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Ausfall von Übungen: Es gibt ein Bewirtschaftungsproblem




In diesem Jahr kam es innerhalb der Bundeswehr und bei zahlreichen Reservisten zu Verwirrungen, Enttäuschungen und Ärger. Der Grund: Übungen wurden teilweise sehr kurzfristig abgesagt, weil es nicht genügend Dienstleistungstage mehr gibt, so die Begründung. Angeblich sollen die im Bundeshaushaltsplan insgesamt 915.000 finanziell bereitgestellten Einzeltage für die notwendige Flüchtlingshilfe der Bundeswehr benötigt worden sein. Darüber sprach die Redaktion mit dem Leiter des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr. Oberst Benedict Freiherr von Andrian-Werburg sagt, dass die Probleme hausgemacht seien.

"loyal": Wo kommen die Dienstleistungstage her?

Oberst Freiherr von Andrian-Werburg: Zunächst aus dem Personalstrukturmodell und dann aus dem Bundeshaushaltsplan. Festgeschrieben waren für 2016 insgesamt 2.500 Stellen für Reservisten. Dafür steht das Geld bereit. Das ist eine gesetzliche Höchstgrenze. Jede Stelle können sie mit 365 beziehungsweise 366 Tagen multiplizieren. Dann kommen sie auf die Gesamtzahl an Dienstleistungstagen pro Jahr. Als Planungsgröße umfasst unsere Zielstruktur zurzeit etwas mehr als 61.000 Reservisten. Wenn wir die hätten und wir jeden davon 14 Tage im Jahr zu einer Dienstleistung heranzögen, reichten die Tage völlig aus. Die Praxis sieht anders aus. Das liegt auch daran, dass der Bedarf groß ist und der Reservistendienst in den letzten Jahren attraktiver geworden ist: erhöhte Mindestleitung, Verpflichtungszuschlag, bis zu zehn Monate Reservistendienst am Stück möglich. Und genau da beginnen Planungsprobleme. Ein Reservist, der zehn Monate am Stück Reservistendienst erbringt, verbraucht also fast eine der 2.500 Stellen.

"loyal": Ist die notwendige Flüchtlingshilfe also gar nicht schuld?

von Andrian-Werburg: Jedenfalls nicht erheblich. Aufgrund der Zahlen, die uns vorliegen, haben wir in diesem Jahr bis zum 30. Juni tatsächlich 56 Stellen verbraucht, aufs ganze Jahr fortgeschrieben werden das etwa 112 Stellen werden. Das macht also nur 4,5 Prozent unserer Stellen aus.

"loyal": Woran liegt es dann?

von Andrian-Werburg: Zunächst einmal natürlich daran, dass der Bedarf an Reservisten einerseits und die Dienstleistungsbereitschaft der Reservisten andererseits höher ist, als in den vergangenen sieben Jahren und niemand offenbar geglaubt hat, dass es knapp wird. Dass es zu teilweise kurzfristigen Absagen kommen musste, offenbart aus unserer Sicht aber auch ein Bewirtschaftungsproblem. Wenn alles richtig läuft, von der Planung über die Genehmigung, dem Nachhalten und der Kontrolle der Zahlen, kann es eigentlich zu keinen Problemen kommen. Dazu gehört allerdings auch, dass Planungen nur in dem verfügbaren Rahmen vorgenommen werden und rechtzeitig Nein gesagt wird.

"loyal": Was tut die Bundeswehr?

von Andrian-Werburg: Zunächst einmal hat Staatssekretär Gerd Hoofe 250 zusätzliche Stellen gebilligt. Und ab nächstem Jahr hat Bundesministerin Ursula von der Leyen jährlich 3.000 Stellen in Aussicht gestellt. Das wird für Entspannung sorgen, wenn alles richtig bewirtschaftet wird.

"loyal": Was raten Sie den Reservisten?

von Andrian-Werburg: Planen Sie wie bisher in engem Kontakt zu Ihrem Truppenteil. Und wenn die Truppenteile mit spitzem Bleistift planen, werden sie auch alle Absprachen realisieren können. Auch in diesem Jahr wird es über 25.000 Reservisten geben, die ganz problemlos ihren Reservistendienst haben leisten können. Das steht trotz allem auf der Habenseite.

Das Interview führte Detlef Struckhof.


Archivbild oben: Reservisten werden von der aktiven Truppe
zur Erfüllung ihres Auftrages gebraucht.
So wie bei einer Anlandungsübung des Seebataillons
in Eckernförde (Symbolfoto: Björn Wilke, Presse-
und Informationszentrum der Marine).

Archivbild unten: Oberst Benedict Freiherr von Andrian-Werburg
ist der Leiter des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten
der Bundeswehr in Bonn (Foto: Nadja Klöpping).

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