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Auf dem Truppenübungsplatz: Einsatz für die Natur




Eine große Staubwolke steigt auf. Ein MAN-Lkw braust heran. Der Fahrer lenkt sein allradgetriebenes ehemaliges Bundeswehrfahrzeug in ein Schlammloch auf dem Truppenübungsplatz Schmidtenhöhe in Koblenz. Das Fahrerhaus taucht ein, Dreck spritzt. Plötzlich: das Fahrzeug bockt, der Motor röhrt, die Reifen drehen durch. Ein Schleppfahrzeug muss Hilfe leisten – ebenfalls ein ehemaliges Bundeswehrfahrzeug, denn hier treffen sich Liebhaber von militärischen Fahrzeugen. Alltag beim 16. Geschichts- und Historientreffen auf der Schmidtenhöhe.

Einige Meter davon entfernt greift Wolf-Teja von Rabenau, Pressesprecher des Koblenzer Vereins Military Vehicle Drivers (MVD), ins Gras und präsentiert einen Laubfrosch. "Um ihn geht es!", sagt von Rabenau. "Ohne unser jährliches Treffen, das wir immer nach Ende der Laichzeiten am ersten Septemberwochenende veranstalten, wäre der Laubfrosch auf der Schmidtenhöhe vom Aussterben bedroht."

Lebensraum Truppenübungsplatz
Die fast 80 Jahre lange militärische Nutzung des Areals hat die Landschaft geprägt: Speziell die schweren Fahrzeuge der Panzertruppe haben den Boden verdichtet und die Verwaldung der offenen Flächen verhindert. Ein Wechsel aus Waldflächen und offener Graslandschaft – immer wieder durchbrochen von Tümpeln. Überall kleine Feuchtgebiete. Das charakterisiert die Schmidtenhöhe. In diesem Lebensraum haben sich im Laufe der Zeit unterschiedlichste Tierarten angesiedelt. Zwei besondere Vertreter sind der gefährdete Laubfrosch und die stark gefährdete Gelbbauchunke: "Die größte Population in Rheinland-Pflalz", sagt Andreas Haberzettl, Vorsitzender des örtlichen Naturschutzbundes (Nabu). Konsequenterweise wurde das Gebiet des Übungsplatzes im Jahr 2005 zu einem europäischen Schutzgebiet erklärt. Seitdem ist der Nabu mit der Landschaftspflege des Übungsplatzes beauftragt.

Lurche könnten verschwinden
Die sicherheitspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre sind jedoch auch an der Schmidtenhöhe nicht spurlos vorübergegangen. Durch die rückläufige militärische Nutzung des Übungsplatzes droht der Lebensraum der Lurche zu verschwinden. "Wenn wir nichts machen würden, wäre das irgendwann ein normaler Wald", merkt Haberzettl dazu an.

Panzerhandel im Internet
In diesem Jahr sorgen rund 500 Fahrzeuge für den Naturschutz – viele Fahrer, ohne es zu wissen. Sie haben einfach Spaß. Wie zum Beispiel die Freunde Elmar Winkler und Nicole Fuidl. Die beiden sind mit ihrem Kettenfahrzeug vom Typ FV432 – einem Truppentransporter britischen Fabrikats – von Neuburg an der Donau nach Koblenz gekommen. Der Anschaffungspreis eines solchen Gefährtes liegt meistens in fünfstelliger Höhe.

Solche Fahrzeuge werden im Internet frei gehandelt. "Ein bekanntes Internetportal ist zum Beispiel panzer-handel.de", sagt Winkler. Die beiden betreiben ein teures Hobby. "Allein der Transport des Panzers per Spedition kostet 2.000 Euro", verrät der 43-Jährige. Eine Anfahrt mit dem Panzer über die Straße ist nicht erlaubt. Dafür darf der Panzer auf dem Gelände mit dem normalen Führerschein Klasse B gefahren werden. Und die Ausfahrten belohnen. "Immer wieder Nervenkitzel!", sagt die 31 Jahre alte Fuidl mit einem Lächeln im Gesicht. Um die Kosten ein wenig zu decken, bieten die beiden Mitfahrten an. 40 Euro für etwa eine viertel Stunde. Eines von vielen Angeboten auf dem Platz, von denen die rund 1.000 Besucher des Wochenendes gerne Gebrauch machen.

"Museum zum Anfassen"
Es geht auf der Schmidtenhöhe jedoch nicht nur um die Geländefahrten. Die Teilnehmer leben in stilechten Militärlagern. Jede Gruppe in einer eigenen Welt. Manche im frühen Mittelalter als Wikinger oder Ritter, andere in der Weltkriegszeit oder heute in Afghanistan. Einer von ihnen ist David Schiller. Der promovierte Politikwissenschaftler sitzt im Lager einer britischen Militäreinheit aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Sonnensegel schützt ihn an diesem 32 Grad heißen Tag vor der Mittagssonne. Der Nebentisch ist beladen mit allerhand zeitgemäßen unbrauchbar gemachten Schuss- und Stichwaffen sowie Militärausrüstung. Gehaust wird hier in Zelten. Als Sanitäreinrichtungen dienen nur mobile Chemie-Toiletten des 21. Jahrhunderts. Schiller ist Reservist der israelischen Armee. Dort war er Fallschirmjäger. Nun mimt er einen britischen Captain (Hauptmann) der Fallschirmjägertruppe. Für ihn ist die Schmidtenhöhe "ein Museum zum Anfassen".

Jäger und Sammler stehlen nicht
Einige Dutzend Meter entfernt bewachen Andreas Hennig und Normen Neumann eine Straßensperre, gemeinsam besetzt von Briten und US-Amerikanern. Ein Checkpoint in Afghanistan. Hennig in der Rolle eines Captains des Vereinigten Königreichs. Neumann gibt sich mit dem Rang eines Sergeants (Unteroffizier) zufrieden. Er nennt sich Newman und ist vollbewaffneter US-Soldat. Auch dieses Outfit ist nicht billig. Neumann sagt: "Die Hose kostet 10 bis 20 Euro, der echte Helm 200, die Schutzweste bis zu 300. Die Softair-Waffe aus Vollmetall ist nicht unter 200 Euro zu bekommen." Was bewegt die Männer, diesem Hobby nachzugehen. Hennig aus dem Kasseler Raum sagt: "Wir sind alle Jäger und Sammler." Neumann aus Düsseldorf ergänzt: "Hier sind wir eine große Familie. Hier wird nichts gestohlen. Du kannst einfach alles liegen lassen."

Eine bunte Truppe
In der Öffentlichkeit haftet solchen Treffen oft der Ruf von blankem Militarismus oder der dumpfen Pflege rechten Gedankengutes an. Davon auf der Schmidtenhöhe keine Spur. David Schiller zum Beispiel ist Jude, MVD-Pressesprecher von Rabenau ist Berufssoldat – Pressestabsoffizier beim Landeskommando Hessen. Laut seiner Aussage sind drei Viertel der Teilnehmer Reservisten der Bundeswehr.

Festivalatmosphäre
Gegen Abend wird es etwas ruhiger auf der Schmidtenhöhe. Der Fahrbetrieb ist seit 18 Uhr eingestellt. Die Teilnehmer finden sich in ihren Camps ein. Sitzen zusammen. Musikfestival-Atmosphäre.
 

Julian Hückelheim

Bild oben: Gemeinsamer Checkpoint
von Briten und US-Amerikanern in Afghanistan
auf der Schmidtenhöhe (Foto: Detlef Struckhof).

2. Bild: Wolf-Teja von Rabenau, Pressesprecher des Vereins
Military Vehicle Drivers (MVD) aus Koblenz
(Foto: Detlef Struckhof).

3. Bild: Ein Lkw der Firma MAN, Typ 15 Tonnen
militärisch geländegängig "KAT I", durchfährt ein Schlammloch
(Foto: Detlef Struckhof).

4. Bild: Elmar Winkler und Nicole Fuidl abfahrbereit
in ihrem britischen Truppentransportpanzer vom Typ FV432
(Foto: Detlef Struckhof).

5. Bild: David Schiller in britischer Zweiter-Weltkriegs-Uniform
im Range eines Captains (Hauptmann) (Foto: Detlef Struckhof).

6. Bild: Andreas Hennig (links) in der Uniform eines Captains
der britischen Armee und Normen Neumann als US-Sergeant
(Unteroffizier) im Gespräch (Foto: Detlef Struckhof).

 

7. Bild: Theresa Pollmanns, 22 Jahre ist mitgefahren. Sie sagt:
"Am Anfang hat man etwas Angst." (Foto: Detlef Struckhof).
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