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Loyal-Titelthema des Monats Oktober 2012




Ein Soldat muss seinen toten Freund aus einem Panzerwrack bergen, eine Frau und ihre Kinder gehen beinahe an dem aus dem Irak heimgekehrten Ehemann und Vater zugrunde. Der Krieg hinterlässt viele Traumata, auch wenn es inzwischen vielfältige Hilfe gibt.

Leben in Therapie

Von Marco Seliger

Wenn nur die Albträume nicht wären. Dann wären die Erinnerungen erträglicher. Doch mit der Nacht werden die Furcht und die Angst, die sich seit dem 25. Mai 2011 in seiner Seele eingenistet haben, in das Bewusstsein zurückgespült, mit voller Wucht, mit aller Gewalt. So dass er sich nicht traut, die Augen zu schließen, weil er panisch das Gespenst fürchtet. Ein blutendes Gespenst, ein zerfetzter Körper mit verbranntem Gesicht, der auf bizarre Weise nur noch von einer Schutzweste zusammengehalten wird. Ein Gespenst, das in einem „Fuchs“-Panzer sitzt, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, die den Transportraum von der Fahrerkabine trennt, direkt darunter, im Boden des Fahrzeugs, ein Loch, gerissen von einem Sprengsatz, der dem Leben von Markus Mathes in Sekundenbruchteilen ein Ende setzte.

Das Gespenst war sein Freund. Der eine kam aus Zweibrücken, der andere aus Stadtallendorf, der eine Hauptfeldwebel, der andere Hauptmann. Im Militär ist das ein Unterschied, ein Verhältnis von Untergebenen und Vorgesetzten, Grund für persönliche Distanz. Doch nicht für sie. Markus Mathes, der Hauptmann, teilte mit ihm die Gummibärchen, die seine Freundin regelmäßig nach Kundus geschickt hatte. „Fallschirmjäger an einem Fallschirm, ich wusste nicht, dass sie bei Haribo so etwas herstellen“, sagt er, zieht an seiner Zigarette und starrt auf den Boden. Da sind sie wieder, die Erinnerungen.