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Arzt und Reservist – eine ideale Verbindung

Theodor Burkart zeigt, wie wertvoll es für den Arbeitgeber und auch die Umgebung sein kann, wenn er seine Expertise nicht nur in seinem Beruf, sondern auch für die Bundeswehr einbringt.

Theodor Burkart ist Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmedizin...

Foto: Benjamin Vorhölter

...und engagiert sich im Kreisverbindungskommando Dortmund.

Foto: Benjamin Vorhölter

Mehrere Verdachtspunkte mit Bomben-Blindgängern bereiten der Stadt Dortmund Kopfzerbrechen. Die Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen im südlichen Innenstadtbereich, mitten in „Klinikviertel“. Bevor der Kampfmittelräumdienst sie im Januar entschärfen kann, müssen in einem Radius von 500 Metern die Straßen, Wohnungen, Seniorenheime und Kliniken evakuiert werden. Betroffen sind nicht nur bis zu 1.700 Patienten und rund 13.000 Bewohner, sondern auch die Verkehrsführung in der Innenstadt und der Dortmunder Hauptbahnhof als ein Verkehrs-Knotenpunkt. Wie sichert man die Versorgung der evakuierten Bewohner und der Einsatzkräfte, eventuell über mehrere Tage? Und vor allem – wie sichert man die Versorgung von ca. 350 Notfallpatienten täglich, wenn drei große Krankenhäuser einer 600.000-Einwohner-Stadt aus der Versorgung genommen werden müssen?

Mit diesen Fragen sieht sich Theodor Burkart konfrontiert. Der Facharzt für Anästhesiologie des St.-Christophorus-Krankenhauses in Werne dient als Sanitätsstabsoffizier und Verbindungsoffizier (offiziell: Sanitätsstabsoffizier Senior Manager Gesundheitsversorgung, SanStOffz SenMgr GesVers) für den Sanitätsdienst im Kreisverbindungskommando (KVK) Dortmund. Es besteht aus Reservisten, die den Krisenstab der Stadt und den Oberbürgermeister darüber beraten, wie die Bundeswehr in einem Katastrophenfall Amtshilfe leisten kann. Für die Mega-Evakuierung mit drei betroffenen Krankenhäusern steht die Frage im Raum, ob die Bundeswehr mit einem Rettungszentrum oder mit personeller Unterstützung entlasten kann. Theodor Burkart berät bei dieser Anfrage die Verantwortlichen, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Er fragt nach, welche definierten Fähigkeiten in welcher Größenordnung von der Stadt benötigt werden und erläutert, welche Möglichkeiten die Bundeswehr zur Verfügung hätte. Der Oberfeldarzt d.R. formuliert mit dem Leiter des KVK entsprechende Anträge für ein Amtshilfeersuchen.

Erst alle zivilen Möglichkeiten ausschöpfen

Es folgen Beratungen mit der Bezirksregierung Arnsberg, mit dem Landeskommando Nordrhein-Westfalen und mit der Landesregierung. „Es ist klar geregelt: Bevor die Bundeswehr einspringt, müssen alle zivilen Möglichkeiten ausgeschöpft sein“, berichtet Theodor Burkart. In den ressortübergreifenden Gesprächen mit Vertretern der involvierten Behörden werden verschiedene Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Schließlich findet man andere Lösungen im zivilen Bereich. Amtshilfe der Bundeswehr ist nicht mehr nötig. In Situationen wie bei der Mega-Evakuierung in Dortmund ist es hilfreich, wenn jemand wie Theodor Burkart als Angehöriger des KVK bei den Beratungen mit am Tisch sitzt. Er hat die notwendige notfallmedizinische Erfahrung, kennt die Katastrophenschutzstrukturen und die Strukturen im Notarzt- und Rettungsdienst aus eigener langjähriger Erfahrung. Zudem weiß er, welche Fähigkeiten die Bundeswehr anbieten kann. Meist haben die Kameraden der Feuerwehr oder Hilfsorganisationen eine eher rudimentäre Vorstellung über die Möglichkeiten der Bundeswehr. Die Truppe ist darüber hinaus weniger in der Fläche vertreten als das noch zu Zeiten des Wehrdienstes der Fall war. „Da braucht es einen „Dolmetscher“, der beide Seiten kennt und versteht“, sagt Theodor Burkart.

Diese Qualifikation bringt der Arzt aus dem St.-Christophorus-Krankenhaus mit, weil die Bundeswehr und die Notfallmedizin seine berufliche und militärische Karriere begleiten. Theodor Burkart geht nach dem Abitur im Juli 1982 als Wehrpflichtiger zum Sanitätsbataillon 7 in Hamm. „Ich wusste nicht genau, was machst du jetzt“, sagt der Oberfeldarzt der Reserve. Burkart gefällt die sanitätsdienstliche, die militärische Ausbildung und die körperliche Herausforderung während der Grundausbildung. Er verpflichtet sich für vier Jahre als Soldat auf Zeit. Sein Ziel ist es, den Beruf des Krankenpflegers zu erlernen, was damals noch in dieser kurzen Dienstzeit möglich war. Anstatt ins benachbarte Bundeswehrkrankenhaus in Hamm zu wechseln bleibt er allerdings in der Grundausbildungskompanie des Sanitätsbataillons 7. Ein Wechsel hätte nur mit gleichwertigem Ersatz in der Grundausbildungskompanie funktioniert, sagt ihm sein Chef damals.

Ausbildung nach Vorschrift von 1962

Theodor Burkart bleibt und treibt die sanitätsdienstliche Ausbildung in seiner Kompanie voran. „Ich habe nach einer Ausbildungsvorschrift von 1962 ausgebildet. Da waren viele Sachen drin, die im Vergleich zur zivilen Sanitätsausbildung eher überholt waren“, sagt Burkart. Der Sanitätsdienst entfacht sein Interesse an der Notfallmedizin, in seiner Freizeit fährt er ehrenamtlich im Dortmunder Rettungsdienst und lernt in Sachen medizinischer Versorgung und Umgang mit Verletzten dazu. „Das, was ich in der Grundausbildung und beim Rettungsdienst gelernt habe, wollte ich den Rekruten in der Grundausbildung weitergeben. So haben wir Fallbeispiele möglichst echt dargestellt und zum Beispiel mit Schminkstiften und EPa Verletzungen simuliert“, schildert Burkart. Sein Kompaniechef unterstützt ihn dabei, die Ausbildung weiterzuentwickeln. Theodor Burkart ist es wichtig, den Rekruten etwas zu vermitteln, das sie auch im zivilen Leben anwenden können. „Das war eine ideale Verbindung“, sagt er.

Auf der anderen Seite lernt der Facharzt bei der Bundeswehr im Unteroffizierlehrgang das Führen kleiner Gruppen und wie man sich in stressigen oder kritischen Situationen verhält und besonnen bleibt. Das hilft ihm im Rettungsdienst. Antreten, Lagebesprechung und Befehlsausgabe habe es damals im Rettungswesen nicht so gegeben, heute seien die Strukturen aber wesentlich professioneller. Es sei wichtig, klare Denkstrukturen zu entwickeln, sagt Burkart. Er hat mittlerweile Erfahrung als Rettungsassistent und Notarzt gemacht. 1998 bekommt er ein Schreiben der Bundeswehr, die Reservisten zur Unterstützung der Soldaten im Auslandseinsatz sucht. Die Bundeswehr ist in Bosnien und im Kosovo im Einsatz. Burkart arbeitet zu diesem Zeitpunkt als Assistenzarzt in der Anästhesie eines Essener Krankenhauses. Ihn reizt die Vorstellung, sich als aktiver Reservist zu engagieren. Er möchte Reservistendienst in einem der Luftrettungszentren der Bundeswehr leisten. Erfahrung in der Luftrettung hat er bereits gesammelt. Doch es verschlägt ihn über Wehrübungen im Heimatschutzbataillon 631 und der Reservelazarettgruppe Hemer zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit. Bei der Übung Bunter Reinhold 2002 in Dortmund erlebt Burkart, wie Feuerwehr, Rettungsdienste und Heimatschutzbataillon zusammenarbeiten.

Analytische Taskforce

Er bewirbt sich um den Posten des Sanitätsoffiziers im KVK Dortmund. Als Anästhesist, Notarzt und Facharzt für Intensivmedizin kennt er die Strukturen und Möglichkeiten des zivilen Gesundheitswesens und erweitert ständig sein Wissen. Nach seinem Wechsel in ein Dortmunder Klinikum wird er Mitglied der Leitenden-Notarzt-Gruppe und wird er als Feuerwehrarzt Fachberater der Analytischen Taskforce und der Verletzten-Dekontaminationseinheit der Feuerwehr. Die von ihm besuchten Lehrgänge zur ABC-Abwehr an der Sanitätsakademie in München und der AKNZ in Bad Neuenahr-Ahrweiler erweisen sich als nützlich.

Die Analytische Taskforce in Dortmund ist eine von sieben Spezialeinheiten im Bundesgebiet, die zur Bewältigung von chemischen, biologischen, radioaktiven und nuklearen Bedrohungslagen bereitsteht und aus Chemikern, Biologen und Feuerwehrangehörigen gebildet wird. Die dort erworbenen Kenntnisse nutzen dem Facharzt für Notfallmedizin und Leiter des Notarztstandortes Werne bei seinen Rettungsdiensteinsätzen und lassen sich auch im Klinikalltag anwenden. Wie geht man mit einem hochinfektiösen Patienten um? Welche Schutzmaßnahmen gibt es? Wie schützt man eigenes Personal? Welche Herausforderungen stellt der Transport und die Versorgung eines kontaminierten oder hochinfektiösen Patienten in Rettungsdienst und Klinik dar? Alles hochaktuelle Fragen. „Ich mache hier etwas Sinnvolles, wobei sich zivile und militärische Erfahrungen hervorragend ergänzen und das in einem zumutbaren Rahmen für meine Familie und für meinen Arbeitgeber“, sagt der Anästhesist über sein Engagement als Reservist im KVK Dortmund.

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