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Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat mehr als 115.000 Mitglieder. Wir vertreten die Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten.

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„Auch ein Arzt muss rechtzeitig in Deckung gehen können“




Bei der medizinischen Versorgung ihrer Soldaten ist die Bundeswehr immer mehr auf zivile Ärzte angewiesen (wir berichteten). Auch Reservisten sind dabei gefordert. Warum es so schwer fällt, geeignete Mediziner zu finden und wie Reservisten helfen können, erklärt Dr. Stephan Hofmeister, Flottenarzt der Reserve aus Hamburg.

Die Lage im Sanitätsdienst der Bundeswehr ist ernst: 500 Planstellen für Ärzte sind derzeit nicht besetzt. Zugleich arbeiten die Streitkräfte mit 1.400 Vertragsärzte zusammen – so viele wie nie zuvor. "Doch auch im zivilen Bereich sind Ärzte Mangelware", sagt Hofmeister, Stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Sanitätsdienst. Es fehlt an Psychiatern, Anästhesisten, Chirurgen, Allgemeinmedizinern. "Im Gesundheitsmarkt gibt es keine Arbeitslosen mehr." Absolviert ein Arzt eine Wehrübung, fehlt er der Praxis oder dem Krankenhaus und hinterlässt dort eine Versorgungslücke.

Lange Vorlaufzeiten erschweren schnelle Deckung des Bedarfs
Das Problem in der Truppe ist die Vorlaufzeit: Offiziersanwärter im Sanitätsdienst müssen erst einmal ein anspruchsvolles Studium und in Teilen eine Facharztausbildung durchlaufen. Schnelle Anpassungen des Bedarfs sind so kaum möglich. Einige von ihnen arbeiten mit aufsteigendem Dienstgrad in Stäben statt in der Patientenversorgung, vergleichbar mit zivilen Chefärzten in der Krankenhausverwaltung. Immer seltener verfügen zivile Ärzte über eine Vordienstzeit und Frauen – immerhin die Hälfte aller Mediziner in Deutschland ist weiblich – haben in der Regel überhaupt keine militärische Vorerfahrung. "Doch genau die ist wichtig für eine Armee im Einsatz", sagt der Stellvertretende Präsident der Interalliierten Vereinigung der Sanitätsoffiziere der Reserve (CIOMR). "Eine infanteristische Vorausbildung ist nötig. Auch die Ärzte müssen wissen, dass sie den Kopf nicht zu weit oben haben dürfen."

Flexible und individuelle Ansprache sowie völlig neue Konzepte zur Einbindung hochqualifizierter Mangelberufe sieht Hofmeister als eine Notwendigkeit, um an qualifizierte Mediziner zu kommen: "Wir brauchen eine hohe Zahl von Reservisten, damit später einige wenige tatsächlich zur Verfügung stehen." Auch weniger starre Zeit-Modelle könnten den Ärztemangel abmildern, etwa in Form von "Teilzeit-Wehrübungen": Morgens in der Kaserne, nachmittags in der Praxis. "Wir brauchen mehr Reservisten, doch deren Einbindung wird extrem schwer."

Wer etwas für sein Land tun möchte, kann sich hier über freie Beorderungsdienstposten informieren oder sich an das Personalamt der Bundeswehr wenden. Auch der Arbeitskreis Sanitätsdienst, dem 450 San-Offiziere angehören, bietet auf seiner Homepage eine eigene Stellenbörse an.


Hier geht’s zum Sanitätsdienst der Bundeswehr

Sören Peters

Bild oben:
Sanitätssoldaten tragen einen Verwundeten
zum Hubschrauber Bell UH-1 D
(Foto: Bundeswehr/Trotzki via flickr.com)

Bild unten:
Dr. med. Stephan Hofmeister, Flottenarzt d.R. und
Stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Sanitätsdienst
(Foto: AK San)

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