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Ab morgen Kameraden! – Wie Feinde zu Freunden wurden




Vor 27 Jahren fiel die Berliner Mauer. Dazu passend läuft im Haus der Geschichte in Bonn die Ausstellung "Ab morgen Kameraden! Armee der Einheit". Sie veranschaulicht noch bis zum 12. Februar 2017 den Prozess der Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) und die Integration ihrer Soldaten in die Bundewehr. Damit setzt die Ausstellung auch ein Zeichen für unsere Zukunft. Schon 16.000 waren dort.

Unauffällig steht ein russisches Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow mit verbogenem Lauf in einer Ecke der Ausstellung. Ein Sinnbild für das Ende des Kalten Krieges und der deutsch-deutschen Teilung. Das Haus der Geschichte hat sich für die Konzeption der Ausstellung entschieden, weil das Thema für die Bundesrepublik wichtig ist. "Für den Prozess der Wiedervereinigung sei es ein ganz besonderes Teilstück gewesen", sagt der Projektleiter Prof. Dr. Hanno Sowade. Doch die frühen 1990er Jahre bedeuteten für die Bundeswehr auch eine andere Zäsur: Ihre Aufgaben verschoben sich von der Landesverteidigung zum Einsatz außerhalb der Landesgrenzen. Deshalb schließt die Ausstellung mit einem Ausblick auf die Neuausrichtung der Bundeswehr nach der Wiedervereinigung und ihre ersten Auslandseinsätze.

Klassenkampf und Menschlichkeit
Die Gegensätze zwischen dem Westen und der Sowjetunion finden in der Ausstellung eine farbliche Entsprechung: Rot setzt sich die Ausstellungsfläche mit den Exponaten zur NVA vom blauen Bereich der Bundeswehr ab. Auf der einen Seite die Standarte mit Hammer und Zirkel, auf der anderen Seite die Fahne mit Bundesadler: Der Besucher fühlt sich direkt an die Zonengrenze versetzt: Diese Gegensätze verdeutlichen nicht nur die damaligen geopolitischen Verhältnisse, sondern machen die Ausstellung auch sehr übersichtlich. Zahlreiche Ausstellungsstücke vermitteln einen Eindruck vom Leben und Arbeiten in den beiden verfeindeten Streitkräften. Auf die politische und militärische Lage von Deutscher Demokratischer Republik (DDR) und Bundesrepublik Deutschland (BRD) wird genauso eingegangen, wie auf Ängste, Sorgen und Erwartungen der Soldaten. So berichtet ein Protokoll des Wachhabenden einer westdeutschen Kaserne: zwei vorgebliche NVA-Offiziere hätten in zivil Kontakt aufgenommen, um zu erfragen, welchen Status sie als Offiziere in der Bundeswehr haben werden.

Von der Geschichte lernen
Im Haus der Geschichte schaut sich Hans Hermann Rump um. Er kommt aus persönlichem Interesse. Er studiert die Exponate aufmerksam. "Die Ausstellung ist instruktiv." Der 71-Jährige hat den Kalten Krieg als Soldat erlebt: "Bei meinem Wehrdienst war die DDR noch das Feindbild." Ausstellungen wie diese und Einrichtungen wie das Haus der Geschichte findet er wichtig. Ein anderer Besucher ist Benedikt Hafke. Auch er war Grundwehrdienstleistender bei der Bundeswehr. Zum Verhältnis zwischen Bundeswehr und NVA kann er aber nichts sagen, das war vor seiner Zeit. Den Wandel der Bundeswehr hin zur Einsatzarmee hat er dafür mitbekommen. Ausgerechnet am 11. September 2001 – dem Tag der Anschläge in New York – bekam der heute 32-Jährige seinen Einberufungsbescheid. "Die Ausstellung ist interessant. Ich sehe die Gegensätze. Nur die Verschmelzung der beiden Armeen ist nicht ganz so gut dargestellt. Und die Fläche ist etwas klein", zieht er sein Fazit. Hafke hält es für wichtig, das geschichtliche Wissen weiterzugeben. Deswegen besucht er die Ausstellung mit seinem Sohn.

Eine spezielle Zielgruppe
Bislang haben mehr als 16.000 Besucher die Ausstellung gesehen. "Ein guter Wert für eine Ausstellung, die sich doch eher an ein spezielles Publikum richtet", sagt Peter Hoffmann, Pressereferent der Einrichtung. Menschen, die den Kalten Krieg selbst erlebt haben, politisch interessiert sind oder über einen Bezug zur Bundeswehr verfügen. Der Eindruck bestätigt sich. Während andere Ausstellungen im Haus der Geschichte gut besucht sind, finden deutlich weniger Personen ihren Weg zur "Armee der Einheit".

Für Reservisten lohnenswert
Die Ausstellung beleuchtet den Prozess des Wandels der Bundeswehr von der Verteidigungsarmee hin zu einer international aktiven Kampftruppe. Sie begründet die Bedeutung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den deutschen Streitkräften und zeigt, dass die Überwindung extrem verhärteter Feindbilder möglich ist. Das macht auch für die Konfliktherde der Gegenwart Hoffnung.

Die Ausstellung kann noch bis zum 12. Februar 2017 besucht werden. Der Eintritt kostet nichts. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 9 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr.

Passend zum Thema findet am 8. Dezember eine Podiumsdiskussion im Bonner Haus der Geschichte statt. Alle Infos hier.
 


Julian Hückelheim

Bild oben: Erster Abschnitt der Ausstellungsfläche. In rot
der Themenbereich zur Nationalen Volksarmee. In blau
der Bereich zur Bundeswehr (Foto: Julian Hückelheim).

Bild Mitte: Gefechtshelme von Bundeswehr (links)
und Nationaler Volksarmee (rechts). Ausschnitt
des Ausstellungsdisplays im Haus der Geschichte
(Foto: Julian Hückelheim).

Bild unten: Hans Hermann Rump an einer
Multimedia-Station in der Ausstellung
(Foto: Julian Hückelheim).

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