menschen, die sich in normalen Zeiten wie in Notsituationen um die Schwächsten und Verwundbarsten kümmern können, statt nur an sich zu denken.