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Aus der aktuellen ‚loyal‘: Operative Kommunikation




"Die Zukunft des Kriegs ist die Kombination von 'Mad Men' und 'Game of Thrones.'" Dieses Zitat des US-Militärexperten Peter Singer bringt auf den Punkt, dass Krieg heutzutage immer auch ein Krieg der Geschichten ist.

Auch die Bundeswehr hat ihre "Mad Men." Sie verbergen sich unter dem Begriff "Operative Kommunikation", nach dem diese Truppengattung inzwischen benannt ist. Der Begriff ist sperrig, distanziert, ohne zivile Entsprechung. Das dürfte Absicht sein. Bei ihrer Gründung im Jahr 1958 hieß die Truppe noch Psychologische Kampfführung, von 1970 bis 1990 dann Psychologische Verteidigung. Das klingt nach Beeinflussung und Manipulation. Genau das war lange Zeit auch der Auftrag. Bis Mitte der 70er Jahre warfen die PSV-Soldaten mit Hilfe von Wasserstoffballons Flugblätter über der DDR ab.

Auftrag: Auf gegnerische Streitkräfte und die Bevölkerung in Einsatzgebieten einwirken
Nach der Wiedervereinigung begann unter der Bezeichnung "Truppe für Operative Information" der Umbau zu einer modernen Medieneinheit, die kommunikativ auf gegnerische Streitkräfte und die Bevölkerung in Einsatzgebieten einwirken soll. Dieser Auftrag hat im Kern bis heute Bestand. Das bekannteste Medium und Aushängeschild der Truppe hat damit auf den ersten Blick jedoch nichts zu tun. Radio Andernach, der Truppenbetreuungssender der Bundeswehr, produziert seit 1974 Radiosendungen. Die wurden zunächst auf Kassette und später auf CD aufgenommen und per Post an die Standorte geschickt. Im Jahr 1993 sendete Radio Andernach erstmals live. Inzwischen ist das Programm in allen Einsatzgebieten sowie via Internet im Livestream zu hören.

Truppengattung mit der höchsten Einsatzerfahrung
Die Erfahrungen aus der professionellen Radioproduktion nutzten die Soldaten später auch in ihren Einsätzen. Diese haben das Selbstverständnis der Truppe deutlich geprägt. Seit Somalia 1993 waren Soldaten der OpInfo an praktisch jedem Einsatz beteiligt und dürften zu den Truppengattungen mit der höchsten Einsatzerfahrung zählen. Insbesondere im Rahmen der Sfor-Mission in Bosnien-Herzegowina prägten Produkte der Operativen Information die Wahrnehmung durch die Bevölkerung. Die Jugendzeitschrift "Mirko", der Sender "Radio Mir" und das Programm von TV-SFOR wurden maßgeblich durch deutsche Soldaten gestaltet. Mit einem vergleichbaren Medienmix unterstützte OpInfo auch die Einsätze im Kosovo und Afghanistan. Hinzu kamen Lautsprechereinsätze und die direkte Gesprächsführung mit lokalen Entscheidungsträgern in den Einsatzgebieten. Im Jahr 2000 begann der Aufbau der so genannten Einsatzkameratrupps, deren Bewegtbilder vor allem der Information der politischen und militärischen Führung dienen. Außerdem wurde die interkulturelle Einsatzberatung der OpInfo-Truppe zugeordnet.

Zentrum arbeitet wie eine große Kommunikationsagentur
Mit der Umbenennung und der Zusammenlegung aller Einheiten im Zentrum für Operative Kommunikation (ZOpKomBw) am Standort Mayen Ende 2013 hat sich der Auftrag nochmals erweitert. Während zuvor vor allem die taktische Informationsarbeit im Mittelpunkt stand, gehört nun auch die umfassende kommunikative Analyse des Informationsumfelds zu den Aufgaben der OpKom-Truppe. Das Zentrum arbeitet damit wie eine große Kommunikationsagentur, die über alle Medien hinweg arbeitet. Einzige Einschränkung: Die Bevölkerung und die eigenen Soldaten bleiben in der Theorie tabu. Obwohl inzwischen auch das Bundeswehrfernsehen bwtv in Mayen produziert wird, die Ausbildungswege des Personals ähnlich sind und eine engere Zusammenarbeit im Medienverbund der Bundeswehr sinnvoll wäre, trennt das Verteidigungsministerium – noch – strikt zwischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Operativer Kommunikation.

Sascha Stoltenow

Der Autor ist Kommunikationsberater in Frankfurt am Main.
Er diente als Zeitsoldat bei der Truppe für Operative Information.

Bild oben:
Der Auftrag der Truppe für Operative Information lautet,
mit Hilfe einheimischer Sprachmittler das Gespräch mit der
Bevölkerung zu suchen. Dabei verteilen die Soldaten die
Isaf-Zeitung Sada-e-Azadi an die Bevölkerung.
(Foto: Bundeswehr / Kazda via flickr.com)

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