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Die Reserve

Dankbar für alles, was Sicherheit gibt

Zuerst kribbelt es in der Nase. Dann brennt es unangenehm und schließlich schießen einem die Tränen in die Augen. „Herrlich, so muss das sein“, freut sich Leutnant Lars Klein. Er ist einer der Bundeswehr-Soldaten, die bei den Schnelltests in insgesamt zwölf Kölner Senioren- und Pflegeheimen unterstützen.

Leutnant Lars Klein bei der Abstrich-Entnahme. Wenn die Tränen kommen, ist die Probe verwertbar.

Foto: Axel Wild

Oberstleutnant Matthias Spitzer (l.) ist Kontingentführer des Anteils vom BAPersBw. Oberstleutnant Axel Wild (r.) ist Stellvertretender Leiter des Kölner Bezirksverbundungskommandos. Dazwischen: Heimleiterin Kirsten Marek, Leutnant Lars Klein und Oberleutnant d.R. Tobias Kimpel (v.l.n.r.).

Foto: Sören Peters

Obergefreiter d.R. Michal Szczygiel, Seniorenhausleiter Marc Stutenbäumer und Kapitänleutnant d.R. Thomas Overbeck (v.l.n.r.).

Foto: Sören Peters

Detailansicht: Lösung und Teströhrchen.

Foto: Sören Peters

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Die Probe übergibt er zur Analyse an Oberleutnant Tobias Kimpel. Der Reservist ist im Zivilberuf Meister für Veranstaltungstechnik beim Unnaer Stadtmarketing. Eigentlich gehören Bühnenbau, Tontechnik und Beleuchtung zu seinem Aufgabenbereich. Heute sind es Rachen- und Nasenabstriche. Dass die Veranstaltungsbranche derzeit am Boden liegt, kann sich wohl jeder an fünf Fingern abzählen. „Zwischendurch gab es noch ein bisschen zu tun, etwa weil Sitzungen des Stadtrats in die weitaus geräumigere Stadthalle verlegt worden sind. Aber die Zeiten, in denen man den Sonntag nur daran erkennt, dass der Supermarkt geschlossen ist, die sind vorerst vorbei“, sagt Kimpel. Er war einer derjenigen, die arbeiten mussten, wenn andere frei hatten. Diese Vorzeichen haben sich nun umgekehrt. Durch sein Engagement als Reservist hat der Oberleutnant zu tun, während andere noch in Kurzarbeit sind.

Bereits im März hatte er sich freiwillig gemeldet, da aber erst einmal nur Reservistinnen und Reservisten mit sanitätsdienstlichem Hintergrund benötigt wurden, musste der Pionier auf seinen Einsatz warten. In der zweiten Welle aber ging es dann ganz schnell. Über den Aufruf „Reserve hilft“ wendete er sich an das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw). Mitte Dezember erfolgte der Erstkontakt und schon im Januar wurde er bei der Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt in Grevenbroich eingesetzt. Das ist zwar nicht heimatnah im engsten Sinne, „aber so kommt man wenigstens rum in Deutschland“, freut sich der unbeorderte Reservist. Bis Ende Juli ist er erst einmal freigestellt von seinen zivilberuflichen Aufgaben und kann dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Freiwillig gemeldet – prompt eingesetzt

Als Ende Januar Freiwillige gesucht wurden für die Abstriche in Pflege- und Seniorenheimen, meldete sich Kimpel. Seitdem ist er im Kardinal-Frings-Haus in Köln-Ehrenfeld eingesetzt, untergebracht bleibt er in Grevenbroich. Mit dem Auto ist es knapp eine halbe Stunde, immer geradeaus über die B59. Erst durchs Grüne, dann vorbei an Tattoostudios, veganen Restaurants und Dönerläden – je urbaner die Umgebung wird, desto länger werden die Bärte der Männer und desto bunter werden die Hauswände. Eigentlich ein krasser Kontrast zu Soldaten in Uniform. Die aber sind mehr als willkommen.

Oberleutnant d.R. Tobias Kimpel bei der Testauswertung. (Foto: Sören Peters)

Das kann Heimleiterin Kirsten Marek nur bestätigen, sie ist äußerst dankbar für die Hilfe in Uniform. Die täglichen Tests wären mit eigenem Personal nicht zu stemmen, rund 30 sind es am Tag. Ohne Unterstützung von außen müsste sie Pflegekräfte dafür abstellen – das ginge dann zu Lasten der rund 80 Bewohnerinnen und Bewohner. Ende Januar hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer das Hilfsangebot der Bundeswehr untermauert: „Zögern Sie nicht, ihre Anträge auf Amtshilfe zu stellen.“ (wir berichteten). „Ich habe mich dann sofort an meinen Chef gewandt, über die Stadt Köln den Antrag ausgefüllt und schon einen Tag später klingelte das Telefon. Schon zu Beginn der Folgewoche ging der Einsatz los.

Nur positive Rückmeldungen

„Von den Mitarbeitenden und den Angehörigen kommen nur positive Rückmeldungen“, freut sich Marek. Diese Tests erledigen die Soldaten eigenständig. Bei den Bewohnern nehmen die Pflegefachkräfte die Abstriche, die Auswertung übernehmen die Soldaten. Das Angebot nimmt viel Druck vom sprichwörtlichen Kessel. „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedrückt die Frage ‚Was ist, wenn ich was mit reinbringe?‘“, weiß die Heimleiterin. Die Schnelltests geben Sicherheit. Die positive Nachricht: bisher waren alle negativ.

So soll es aussehen: Nur der Kontrollstreifen ist verfärbt. Bei einem positiven Ergebnis würde auch der T-Streifen „anschlagen“. (Foto: Sören Peters)

Ortswechsel. Rund 100 Meter Luftlinie und 200 Meter Fußweg sind es – vorbei am Bahnhof Ehrenfeld, aus dessen Torbögen sonst des nachts die Bässe wummern, vorbei an ein paar Street-Food-Ständen und einem Basketball-Käfig – zum Seniorenhaus Heilige Drei Könige. Auch hier führen Reservisten die Schnelltests durch: Kapitänleutnant Thomas Overbeck und Obergefreiter Michal Szczygiel. Auch sie waren vorher zur Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt Grevenbroich eingesetzt, bis sie sich Ende Januar freiwillig für den Einsatz in Köln meldeten. 30 bis 60 Testungen am Tag nehmen sie vor, auch hier haben sich die Teams schnell eingespielt – und mit der Zeit kennt man seine „Stammkunden“.

„Das sanfte Stäbchen“

„Der ältere Herr da draußen, der ist gut drauf. Der sagt immer ‚Jetzt mach aber mal flott, Junge‘“, erzählt Szczygiel, der sich schon den Kosenamen „das sanfte Stäbchen“ verdient hat. Die Einweisung in die Schnelltests erfolgte durch das Deutsche Rote Kreuz in der Luftwaffenkaserne in Köln-Wahn: Abstrich, Analyse, Auswertung. Danach durften die Soldaten und Reservisten eingesetzt werden. Aber wie im Nachbarhaus gilt auch hier: Die Bundeswehr testet nur Mitarbeiter und Besucher. Die Abstriche bei den Bewohnerinnen und Bewohner übernimmt das Pflegepersonal, die Reservisten werten aus.

Obergefreiter Michal Szczygiel beim Einsatz in der Kapelle des Seniorenhauses Heilige Drei Könige. (Foto: Sören Peters)

Thomas Overbeck kam über einen Kontakt im Karrierecenter Düsseldorf zu seiner Heranziehung. Auch er übt eigentlich Zivilberufe aus, die derzeit wenig gefragt sind, er ist Tauchlehrer und betreibt ein Billard-Café in Krefeld. „Was soll ich denn jetzt zuhause herumsitzen!?“, sagt er. Und freut sich über den straffen Zeitplan: Am 5. Januar im Karrierecenter vorgestellt, zwei Tage später war die Heranziehung da und am 11. Januar stand er in der Kölner Lüttich-Kaserne auf dem Hof. Wie die Kameraden Szczygiel und Kimpel war auch er zuvor in Grevenbroich eingesetzt, meldete sich freiwillig für den Einsatz in Köln. „Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Heim kümmern sich wirklich hervorragend“, lobt Overbeck. Er hätte in der Zeit schon zwei Kilo zugenommen, erzählt er schmunzelnd. Ähnlich wie im Teströhrchen stimmt hier die Chemie.

Das muss die Kapelle dann mal aushalten

Getestet wird in dem christlichen Haus an einem ungewöhnlichen Ort: der Kapelle. Das hat aber ganz praktische Gründe. „Zum einen befindet sich diese im Eingangsbereich, so müssen Besucher nicht erst durch das ganze Haus laufen. Zum anderen kann man den Raum optimal querlüften“, sagt Seniorenhausleiter Marc Stutenbäumer. In einer besonderen Situation müsse auch ein geweihter Raum mal besondere Maßnahmen aushalten.  Auch er ist dankbar über die Hilfe der Bundeswehr und bekundet großes Interesse daran, dass es langfristig weitergeht. „Nach zwei Tagen hatte sich alles eingespielt und ich muss sagen: Ich find’s super!“ Besonders lobt er die Zuverlässigkeit der Reservisten.

Das Seniorenhaus Heilige Drei Könige bietet 95 Menschen Platz. 65 Frauen und Männer kümmern sich um sie. „Und die wollen auch getestet werden“, weiß der Hausleiter. Bei drei Mitarbeitern zeigte der Schnelltest ein positives Ergebnis an. „Zum Glück nur Verdachtsfälle“, sagt Stutenbäumer und klopft drei Mal auf seinen Schreibtisch. Toi, toi, toi. Die anschließenden PCR-Tests seien schließlich negativ gewesen. „Wir wollen unsere Bewohner bestmöglich schützen. Seit dem vergangenen März leben und arbeiten wir mit enormen Belastungen und sind dankbar für alles, was Sicherheit gibt.“ Glücklich ist er darüber, dass inzwischen drei Viertel seiner Mitarbeiter und fast alle Bewohner die zweite Impfdosis erhalten haben. Solange aber nicht klar ist, ob Geimpfte das Virus weiterverbreiten können, bleiben die Schutzmaßnahmen bestehen. Gerne mit der Bundeswehr.

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