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Afghanistanbuch nach Selbstversuch: „Krieg ist nur vorne Scheiße“




"Ist das jetzt mein Krieg?" fragt sich Gregor Weber, als er mit seinem Radpanzer vom Typ Fuchs bei einer Routinefahrt auf der Strecke zwischen Kundus und Taloqan stecken bleibt. In seinem neuen Buch "Krieg ist nur vorne Scheiße, hinten geht’s" resümiert der ehemalige Tatort-Kommissar und Feldwebel der Reserve seinen Einsatz in Afghanistan.

Er sei "deutscher Wohlstandsbürger, Winkelbewohner, Wiesenspazierer. Und Reservist", sagt Weber über sich selbst. 2013 geht er als Pressefeldwebel für dreieinhalb Monate nach Afghanistan. Auslandseinsatz im Selbstversuch. Eine Erfahrung, die er nicht missen wolle, erzählt er dem Reservistenverband.

Einsatz nie bereut
"Ich habe mich für meinen Einsatz in Afghanistan bewusst entschieden", sagt der heute 45-Jährige. Auf lebensgefährliche Situationen war er gefasst: "Wenn man so eine Entscheidung trifft, gibt es kein Zurück und kein Bereuen. Das ist Unsinn. Es ist naiv zu glauben, dass man ohne Risiko in solch einen Einsatz gehen kann." Der Einsatzalltag verlangt den Soldaten alles ab: "Sieben-Tage-Woche, zehn, zwölf oder mehr Arbeitsstunden am Tag, für mich als Freiberufler eine Herausforderung. Aber ich habe nie gedacht, 'hättest du das bloß nicht gemacht'", sagt Weber.

Mut der Afghanen bewundernswert
Als Pressefeldwebel berichtet er über die Bundeswehr in Kundus und Taloqan, dokumentiert auf Bild und Papier. Was Weber beeindruckt, sind die Menschen in Afghanistan: "Sie sind unglaublich arm, haben aber so viel Mut und Ausdauer. Sie leben jeden Tag mit dem Gedanken, dass sie erschossen oder nachts aus dem Bett gezerrt werden könnten", erzählt er. Und: "Allein, dass jetzt im April so viele zur Wahl gegangen sind, ist mutig. Es hätte lebensgefährlich für sie werden können." Der Einsatzrückkehrer ist sich sicher, dass Afghanen selbst über die Kandidaten und Zukunft ihres Landes entscheiden wollen.

Miteinander reden
Sein Buch – erschienen im Droemer-Verlag – sieht der Autor als Aufmunterung zum Dialog zwischen Soldaten und Nicht-Soldaten, zwischen Bundeswehr und Bevölkerung: "Da sehe ich Nachbesserungsbedarf. Wir dürfen uns voreinander nicht verschließen. Ich habe das auch bei Reservisten oft gesehen. Viele sagen, die Bundeswehr will uns nicht, die Gesellschaft versteht uns nicht, sind eh alle gegen uns, so eine Haltung darf nicht sein. Wir müssen miteinander reden."


Auch Einsatzkritik ist wichtig

Selbst die Vorbehalte vieler Bürger gegen den Afghanistaneinsatz sieht Weber positiv: "Der einsatzskeptische Bürger ist nicht etwa unser Feind. Er ist wichtig für die Bundeswehr", ist er sich sicher. "Wenn kritische Bürger Politiker wählen, überlegen sich diese gleich zweimal, ob sie die Bundeswehr irgendwo in den Einsatz schicken."

Ein Buch für Soldaten und Zivilisten
Was er sich für seine Leser wünsche? "Dass jeder seinen Kopf öffnet für Neues und das, was ihm fremd ist. Dass wir für Gespräche, Länder und füreinander offen sind, egal ob Soldaten oder Zivilisten." Sein Buch ist gespickt mit Erklärungen, Fachbegriffe erläutert der Autor: "Ich sehe mich als Reporter, der berichtet, damit jeder etwas für sich aus dem Buch mitnehmen kann."

Nach "Tatort"-Einsatz: Kundus
Autor Gregor Weber hat nach seinem Abitur den Grundwehrdienst bei der Marine absolviert. Seit 1995 war er als Fernsehschauspieler tätig – unter anderem als Sohn Stefan der "Familie Heinz Becker" und im "Tatort" des Saarländischen Rundfunks. Gregor Weber ist Mitglied des Reservistenverbandes. 2013 ging der Reservist als Feldwebel für dreieinhalb Monate nach Afghanistan.

Eine Leseprobe von "Krieg ist nur vorne Scheiße, hinten geht’s" gibt es hier. Das Laden der Seite dauert weniger als eine Minute.


Andelka Krizanovic

Bild 1: Autor Gregor Weber hat ein Buch über seinen
Afghanistaneinsatz geschrieben (Foto: Droemer).

Bild 2: Ein Pressefeldwebel in Afghanistan: Autor Gregor
Weber während seines dreieinhalbmonatigen
Einsatzes im Jahr 2013 (Foto: Droemer).

Bild 3: Ein Ausschnitt des Buch-Covers "Krieg ist nur
vorne Scheiße, hinten geht’s" (Foto: Droemer).

Bild 4: In einem Radpanzer vom Typ Fuchs wie diesem
beginnt das erste Kapitel von Gregor Webers Buch
"Krieg ist nur vorne Scheiße, hinten geht’s" (Foto: Droemer).

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