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24 Stunden lang an der Grenze der Belastbarkeit




Am vergangenen Wochenende fand in Schleswig-Holstein der Nachtorientierungsmarsch "Eiswolf" statt – hier Zeitungsbericht lesen. Um dabei gute Leistungen abrufen zu können, bereiteten sich 30 Reservisten aus der Region Berlin-Brandenburg akribisch vor.

Unter dem Motto "Vivere militare est" (Leben heißt Kämpfen) führte die Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie (RSUKp) für 20 Berliner und 10 brandenburgische Kameraden eine Durchschlageübung im Raum Oranienburg durch.

Länderübergreifende Ausbildung
Auftrag der auf sich gestellten Gruppe war es, innerhalb von 24 Stunden einen Raum zu durchqueren und Aufgaben abzuarbeiten. Die von Major d.R. Andreas Kobs geleitete und von Oberstleutnant d.R Randolf-Marc Richter geplante Übung diente zur Vorbereitung auf die Winterwettkämpfe Eiswolf in Schleswig-Holstein und Blue Nail in Dänemark. Herausragend war dabei nicht nur die Leistung der Marschierer, sondern auch die Unterstützung durch die Kameraden der Reservistenkameradschaft Lehnitz. Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung einer Ausbildungsverbundregion Berlin-Brandenburg.

Die Übung begann an einem kühlen Abend, den man am liebsten auf der Couch oder im Bett verbracht hätte. Die RSU-Soldaten beluden stattdessen ihre Fahrzeuge und nahmen ihre Befehle entgegen. Schnell alles Wichtige am Mann überprüft, Tarnschminke ins Gesicht geschmiert und aufsitzen. Um 18 Uhr rollte der Konvoi. Das Ziel: der ehemalige Truppenübungsplatz Lehnitz.

Hunde sind den Reservisten auf den Fersen
Zwei Teams wurden gebildet und irgendwo im unbekannten Raum ausgesetzt. Jetzt galt es, sich zu orientieren und die ersten Koordinaten anzusteuern. Erste Etappe geschafft. Doch der kurze Moment der Erholung währte nicht lange. Zur Überraschung der Kameraden musste jeder Läufer drei Geruchsproben für die Suchhunde abgeben. Hunde? Die Reservisten hatten keine Zeit, diese Info sacken zu lassen. Denn es gab noch eine Aufgabe zu erfüllen. Zwei Baumstammabschnitte, zwei Kisten und zehn gefüllte Sandsäcke lagen verteilt im Wald und warteten darauf, aufgesammelt und getragen zu werden. Am Ende der Schleppstrecke sollte zusätzlich noch ein Verwundeter 200 Meter zum Sammelpunkt transportiert werden.

Dort angekommen wechselte die Gruppenführung und vom Stationsleiter gab es neue Koordinaten. Querfeldein durch Wald und Wiese, kam nach vier Kilometern der nächste Anlaufpunkt in Sicht, ein toter Briefkasten mit weiteren Anweisungen. Mittlerweile war es 23 Uhr, die Temperatur auf minus zwei Grad gesunken und die Luftfeuchtigkeit auf über 80 Prozent gestiegen. Jetzt galt es, das Sechs-Mann-Team in Zweiertrupps zu teilen und unterschiedliche Richtungen zur nächsten Station einschlagen zu lassen. Darüber hinaus saßen den Trupps Jäger und Spürhunde im Nacken. Zwischen sieben und neun Kilometer Strecke waren zu bewältigen. Das Hundegebell war stets in nächster Nähe hörbar.

Seilsteg mit Gepäck und Ausrüstung
Die Reservisten erreichten Station drei, warteten und nutzten die Zeit, um etwas Energie zu tanken. Die Uhr zeigte mittlerweile vier Uhr morgens, das Thermometer minus vier Grad, mit unverändert hoher Luftfeuchtigkeit. Ausspähen und eine Drohne finden, hieß die nächste Aufgabe. Der neu eingeteilte Gruppenführer musste nun das Team in zwei Trupps aufteilen, um beide Aufträge zur gleichen Zeit durchzuführen. Streifen und die nach wie vor eingesetzten Spürhunde und Jäger waren weiterhin hinter den Kameraden her. 60 Minuten Zeitansatz, die viel zu schnell vergingen. Wieder kurze Rast, Gruppenführer gewechselt und das wiedervereinte Team zum nächsten Punkt geführt. Erst war die Sanitätsstation zu bewältigen, anschließend der Seilsteg zu überwinden, selbstverständlich mit Gepäck und zusätzlich bereitgelegter Ausrüstung. Geschafft. Die Uhr zeigte bereits halb sieben. Die nächste Station war noch weit entfernt. Nun aber hieß es, so viel Strecke wie möglich schaffen und versuchen, eine Mütze Schlaf zu erhaschen. Jäger und Hunde waren immer noch auf den Fersen der Kameraden.

Nach dem knapp zweistündigen Schlafpäuschen frühstückten die Kameraden schnell, verstauten das Gepäck und marschierten weiter zum vereinbarten Treffpunkt. Wieder querfeldein über Stock und Stein. Um 14 Uhr kamen sie an der nächsten Station an. Als letzte Aufgabe war ein Gewässer mit Booten zu überqueren, allerdings nicht mit Paddeln sondern mit umfunktionierten Spaten. Der Start fiel den RSU-Soldaten noch leicht. Dann schien jeder Paddelschlag immer schwerer und mühseliger. Das Gewicht der Spaten zerrte an den schon ohnehin abgekämpften Kameraden. Nur das immer näher rückende Ufer versprach Erlösung. Kaum angekommen, wartete ein kleiner Hinterhalt, den die abgekämpften Kameraden schlussendlich erfolgreich abwehren konnten.

Nach 24 Stunden voller Anstrengung und Einsatz war die Übung geschafft. Erschöpft, aber glücklich blickten die Marschierer auf ein ordentliches Abenteuer zurück. Und alle Kameraden gemeinsam auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit Berlins und Brandenburgs.

Ronald Göhe/Ralph Erlmeier

Bild oben:
Lichttarnung: Die Reservisten nutzen
Rotlicht, um die Karte zu lesen.
(Foto: David Plump)

Zweites Bild:
In der Operationszentrale nahmen
Reservisten Meldungen entgegen.
(Foto: David Plump)

Drittes Bild:
Seilsteg mit Gepäck und zusätzlicher Ausrüstung.
(Foto: David Plump)

Bild unten:
Marsch über einen verlassenen Bahndamm in
der Nähe der ehemaligen Heilstätten am Grabow-See.
(Foto: David Plump)

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