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Bundeswehr-Sozialwerk: Ein Hilfswerk braucht jetzt Hilfe

Das Bundeswehr-Sozialwerk besteht stolze 60 Jahre. Im Jubiläumsjahr ist aber aufgrund der Pandemie keine Feierlaune aufgekommen.

Oberstleutnant d.R. Wolfgang Wehrend, Vizepräsident des Reservistenverbandes für Kommunikation und digitale Transformation (r.) traf den Vorsitzenden des Bundeswehr-Sozialwerks, Oberst a.D. Peter Dormanns zum Arbeitsgespräch.

Foto: BwSw

Bundeswehr Sozialwerk

Statt der geplanten fröhlichen Feiern standen plötzlich Krisensitzungen auf der Tagesordnung: Beim Wort „Jubiläum“ verfinstert sich die Miene von Oberst a.D. Peter Dormanns. Der Vorsitzende des Bundeswehr-Sozialwerks (BwSW) hatte – gemeinsam mit seinen vielen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern – auf ein Jahr mit zahlreichen neuen Mitgliedern, hohen Spendeneingängen und vielen bunten Veranstaltungen gehofft. Stattdessen wurde das geplante Jubiläum 60 Jahre Bundeswehr-Sozialwerk zum Albtraum: Zwangsweise schlossen alle Ferienhäuser, Benefiz-Konzerte und Vorträge fielen aus – die Pandemie sorgte für einen Millionenverlust. „Persönlich hat mich am meisten berührt, dass wir erstmals in unserer Geschichte die Freizeiten für Kinder mit Beeinträchtigungen absagen mussten“, sagt Peter Dormanns. „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich weiß, welche große Freude wir ihnen damit bereiten und wie wichtig es für die Eltern ist, einmal im Jahr für zwei bis drei Wochen von der aufreibenden Pflegearbeit entlastet zu sein und an sich selbst denken zu dürfen.“

Mehr als 150 Menschen verreisen normalerweise jedes Jahr im Rahmen dieser einzigartigen Rundumbetreuung, bei der jedem Teilnehmer ein persönlicher Begleiter zur Seite steht. Und dabei sind diese außergewöhnlichen Urlaubsangebote nur ein Beispiel für die ungezählten Aktivitäten einer einzigartigen Institution: „Wir kümmern uns“, so lässt sich deren Arbeit wohl am besten zusammenfassen. Dabei sei das breite Spektrum nicht allen bekannt, beklagt der Vorsitzende. Das Bundeswehr-Sozialwerk organisiere nicht nur Freizeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen und helfe unbürokratisch schwer Kranken, Verletzten und Einsatzgeschädigten. Es sei zugleich auch ein ganz besonderer Betreiber von Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen, ein großer europaweit agierender Reiseveranstalter und ein breit aufgestellter Anbieter von Familien-, Kinder- und Seniorenbetreuung, Sport- und Kulturevents sowie von völkerverbindenden Sprachkursen.

„Sozialklimbim drumherum“ wurde zum Randthema

„Am Anfang stand ein Wunder“, erinnert sich Egon Storz, der Ehrenvorsitzende des Bundeswehr-Sozialwerks. Storz war 28 Jahre Mitglied des Bundesvorstandes, davon fast 19 Jahre Bundesvorsitzender, und kennt daher die Geschichte dieser Fürsorge-Organisation ganz genau. Was nach überhöhtem Pathos klingt, hat den Hintergrund in der unmittelbaren deutschen Nachkriegsgeschichte: „In den 1950er-Jahren, als die junge Bundesrepublik nach zwei Weltkriegen und endloser Entbehrung endlich wieder sicher sein wollte und alles erst einmal wiederbeschafft werden musste – von den geschlossenen vier Wänden zum Wohnen angefangen – dachte niemand an einen Sozialansatz organisatorischer Art“, wird Storz in der Chronik anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bundeswehr-Sozialwerks zitiert. „Alles war sozial und nötig.“ Doch der „ganze Sozialklimbim drumherum“ sei in der Zeit des Wirtschaftswunders eher als Randthema abgetan worden.

Bereits in den Anfangsjahren war indes klar, dass Soldatsein eben kein Beruf wie jeder andere ist, und dass die umfangreichen Fürsorgeleistungen des Dienstherrn nicht alle in Not geratenen Bundeswehrangehörigen rechtzeitig erreichten. Es war vor allem dem damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zu verdanken, dass das Sozialwerk der Streitkräfte in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins gegründet wurde: Es sollte bei unbürokratischer Hilfe mehr Entscheidungsspielraum erhalten. Auch sollte insbesondere das ehrenamtliche Engagement der Bundeswehrangehörigen gefördert und anerkannt werden; eine Philosophie, die bis heute ein Erfolgsfaktor ist. Oberst a.D. Dormanns: „So wie sich die Bundeswehr in den 65 Jahren ihres Bestehens immer wieder verändern musste und sich den neuen Gegebenheiten angepasst hat, so haben sich auch die Angebote und Hilfen des BwSW in den letzten Jahrzehnten entsprechend verändert und ausgeweitet. Im Gegensatz zu den Gründungsjahren geht es heute leider auch um die Hinterbliebenen von Gefallenen oder die Kameradinnen und Kameraden, die traumatisiert oder versehrt aus dem Einsatz zurückkehren.“

Keine Vorträge, Konzerte oder Info-Stände

Das Jubiläumsjahr 2020 hätte also eine echte Erfolgsstory krönen können. Doch stattdessen sorgte das Virus außerdem nach Jahren steten Wachstums für einen leichten Mitgliederrückgang. „Das tut uns weh“, sagt Oberst Dormanns. „Keine Vorträge, Konzerte oder Info-Stände, das bedeutet auch weniger Ansprechmöglichkeiten.“ 114.000 Mitglieder – Aktive, Reservisten, Ehemalige und ihre Familienangehörigen – das hört sich derzeit noch viel an, treibt aber dem Vorsitzenden tiefe Sorgenfalten auf die Stirn: Denn die Mitgliedsbeiträge sind neben den Spenden die wichtigste finanzielle Säule des BwSW.

„Auch in Zeiten von Corona versuchen wir Hilfsbedürftigen aus unseren Streitkräften zur Seite zu stehen. Und das mit einem Umfang von mehr als 500.000 Euro pro Jahr. Neben dem Potential der Aktiven ist da der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. für uns seit jeher ein wichtiger und zuverlässiger Kooperationspartner“, betont Dormanns. Das bestätigt Vizepräsident Wolfgang Wehrend im Gespräch mit ihm nur zu gern und nennt ein Beispiel: „Bei unserem traditionellen Neujahrsempfang mit Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle, den wir gemeinsam mit dem Landeskommando Nordrhein-Westfalen veranstalten, rufen wir jedes Mal zu Spenden für das Bundeswehr-Sozialwerk auf. Das ist bundesweit auch bei vielen weiteren öffentlichen und internen Veranstaltungen unseres Verbandes der Fall.“ Leider schränke die Pandemie auch den Reservistenverband zurzeit massiv in seinen Aktivitäten ein.

„Vier Euro im Monat sind gut angelegt“

Wehrend schließt sich daher Dormanns Appell an, allen Reservisten die zusätzliche Mitgliedschaft im BwSW zu empfehlen. Dessen Vorsitzender weist darauf hin: „Als Verbandsmitglieder sind Sie legitimiert, unserer Organisation beizutreten, was Menschen, meist Kameraden in Not, sehr hilft. Am Geld kann es eigentlich nicht scheitern: Die lediglich vier Euro monatlich sind gut angelegt und zudem steuerlich absetzbar.“

Und von wegen „Jugendherbergs-Charme“: Wer einmal als Mitglied in einer der modernen BwSW-eigenen Ferienanlagen von Rügen bis an den Gardasee Urlaub gemacht habe, der komme gern wieder. Das gelte nicht nur für Familien mit kleineren Kindern. „Dem Vergleich zu exklusiven Hotels und Ferienanlagen des freien Marktes können wir uns mit bestem Gewissen stellen. Nur, dass unsere Angebote für die Mitglieder ungleich preiswerter ausfallen“, sagt Dormanns überzeugt und setzt mahnend hinzu: „Es geht auch in Zeiten von Corona um diejenigen, denen das Schicksal besonders schwere Bürden auferlegt hat. Ihnen versuchen wir weiterhin umfassend und unbürokratisch zur Seite zu stehen. Jede noch so kleine Spende, aber auch jedes neue Mitglied hilft uns, diese schwierige Phase zu überwinden.“

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