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Abschied, wie nach einem kurzen Staatsbesuch




Donnerstag, kurz nach 19 Uhr: Das Ehepaar zu Guttenberg steigt in eine schwarze Staatslimousine – vorneweg eine Militärpolizeieskorte auf Motorrädern. Als der Wagen anfährt, winken Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Umstehende ranghohe Soldaten salutieren. Die Bundeswehr sagt dem derzeit beliebtesten Politiker Deutschlands "Adieu" – so als wäre er auf Staatsbesuch in Berlin gewesen.

Und Karl-Theodor Freiherr zu Guttenbergs Debüt in der Bundespolitik wirkt rückblickend wie ein freundlicher Besuch. Der kometenhafte Aufstieg des Freiherrn ist nach knapp zwei Jahren auf der bundespolitischen Bühne aufgrund der sogenannten Plagiatsaffäre jäh beendet worden – vorerst.

Mit dem Baron aus Franken wird Deutschland weiterhin rechnen müssen – da sind sich die meisten Politiker, Bürger und Journalisten einig. Nur das Wann und Wo ist offen. Zu Guttenberg sagte bei einem Empfang vor dem Großen Zapfenstreich zu rund 450 Gästen: "Ich werde jetzt die eine oder andere Erinnerung aufschreiben. Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde". Selbstironie vor dem Abtritt. Das macht ihn sympathisch. So mag ihn Deutschland.

Der Große Zapfenstreich wurde ihm zu Ehren abgehalten. Es ist üblich, dass der Geehrte drei Musikwünsche äußern darf. Das Stabsmusikkorps spielte den Deep-Purple-Rockklassiker "Smoke On The Water" sowie die Märsche "Großer Kurfürst" und "König Ludwig II." Gerade der Rocksong war für die Musiker eine Herausforderung, denn das Stück wurde für die Bläser extra arrangiert. Zu Guttenberg musste seine ursprünglichen Musikwünsche von Rolling-Stones-Werken zurückziehen – sie wären von Bläsern nicht spielbar gewesen.

Im Abgang zeigte sich der 39-Jährige somit wieder so, wie er während seiner Amtszeit war: unorthodox, offen fürs Neue. Er hat die Bundeswehrstrukturreform eingeleitet – seine größte Leistung in dieser kurzen Zeit. Kritiker mögen jetzt sagen, er hinterlasse seinem Nachfolger unzählige Baustellen. Das stimmt. Es liegt jedoch in der Natur der Sache eines plötzlichen Rücktritts aus persönlichen Gründen. Doch wenn zu Guttenbergs architektonischen Pläne vom neuen Bauleiter Thomas de Maizière vollendet sind, kann auf ein sehenswertes Bundeswehrgebilde gehofft werden. Das wird zu Guttenbergs Verdienst sein. Und so wird es in den Geschichtsbüchern niedergeschrieben werden, ebenso wie seine persönliche Verfehlung in Sachen Plagiat bei der juristischen Doktorarbeit. Seinen Sympathiewerten hat es erstaunlicherweise nicht geschadet. Was in den Köpfen der Bürger hängen bleiben wird, wird sich spätestens beim Comeback des bayerischen Franken zeigen.

Ein Meinungsartikel von Detlef Struckhof.
Der Autor ist der verantwortliche
Online-Redakteur des Reservistenverbandes.

Bild oben: Aufbruch ins Zivilleben. Zu Guttenberg wird
mit Ehefrau Stephanie in einer Staatskarosse nach Hause
gefahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts)
und Nachfolger Thomas de Maizière (2. von rechts)
winken (Foto: Bundeswehr, Bienert, flickr.com)

Bild Mitte: Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (Mitte)
nimmt den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr ab.
Links steht sein Nachfolger Thomas de Maizière auf dem Podest,
rechts der Generalinspekteur der Bundeswehr General Volker Wieker
(Foto: Bundeswehr, Bienert, flickr.com)

Bild unten: Großer Zapfenstreich für Karl-Theodor
Freiherr zu Guttenberg vor dem Bendler-Block in Berlin
(Foto: Bundeswehr, Bienert, flickr.com)

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